Der Gartenkürbis, das unbekannte Wesen

oder: Aufstieg, Fall und Wiedergeburt von Cucurbita pepo in Europa.

Heute möchte ich Euch eine Kürbis-Art vorstellen, die in mehr Formen auftritt als jede andere Art im ganzen Pflanzenreich und die deswegen früher mit dem Beinamen „polymorpha“ (Griechisch für „vielgestaltig“) belegt wurde: den Gartenkürbis. Dieser war lange Zeit die einzige Kürbis-Art, die in Europa genutzt wurde, ist aber irgendwann vollkommen in der Versenkung verschwunden. Obwohl er nun teilweise wieder in Mode gekommen ist, kennt ihn kaum jemand wirklich.

Ich möchte Euch in diesem Beitrag außerdem mit dem Menschen bekannt machen, der die vielen Gestalten der Gartenkürbisse, die es einmal gab, als erster gründlich studiert und sie in hunderten, wunderbaren Aquarellen festgehalten hat. Seine Bilder sind damals zusammen mit dem Gartenkürbis in Vergessenheit geraten, bis sie neulich wiederentdeckt wurden…

Jetzt möchte ich, dass auch der Gartenkürbis in seiner ganzen Vielfalt wiederentdeckt wird…

Ich bin mir sicher, dass Ihr zum Schluss, wenn Ihr die ganze Geschichte vom Gartenkürbis hier gelesen und die 250 Jahre alten Bilder früherer Gartenkürbisvielfalt gesehen habt, von ihm genauso begeistert sein werdet wie ich.

Zur Einstimmung habe ich den Beginn dieses Beitrags mit ein paar Fotos der vielfältigen Gartenkürbisse dekoriert, die in diesem Jahr in meinem Garten gewachsen sind (es sind wirlich Gartenkürbisse!).

Lebendige Vielfalt von Gartenkürbissen

Vielfalt an Gartenkürbissen: anderer Tag, andere Perspektive…

Weil der Beitrag wieder unverschämt lang geworden ist, bekommt er ein verlinktes Inhaltsverzeichnis (damit Ihr auch springen könnt):

  1. Fragen über Fragen über Kürbisse
  2. Der Aufstieg des Gartenkürbis in Europa
  3. Der tiefe Fall des Gartenkürbis
  4. Die Wiedergeburt des Gartenkürbis
  5. Die verwirrende Vielfalt der Kürbis-Sorten
  6. Die Erkennung der Kürbis-Arten in der Vielfalt der Sorten
  7. Bilder vergangener Gartenkürbisvielfalt
  8. Wie de Vielfalt der Gartenkürbisse in meinen Garten kam
  9. Gartenkürbisse auf der Speisekarte
Gartenkürbisse in verschiedenen Farben und Formen

Gartenkürbisse in verschiedenen Farben und Formen, aber hauptsächlich gelb und rund

Der Zugang zum Gartenkürbis wird nicht nur durch seine vielfältigen Erscheinungsformen erschwert sondern auch durch eine Sphinx, die am Eingang des Wissensschatzes über Gartenkürbisse sitzt, um Kürbiswissen zu prüfen; denn nicht jede:r ist würdig, alles zu erfahren…

Fragen über Fragen über Kürbisse

Weißt Du, dass heute hauptsächlich drei verschiedene Arten von Kürbissen zu Speisezwecken genutzt werden?

Weißt Du, dass diese drei Kürbis-Arten von Ur-Einwohnerinnen des amerikanischen Kontinents in Nutzpflanzen verwandelt wurden?

Weißt Du, dass sich diese drei Kürbis-Arten nicht fruchtbar miteinander vermischen können, sich ein „Butternut“ also nicht mit einem „Roten Hokkaido“ und beide nicht mit Zier-Kürbissen kreuzen können?

Weißt Du, dass bei allen drei Kürbis-Arten sowohl rankende Varianten vorkommen, deren Triebe unbegrenzt wachsen, als auch buschige Formen, deren Triebe nur ein begrenztes Wachstum zeigen (wie bei Bohnen und Tomaten)?

Vorrangig weiße Gartenkürbisse

Weiße und weißliche Formen des Gartenkürbis

Weißt Du, dass der Spagetti-Kürbis, der Steirische Ölkürbis, der Halloween-Schnitzkürbis und auch die Zukkini (Zucchini) zu den Gartenkürbissen zählen?

Weißt Du, wie sich Gartenkürbisse von den beiden anderen amerikanisch-stämmigen Kürbis-Arten unterscheiden lassen?
Ha, stopp! Diese Frage kommt erst später!

Und? Hast Du bis hierher alles gewusst? Ja?
Puh, dann bin ich mal gespannt, ob ich Dir noch Neues erzählen kann…

Und Du? Du hast nicht alle Fragen mit „Ja“ beantworten können?
Macht nichts! Jetzt weißt Du ja die Antworten – und ehrlich: Um 1900 herum war selbst Kürbis-Fachleuten nicht mehr bekannt, dass die besagten Kürbisse aus Amerika stammen…

Langstielige Gartenkürbisse

Nie zuvor gesehen: Kürbisse mit derart langen Stielen…

Der Aufstieg des Gartenkürbis in Europa

Jetzt aber mal ernst:

Die meisten Menschen sprechen heute meistens nur von „Kürbissen“, meinen damit aber in der Regel die Früchte von verschiedenen Kürbis-Arten; denn unsere (Haupt)Speisekürbisse, die allesamt vom amerkanischen Kontinent stammen, lassen sich in drei Arten unterteilen, die sich anhand bestimmter Merkmale eindeutig unterscheiden: Gartenkürbis (Cucurbita pepo L.), Riesenkürbis (Cucurbita maxima Duch.) und Moschus-Kürbis (Cucurbita moschata Duch.).

Langstielige, weiße Sonderform mit hellgrünen, dünnen Streifen

Langstielige, weiße Sonderform mit hellgrünen, dünnen Streifen

Die amerikanischen Kürbisse wurden erstmalig von Christoph Columbus auf den karibischen Inseln entdeckt und eventuell auch schon von ihm nach Europa gebracht; das war ab dem Jahre 1492.

So wie der neue Erdteil bis dahin unbekannt und ohne Namen war, so waren es auch die neu entdeckten Gewächse: Auch die Kürbisse kamen namenlos in Europa an. Aus pragmatischen Gründen erhielten sie dann erst einmal Namen von Pflanzen, die schon bekannt waren und ihnen ähnelten (teilweise erhielten sie später auch Namen, die von den Namen abgeleitet wurden, die ihnen schon in ihrer Heimat Amerika anhingen).

Im deutsch-sprachigen Raum wurden sie jedoch nicht gleich „Kürbis“ genannt; denn die entscheidenden Leute zu jener Zeit sahen keine Ähnlichkeit der neuen Pflanzen mit derjenigen Pflanze, die damals diesen Namen trug, mit dem Flaschenkürbis nämlich. Dieser war schon zu Zeiten des römischen Reichs bekannt und trug seit damals den Namen „Cucurbita“, der dann zu „Kürbis/Kürbs“ wurde.

Wie die neuen Gewächse damals bezeichnet wurden, könnt Ihr gut auf einigen der folgenden Bilder studieren, auf denen die ersten „Kürbisse“ zu sehen sind, die in Europa auf Abbildungen festgehalten wurden; an der Entstehungszeit der Bilder könnt Ihr auch erkennen, wie schnell sich diese neuen, amerikanischen Gewächse in Europa verbreiteten.

Das erste europäische Bildnis der neuen Kürbisse findet sich schon im Jahr 1508 im Gebetbuch einer bretonischen Königin unter der Bezeichnung „Quegourde de Turquie“ (in Frankreich trägt der Flaschenkürbis bis heute auch den Namen „gourde“).

Kürbisbild von 1508 aus Horae ad usum Romanum, dites Grandes Heures d'Anne de Bretagne

Die erste europäische Abbildung einer amerikanischen Kürbispflanze mit Blüten und Früchten von 1508: ein Gartenkürbis

Seit 1518 konnten auch Besucher:innen der römischen Villa Farnesina „Kürbisse“ in einem Deckengemälde entdecken, das „Amor und Psyche“ betitelt ist; einige, der zahlreichen, lebensechten Früchte in diesen Fresken lassen sich eindeutig als „Kürbisse“ identifizieren.

Ausschnitt aus dem Deckenfresken der Loggia Amor und Psyche in der Villa Farnesina in Rom

Ausschnitt aus dem Deckengemälde im Raum „Amor und Psyche“ mit Kürbis, angeblich C. maxima; aber meiner Meinung nach ein…

Buchleser:innen wurden die neuartigen Gewächse erstmalig im Kräuterbuch „De historia stirpium…“ (S. 725 und 726) von Leonhart Fuchs präsentiert, das in Latein geschrieben ist und 1542 in Basel gedruckt wurde; Fuchs zählt sie zu den Gurken und bezeichnet sie in seinem grazilen Holzschnitt folglich mit „Cucumis turcicus“ bzw. „Türckisch Cucumer“.

In Farbe gab es sie dann erstmals 1546 im Kräuterbuch des Hieronymus Bock zu bewundern unter dem Namen „Indianisch Öpffel“ bzw. „Zucco marin“; Bock gefiel die Bezeichnung „Cucumer“ gar nicht, wie Ihr seinem nachfolgenden Erklärungstext im „Von den namen.“ entnehmen könnt…

Indianisch Öpffel oder Zucco marin

In kurtz verschienen jaren seinde viel unnd mancherlei seltzamer gewechs aus frembden landen zu uns Teutschen bracht worden. Under andern seind auch die schöne Summer öpffel auff der erden ligen / un in einem Summer mit der gantzen substantz wachsen blüen und zeitig werden / zu uns kommen / etlich seer groß / etlich gantz rund / etlich lang / zum theil süsse / zum theil bitter / Von farben etliche gold oder wachsgele / die andern bleich geele und etliche weiß. Diese öpffel alle gewinnen fast einerlei kraut / stengel unnd blumen. Doch ein geschlecht grösser das ander kleiner / mögen alle jar vom samen inn den besten gärten die da stets Sonn haben / auffbracht werden / Im Aprillen setzt man die breitte süsse weisse kern (die sich dem geschelten Mandel vergleichen) nit zu dieff in den mürben grundt / je ein kern vom andern einer guten ellen lang / dann sie müssen raum unnd spatium haben inn irem auffwachsen. Die kern schlieffen mit iren keimen auß der erden gemeinlich in zehen tagen / vergleichen sich den Kürbsen / zwischen den selben zweien bletlein dringen andere und grössere bletter herfür die seind schwarz grün rauch / mit der gestalt wie die bletter an den Winter rosen / Malva Hortensis genant. Wann nun diß gewechs auff kumpt das geschicht in einem Monat / als dann mus man es (wie die Kürbs) auff leiten / oder so man im sein wille lassen wil / fert es uber ein gantzen acker / spreit sich inn alle örter auß hencket sich an das graß mit seinen hafften wie die Bryonia / als dan erscheinen auch die wachs geele schelle blümen zweierlei / die erste seind das getreidt unnd fallen on frucht bald abe / wie am Kürbs gewechs / die andern glocken blumen mit fünff spitzen die sitzen auff den runde grüne knöpffen / darauß die frücht wachsen / und haben inn der mitten ire gold geele bützlin von geruch lieblich / unnd so dise glocken blumen anfahen sich zu rumpffen / als dann folgen die öpffel schnell hernach. Etlich lang / etlich rund / etlich glatt / etlich mit vielen groben rippen / etlich weiß / etlich bleich gele / zum teil schwarz grün / und die selben werden in der zeittigung (dz ist im herbst) gantz wachs geele / und habe gerürte öpffel alle sampt herte holzechte schelet / un seind die schwartz grüne öpffel inwendig auch Safran geele / außgefült mit vielen süssen breitten kernen / etwan sollen auff zwei hundert inn einem apffel kern samen gefunden werden / das mittelst aber zwischen der rinden und den kernen / Im apffel ist das best in allen geschlechten / doch so haben die weisse und bleich geele öpffel weiß fleisch inwendig / gleich wie die rüben an der gestalt und geschmack.
Diser öpffel geschlecht verandert sich das ein gold oder wachs geele / dan es würt widerum grün / und das verhart ein monat dann würts widerumb geel je eins umb das ander / darob ich mich offt verwundert.

Die Indianischen Öpffel in Groß

„Indianische Öpffel“ des Hieronymus Bock von 1546: Rankender Gartenkürbis

Von den namen.
Etlich wollen obgerürte öpffel und die Cucumeres mengen / und sprechen es seien Türckische Cucumeren / das gefelt mir gar nit / ursach alle Cucumeres seind feüchter art un gar nit werhafftig / darumb so nenne ich dise frucht Summer öpffel / Indianisch öpffel / Mala Indiana / Crocca / Lutea / Citrina / Nigra etc. eins andern namen Zucco marina. Dann war ists das solche öpffel über meer her kommen seind / eins theils auß Syria / die andern auß India / wie dann ire namen lauten / Zucco de Syria / Zucco Peru etc. wer es besser weiß mags anzeigen.

Von der krafft und würckung.
Es müssen alle ernente öpffel ein rechtmessige qualitet und natur haben nit zu feucht / nit zu drucken / nit zu warm / noch zu kalt / dann sie seind putrefaction / das ist / der feulung ein gute zeit sicher / mögen nützlich inn leib zur speisen erwölt werden.

Innerlich.
aller oberzelten öpffelfleisch (das ist zwischen den rinden und den kernen) mag man seübern von der harten rinden / unnd dem innerlichen weichen marck darin die weisse kern ligen / und das selbig in den hafen bereiten mit wenig wasser / salz unnd buttern / gleich wie man rüben oder öpffel müser kocht / das ist ein gute dracht etc. thut man aber wein daran für das wasser / so vil dester lieblicher würts am geschmack / fast wie ein apffel muß.
Auß den geschelten kernen macht man gutte süsse brülin / un weisse milch / aller ding wie von Mandel kernen / dienen seer wol zur Harnwinde / für den stein / und denen mit hitziger brunst das wasser von sich lassen. Andere würckung mögen mit der zeit an tag kommen.

Die alten Kräuterbücher bequem am Computer durchschauen zu können, ist schon eine feine Sache; es verführt nur leider dazu, noch das eine oder andere Bild auszuwählen, weil es einfach zu schön ist…

Gartenkürbisse alias Zucche marine des Georg Oellinger von 1553

Gartenkürbisse alias Zucchae marinae des Georg Oellinger von 1553 (S. 306 / 307)

Patisson oder Ufo-Kürbisse von 1563

Falls Du gedacht hast, „Patissons“ oder „Ufo-Kürbisse“ seien eine moderne Kreation… (Oellinger, 1553, S. 419)

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts sind Kürbisse neben Kohl und Möhren in Marktszenen niederländischer Maler so selbstverständlich präsent, als seien sie hierzulande ebenfalls schon seit Urzeiten angebaut und gegessen worden; als Beispiel füge ich einen Ausschnitt aus dem Gemälde „Die vier Jahreszeiten: Erde“ des Joachim Beuckelaer von 1569 ein.

Gartenkürbisse zwischen Kohl und Möhren auf einem Gemälde von Beuckelaer 1569

Ausschnitt aus dem Gemälde „Die vier Jahreszeiten: Erde“ des Joachim Beuckelaer von 1569: Kürbisse neben Kohl und Möhren

Auch Guiseppe Arcimboldo hat sie in seinen berühmten Porträhs aus Feld- und Gartenfrüchten verwendet: hier im Bild von Kaiser Rudolf II von Habsburg als Vertumnus, das 1590 entstanden ist.

Rudolf II von Habsburg als Vertumnus, gemald von Arcimboldo 1590

Fantastisches Suchbild von 1590: Finde die beiden Gartenkürbisse in diesem Porträh

Kürbisse verbreiteten sich demnach in Europa ziemlich rasant. Es waren jedoch fast ausschließlich Gartenkürbisse, die in den ersten 300 Jahren in Europa kultiviert wurden, wie auf den alten Abbildungen einigermaßen gut zu erkennen ist (Momentchen, falls Du Gartenkürbisse noch nicht von den anderen Kürbis-Arten unterscheiden kannst, gleich wirst Du es können…)

Das hat einen guten Grund: Gartenkürbisse stammen aus den nördlichen Teilen des amerikanischen Kontinents (ab Mexiko nordwärts) und wuchsen somit (auch) in kühlerem Klima; vor allem aber setzten sie unter den dort herrschenden sommerlichen Lichtverhältnissen („Langtag“) Früchte an. Die Riesen- und Aroma(Moschus)-Kürbisse entstammen dagegen den äquator-nahen Gebieten Süd- und Mittelamerikas und waren dort an tropische Bedingungen und den Kurztag angepasst; sie gediehen deshalb unter den europäischen Klimabedingungen nicht oder nur schlecht und bildeten in den langen Tagen des hiesigen Sommers keine Früchte.

Gartenkürbisse wurden von den indigenen Völkern Nordamerikas schon tausende von Jahren angebaut und entwickelten dabei viele verschiedene Farben und Formen (Landrassen). Diese Kürbisse wurden ausgereift als Wintervorrat gelagert, aber auch jung, in unausgereiftem Zustand gekocht oder getrocknet; außerdem wurden die öl-haltigen Kerne gegessen (Agriculture of the Hidatsa Indians: An Indian Interpretation, 1917).

Squash slices drying

Scheiben von Gartenkürbissen werden luftgetrocknet (aus: Agiculture of the Hidatsa Indians)

In ähnlicher Weise wurden sie dann auch in Europa verwendet, bis…

Der tiefe Fall des Gartenkürbis

…ja, bis auch die beiden anderen Kürbis-Arten, der Riesen- und der Aroma-Kürbis, in Europa angebaut werden konnten; dazu mussten Varianten dieser Arten selektiert (oder entdeckt) werden, die auch unter Langtagbedingungen Früchte ansetzen und ausreifen konnten…

Das Fleisch der Früchte dieser beiden Kürbis-Arten ist dicker, farbiger, fein-faseriger und würziger als das der Gartenkürbisse; außerdem verholzt ihre Außenhaut nicht, so dass diese mitgegessen werden kann und nicht (mühsam) abgeschält werden muss (wie bei den Gartenkürbissen).

Musquée de Provence (2017)

Aus diesen Gründen haben Riesen- und Aroma-Kürbisse den Gartenkürbis dann nahezu vollständig von der europäischen Speisekarte verdrängt; möglicherweise hat aber auch die Kartoffel das Ihre zum Untergang des Gartenkürbis beigetragen…

Die Wiedergeburt des Gartenkürbis

Wie Du oben schon lesen konntest, wurden Gartenkürbisse in früheren Zeiten ganz selbstverständlich auch in jungem, unreifen Zustand gegessen. Nachdem Gartenkürbisse jedoch vollständig aus dem Anbau verschwunden waren, war mit ihnen auch das Wissen über diese Form des Kürbisgenusses verlorengegangen.

Mit dem Aufschwung des industriellen Ackerbaus ab 1850 stieg dann einerseits die Kaufkraft größerer Bevölkerungskreise an, andererseits stieg der (Konkurrenz)Druck auf die „Bauern“, neue Anbau- und Verkaufsprodukte zu finden, um überleben zu können.

Seit ungefähr 1850 werden Gartenkürbisse wieder regelmäßiger in Europa verspeist, seit nämlich italienische Gemüsehändler die zarten, jungen Früchte des Gartenkürbis unter dem Namen „Zucchini“ dem wohlhabenden Teil der Bevölkerung schmackhaft machen konnten („Zucchini“ bedeutet im Italienischen ja einfach nur „Kleine Kürbisse“, „Baby-Kürbisse“, „Kürbis-chen“).

Verschiedenfarbige, junge Gartenkürbisse

Alle Gartenkürbisse können in jungem, unausgereiften Zustand, also als Kürbischen (Zukkini), gegessen werden

Anfangs wurden sie ausschließlich in einer grünen, geraden Form vermarktet: Grün bedeutet „Frische“ und „Gesundheit“ und die kurze gerade Form ließ sich besser packen und damit kostensparender transportieren. Erst neuerdings sind auch gelbe und runde Zukkini-Formen in den Gemüsetheken der Supermärkte zu finden, wahrscheinlich weil die meisten Menschen nun „Zucchini“ kennen und wissen wie sie zubereitet werden, außerdem die Transportkosten weiter gesunken sind und Anbauer:innen gemeinsam mit den Handelsketten weiterhin nach Marktnischen suchen…

…deshalb: Liebe Direkt-Vermarkter, schaut auf diese Vielfalt! Mehr Gartenkürbis ist möglich!

Verwirrende Vielfalt der Kürbis-Sorten

Jetzt wisst Du, dass „Kürbis“ mehr bedeutet als einfach nur Kürbis. Jetzt fehlt Dir möglicherweise nur noch das Wissen, wie Du die drei Kürbis-Arten unterscheiden kannst; denn vielleicht willst Du ja auf keinen Fall einen potentiell giftigen Gartenkürbis essen, oder Du willst aus dem Angebot im Supermarkt ganz bewusst einen Riesen- oder Aroma(Moschus/Muskat)-Kürbis wählen.

Das Kürbisangebot eines Discounters

Vier verschiedene Kürbis-Sorten von drei verschiedenen Kürbis-Arten beim Discounter

Wenn Du Deine Kürbisse selbst vermehren willst, dann bist Du sogar gezwungen zu wissen, mit welchen Kürbis-Arten Du es zu tun hast: Mancheine:r wartet nämlich vergebens auf Früchte/Samen oder ängstigt sich umsonst, wenn er Pflanzen verschiedener Arten nebeneinander blühen lässt; denn nur Sorten, die zur selben Art gehören, können sich fruchtbar miteinander kreuzen (die Pflanzenzucht-Industrie ist da schon weiter: Sie setzt bei Kürbissen verstärkt auf Art-Hybride, also Kreuzungen von zwei verschiedenen Arten, die wir dann auf keinen Fall weitervermehren können, da sie unfruchtbar sind – womit es einen weiteren Grund gibt, eigenes Kürbis-Saatgut zu gewinnen, so lange es noch möglich ist).

Da es jedoch von jeder Kürbis-Art unzählige Sorten gibt, ist es nicht gerade leicht, die drei genannten Kürbis-Arten auseinanderzuhalten. Manche Sorten derselben Art sehen nämlich so unterschiedlich aus (z. B. „Butternut“ und „Musquée de Provence“), dass mancheine:r kaum glauben mag, dass sie zur selben Art gehören (C. moschata); aber auch alle meine vielgestaltigen Gartenkürbisse würde nicht jeder Laie zur Art „Cucurbita pepo“ zählen.

Andere Sorten ähneln sich dagegen („Jack-o-Lantern“ und „Rouge vif d’Etampes“), werden aber trotzdem unterschiedlichen Arten zugerechnet (hier: C. pepo und C. maxima).

Wer mal einen Blick auf die Sortenfülle der drei amerikanischen Kürbis-Arten werfen (und mit den Ohren schlackern) will, kann sich das gut sortierte Saatgut-Angebot des Kürbis-Klub-Basel (KCB) anschauen oder die entsprechenden Seiten (C. pepo, C. maxima, C. moschata) von französischen Cucurbitophilen (Kürbis-Liebhaber:innen) aufrufen.

Meine drei Kürbis-Sorten von zwei verschiedenen Kürbis-Arten 2016

Drei Kürbis-Sorten von zwei Kürbis-Arten: Butternut und Musquée de Provence (C. moschata) und Roter Hokkaido (C. maxima)

Die Unterscheidungsmerkmale von Cucurbita pepo, maxima und moschata

Nach dieser langen Vorrede komme ich endlich zu den versprochenen Merkmalen, die zur Unterscheidung der drei amerikanischen Kürbis-Arten genutzt werden können; Du sollst Dir ja nicht tausende von Sortennamen merken müssen, die ohnehin oft zweifelhaft und wenig hilfreich sind, nur um zu wissen, welche Sorten sich miteinander kreuzen (können) und welche nicht…

Das einfachste Unterscheidungsmerkmal ist der Stiel der Kürbisfrucht (meistens hat man ja die Frucht vorliegen). Das Merkmal, an dem man die Arten am sichersten unterscheiden kann, sollen die „Haare“ der Kürbispflanzen sein (die haarförmigen Auswüchse der obersten Zellschicht werden eigentlich „Trichome“ genannt); aber auch anhand der Blätter und der Samen lassen sich die drei Arten ziemlich gut auseinanderhalten.

Ich fange mit den Merkmalen des Stieles an, mit dem die Kürbisse an den Ranken sitzen:

  1. C. pepo: Fruchtstiel zur Reifezeit holzig, hart und fünf-kantig, kräftig gerippt oder tief gefurcht.
  2. C. moschata: Fruchtstiel ebenfalls hart, holzig und fünf-kantig, aber wenig bis garnicht gerippt oder gefurcht, meist dünner als bei C. pepo und an dem Ende, das der Frucht ansitzt, oftmals scheibenartig verbreitert; außerdem immer mit borstigen „Haaren“ übersät.
  3. C. maxima: Fruchtstiel weich, porös, mit unregelmäßigen „Längsrissen“ versehen, aber vor allem rund.

Auch die Blätter der drei Arten lassen sich ganz gut unterscheiden:

  1. C. pepo: Blätter mit fünf, mehr oder weniger tief eingeschnittenen, zugespitzten Lappen, mit oder ohne weiße Flecken, mit gesägtem bis ausgeprägt zackenförmigem Rand und scharf zugespitzten, fast dornigen „Haaren“ auf den Stängeln und Blattrippen der Blattunterseite.
  2. C. moschata: Blätter nicht oder nur wenig geteilt, wenn geteilt dann mit stumpfen Zipfeln und Buchten; dunkel-grün und oft mit weißen Flecken; Blattrippen und Stängel weich behaart.
  3. C. maxima: Blätter nicht oder nur wenig geteilt, immer ohne weiße Flecken, kaum gezähnt; an Stängel und Blattrippen mit steifen Haaren besetzt.

Die Trichome („Haare“) der drei Arten unterscheiden sich anhand der folgenden Merkmale:

  1. C. pepo: Trichome wenige, kurz, zackig, fast dornig
  2. C. moschata: Trichome weich-haarig
  3. C. maxima: Trichome borsten-haarig
Behaarung der Arten C. maxima und C. moschata nebeneinander

Die unterschiedliche „Behaarung“ der beiden Arten C. moschata und C. maxima ist hier sehr schön zu erkennen

Die Samen sind etwas schwieriger aber auch immer noch ziemlich sicher zu unterscheiden:

  1. C. pepo: Nabel (das ist die spitze Seite des Samens, mit der er an der „Placenta“ der Frucht sitzt) normalerweise gerade abgeschnitten oder abgerundet; Oberfläche des Samens aschgrau oder schmutzig weiß; Samenrand in der Farbe mit der Oberfläche des Samens übereinstimmend, normalerweise glatt und nicht geschwollen.
  2. C. moschata: Nabel normalerweise quadratisch abgeschnitten oder abgerundet; Oberfläche des Samens aschgrau oder schmutzig weiß; Rand dunkler als der Rest, selten glatt, oft geschwollen und korkig oder aufgeraut und fadenförmig.
  3. C. maxima: Nabel schräg abgeschnitten; Oberfläche der Samen reinweiß oder hell-braun; Rand zumeist in der gleichen Farbe wie die Oberflächen des Samens.

Zum Schluss noch eine Galerie mit Bildern von männlichen Blüten, deren Unterscheidungsmerkmale ich allerdings noch ermitteln muss…

Der großartige Herr Duchesne, seine Erkenntnisse über Kürbisse und seine Kürbis-Bilder

Nachdem Du jetzt die drei amerikanisch-stämmigen Kürbis-Arten unterscheiden kannst, will ich Dir noch den Menschen vorstellen, der ihre Unterscheidung auf den Weg gebracht hat. Dieser hat uns neben seinen Erkenntnissen auch über 300 Kürbis-Bilder hinterlassen, die Du Dir unbedingt anschauen solltest (ich habe mir erlaubt, ein paar von ihnen als Lockmittel hier einzufügen.

Kürbisse mit System

Ich gehe mal davon aus, dass die meisten von Euch Carl von Linné kennen, der sich bei der wissenschaftlichen Einteilung (Systematik) von Pflanzen und Tieren mit seiner zweiteiligen Benennung durchgesetzt hat (Gattungsname: Cucurbita; Artname: pepo; Erstbeschreiber: Linné; kurz: C. pepo L.); aber wer von Euch hat bisher irgendetwas von Antoine Nicolas Duchesne gehört?

Möglicherweise wird die eine oder der andere schon mal über seine Naturgeschichte der Erdbeeren („Histoire naturelle des fraisiers“), gestolpert sein; aber weiß jemand, dass er als erster das Licht der Aufklärung ins Dunkel der Kürbiswelt gebracht hat?

Wie solltet Ihr auch! Nicht einmal die Wikipedia weiß das, die sonst alles weiß. Weder in der deutschen noch in der englischen Ausgabe findet sich ein Sterbenswörtchen darüber. Nicht einmal die französische Ausgabe hat eine Ahnung von dieser Leistung eines Franzosen…

Gartenkürbisse als Aquarell

Ich sage Euch: Das sind keine Zierkürbisse!

Auch mir war er bis vor kurzem nicht als Kürbisfachmann ins Bewusstsein gedrungen, obwohl zwei Kürbis-Arten mit seinem Namen ausgezeichnt werden. Den wissenschaftlichen, lateinischen Doppelnamen des Riesen-Kürbis und des Aroma(Moschus)-Kürbis wird jeweils ein „Duchesne“ (abgekürzt „Duch.“) angehängt: Cucurbita maxima Duchesne bzw. Cucurbita moschata Duch. (siehe oben). Diese Auszeichnung haben sie bekommen, weil Monsieur Duchesne diese Kürbisse zuerst als unterschiedliche Arten erkannt und wissenschaftlich korrekt benannt hat (Erstbeschreiber). Vorher nannte sie jeder, wie er lustig war – fast so wie heute…

Bevor ich Euch jedoch mehr über den großartigen Herrn Duchesne und sein Kürbisvermächtnis erzähle, möchte ich gestehen, dass ich seine Bekanntschaft der Ausgräberin Annett Dittrich zu verdanken habe (wenn Ihr Zeit habt, solltet Ihr unbedingt ihren tiefschürfenden Artikel über eine andere, der gesamten Menschheit schon seit 10.000 Jahren bekannten Kürbisart lesen, über den Flachenkürbis Lagenaria siceraria (Molina) Standley). Sie hat mich außerdem mit dem (noch lebenden) Kürbiszüchter und -erforscher Harry Paris bekannt gemacht, der sich wiederum intensiv mit dem Nachlass von Antoine N. Duchesne befasst und dessen Kürbiswissen für uns Heutige zu größeren Teilen zugänglich gemacht hat – er hat die wunderbaren Aquarelle veröffentlicht, die Antoine Duchesne vor allem von Gartenkürbissen gemalt hat.

Die Erkenntnisse des Antoine Nicolas Duchesne über Kürbisse

Antoine Nicolas Duchesne (7. Oktober 1747 bis 18. Februar 1827) hat sich in den Jahren 1769 bis 1774 intensiv mit Kürbissen beschäftigt, sie angebaut, gekreuzt, beobachtet, sie akkurat dokumentiert, indem er sie gemalt hat, und alle seine Erkenntnisse in einem Büchlein festgehalten. Merkwürdigerweise hat dieses Buch nur eine geringe Verbreitung gefunden und ist bis heute nicht digitalisiert worden (zumindest habe ich es trotz intensiver Suche nicht finden können). Da Herr Duchesne sein Wissen jedoch in zwei der damals beliebten Enzyklopädien (Encyclopédie méthodique. Botanique, 1786, S. 148-159 sowie der Encyclopédie méthodique. Agriculture, 1793, S. 606-614) einbringen durfte (die beide digitalisiert wurden), kann ich Euch zumindest diese Ausschnitte hier zur Verfügung stellen (was zumindest denjenigen nützt, die Französisch beherrschen).

Nun ist auch sein damaliges Wissen nicht mehr Up-to-date, aber er war der erste, der bei der Einteilung von Pflanzen von deren verwandschaftlichen Verhältnissen ausgegangen ist und nicht nur von ihren äußeren Merkmalen (wie Linné).

Aufgeschnittener Gartenkürbis (Aquarell von A. N. Duchesne

Aufgeschnittener Gartenkürbis; aus den Aquarellen von Antoine N. Duchesne

Er hat das herausgefunden, obwohl er damals nur wenige Exemplare der Arten C. maxima und C. moschata anbauen konnte; wie oben schon berichtet, gediehen zu damaliger Zeit nahezu ausschließlich Gartenkürbisse in Europa, so dass es sich auch beim überwiegenden Teil seiner Kürbis-Bilder um Abbildungen der Art C. pepo handelt, um Gartenkürbisse also.

Seine Erkenntnisse sind um so erstaunlicher, da die Unterschiedlichkeit der Gartenkürbisse allein schon gewaltig war, wie Ihr auf seinen Bildern unschwer erkennen könnt; er nannte diese Art deshalb „Cucurbita polymorpha“, die „vielgestaltige“.

Durch seine Anbauversuche hat er trotzdem festgestellt: Wenn zwei Pflanzen unterschiedlich aussehender Varianten nebeneinander wuchsen, zeigte ihre Nachkommenschaft in der Regel die Merkmale beider Eltern. Bei anderen Zusammenstellungen war das jedoch nicht der Fall; bestimmte Varianten vermischten sich nicht, wenn sie nebeneinander wuchsen.

Aus dieser Erscheinung schloss er, dass alle Varianten, die ihre Merkmale miteinander mischten, sich also gegenseitig befruchten konnten, zu ein und derselben Art gerechnet werden mussten; alle, die sich nicht mischten, mussten demnach eigene Arten bilden.

Während Linné Lebewesen noch allein nach äußerlichen Ähnlichkeiten gruppierte, war für Duchesne das wichtigste Merkmal, unterschiedliche Lebewesen derselben Gruppe zuzuordnen, wenn sie fruchtbare Nachkommen miteinander zeugen konnten (diese Definition von „Art“ ist bis heute gültig).

Zukkini von 1774

Es soll keiner sagen, dass es Zukkini erst seit ca. 1850 gibt…hier siehst Du eine, die viel älter ist

Diese Sichtweise war für die damalige Zeit noch äußerst ungewöhnlich, fast 100 Jahre vor Gregor Mendel und Charles Darwin; denn erst diese beiden konnten die Vorstellung endgültig widerlegen, dass die gesamte Natur durch den einmaligen Schöpfungsakt eines allmächtigen Gottes erschaffen wurde und damit unveränderlich sei. Duchesne säte also schon Zweifel an dieser Vorstellung…

Aus diesem Grunde beeindruckt er mich; seine (Garten)Kürbis-Bilder aber begeistern mich regelrecht – weshalb ich sie mit diesem Beitrag bekannt(er) machen möchte.

Neue Vielfalt der Gartenkürbisse in meinem Garten

Ich empfinde es als grandiosen Zufall, dass mir just in dem Moment die Bilder des Antoine Duchesne bekannt werden, in dem zum ersten Mal in meinem eigenen Garten eine opulente Vielfalt an Gartenkürbissen auftaucht – ja wirklich, sie tauchte einfach auf, ungewollt; aber sie löste die gleiche Begeisterung in mir aus wie die Kürbis-Aquarelle des Herrn Duchesne.

Zukkini-Zuchtpflanzen

Überblick über die planmäßige Zukkini-Zuchtanlage am 19. Juni

Bisher habe ich über meine Kürbis-Zuchtversuche nicht viel Worte verloren. Ich habe nur hier und dort meine Bemühungen, die Schreibweise von „Zucchini“ in „Zukkini“ zu ändern (damit sich nicht eines Tages „Zuchini“ als amtliche Schreibweise durchsetzt), mit ein paar Bildern ihrer Ergebnisse dekoriert; doch heute bekommen sie einen eigenen Abschnitt, da ich nämlich Gartenkürbisse auch „züchte“ (und nicht nur esse).

Um allen Missverständnissen vorzubeugen, erkläre ich hiermit noch einmal ausdrücklich, dass auch Zukkini (Zucchini) Gartenkürbisse sind, nur eben Gartenkürbisse in unausgereiftem, jugendlichem Zustand.

Meine Zukkini-Zucht

Auch bei der Zukkini-Zucht bin ich mittlerweile in der dritten Runde (F3) angelangt und habe dabei zum ersten Mal mein Zuchtziel, gelbe, runde Zukkini, zu Gesicht bekommen.

Die Freude über diesen Erfolg wurde aber durch die Freude über die Vielfalt an „Zukkini“ überlagert, die sich sowohl bei der diesjährigen Zuchtrunde, der F3-Generation, als auch durch den zuvor erwähnten Zufall gezeigt hat; nein, um genau zu sein, waren es eigentlich zwei Zufälle, die zu der Vielfalt an Gartenkürbissen führten, die Ihr auf dem Titelbild oben besichtigen könnt.

Bei der Zucht wird ja zu Anfang die genetische Vielfalt größtmöglich vermehrt, um sie dann in weiteren Schritten wieder stark einzuschränken, d. h., sie auf die eine gewünschte, genetische Variante zu reduzieren. So habe ich das teilweise auch gemacht (oder mache es noch), bei Bohnen oder beim Mais. Bei den Zukkini hatte ich 2019 verschiedene Varianten nebeneinander wachsen und von den Insekten mischen lassen, die Ihr im Beitrag „Erfolgreich ‚Zukkini‘ schreiben“ sehen könnt.

Zukkini-Zuchtanlage am 11. Juli 2021

Der Wachstumshöhepunkt meiner Zucht-Zukkini am 11. Juli

Ein paar „unreine“ Samen der gelben Zukkini „Soleil“, die schon im Originalzustand eine F1-Hybride war, und der runden Variante „Tondo chiara di Nizza“ hatte ich 2020 ausgesät. Herausgekommen sind Pflanzen mit unterschiedlichen gelben sowie mit runden, grünen Früchten, die teilweise später gelblich wurden (Fotos von ihnen habe ich bei „Maccheroni con Zucchini“ eingestreut).

In diesem Jahr habe ich wieder Samen von runden sowie von verschiedenen gelben Früchten verwendet, aber sie nicht nur einzeln der Erde anvertraut, sondern an acht Stellen jeweils vier bis sechs Samen verlegt – ich wollte die Chance erhöhen, eine gelbe Runde, mein Zuchtziel, wachsen zu sehen. Nach Abschluss des verderblichsten Schneckenfraßes blieben im Durchschnitt immer noch zwei Pflanzen an jeder Stelle erhalten – genügend Potential für eine recht hübsche Vielfalt: Die gelben und grünen Gartenkürbisse meiner Vielfalt entstanden zum größten Teil hier..

Meine Zufallszukkini

Jetzt komme ich aber zu den beiden Zufällen, die meine Kürbis-Vielfalt hauptsächlich vermehrt haben: Der erste Zufall war eine Bekanntschaft bei Instagram, die darüber berichtet hatte, was passierte, als sie unbedacht eigenes Saatgut verwendete: „…Das hier im Milpa Beet sollte eigentlich ein Jack o’Lantern sein, doch die Frucht ist gelb, sieht aus wie Zucchini und rankt aber wie Kürbis…“ Die Instagrammerin wirkte etwas frustriert, ich aber dachte: „Höchst interessant!“, und erbat mir übrig gebliebene Samen – die ich umstandslos erhielt.

Von diesen Samen kamen dann ein paar in den Boden von Parzelle 63, was dazu führte, dass sich dort nicht nur rankende Pflanzen hemmungslos ausbreiteten, sondern auch orange und gelbe, längliche Früchte sowie ein „Jack-o-Lantern“ das Licht der Welt erblickten.

Länliche, dunkel-gelbe Gartenkürbisse

Längliche, dunkel-gelbe Gartenkürbisse und ein Jack-o-Lantern rankender Eltern…

Rankender Gartenkürbis erklimmt Pflaumenbaum

Rankender Gartenkürbis („Kletter-Zukkini“) wächst in Pflaumenbaum…

Die rankenden Gartenkürbisse werden heute oft mit dem Namen „Kletter-Zukkini“ belegt, der mich einigermaßen verwundert.

Ich kann mir diese merkwürdige Benennung nur so erklären, dass manche nicht wissen, dass auch Gartenkürbisse unbegrenzt wachsende, rankende Formen besitzen, genau so wie die beiden anderen Kürbis-Arten. Oder ich muss annehmen, dass nicht jedem bewusst ist, dass es sich bei Zukkini um Kürbisse handelt, die bei allen Arten, wie gesagt, rankende Formen aufweisen.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag zur Aufklärung beiträgt…

Dieses war der erste Streich, doch der zweite Zufall folgt sogleich:

In Parzelle 63 hatte ich in diesem Jahr auch den größten Teil meiner gut gemischten Kartoffelsammlung vergraben, nachdem ich die Flächen bestens mit eigenem Kompost gedüngt hatte. Die Kartoffeln starteten mäßig, aber zwischen ihnen entwickelten sich glänzend zahlreiche Tomaten und „Kürbisse“, deren Samen mit dem Kompost ins Beet gekommen sein mussten…

Kartoffelbeet mit Kürbissen

Mit Kürbissen und Tomaten verunkrautetes Kartoffelbeet

Ich tippte bei den „Kürbissen“ zwar größtenteils auf Zukkini (heute würde ich natürlich „Gartenkürbisse“ sagen), aber sicher war ich mir nicht, da ich die Unterscheidungsmerkmale der Kürbis-Arten im Mai noch nicht kannte (so wie jetzt).

Als die Kartoffeln gehäufelt werden mussten, musste ich mich entscheiden: Kartoffeln oder Kürbis. Tja, ich hätte jetzt weniger zu erzählen, wenn ich mich nicht für Kartoffeln und Kürbis entschieden hätte.

Durch Schneckenaktivitäten war inzwischen der Platz neben den „Instagram-Kletter-Zukkini“ frei geworden, den ich für Einlege-Gurken reserviert hatte, so dass mir die Entscheidung nicht allzu schwer fiel, die Kompost-Kürbisse dorthin zu transplantieren – womit der zweite Zufall passiert war.

Zufallszukkini am 11. Juli 2021

Auch die Zufallszukkini hatten am 11. Juli den Höhepunkt ihres Lebens erklommen

Der Verlauf der Vegetationsperiode festigte dann meine Vermutung, dass Samen einer „Weißen Keule“, die mir einst Chrissi vom Blog „Würzbald“ hatte zukommen lassen, und deren Sprösslinge ebenfalls in 2019 mit anderen Sorten geimpft wurden, im Kompost überlebt haben müssen: Einige Nachkommen, die Ihr auf den Fotos oben entdecken könnt, zeigen eindeutig Merkmale der „Weißen Keule“.

Eine derartige Vielfalt an Gartenkürbissen hatte ich noch nie gesehen, zumindest so lange nicht, bis ich die Aquarelle von Antoine Nicolas Duchesne gesehen hatte.

Birnenförmiger, grün-weiß gestreifter Gartenkürbis

Grün-weiß gestreifter, birnenförmiger Gartenkürbis

Gartenkürbis à la carte

Nun, auch Freund:innen und Nachbarn hatten so etwas noch nicht gesehen – und nicht gegessen, obwohl Gartenkürbisse auch in ausgereiftem Zustand sehr wohl zu genießen sind, bis auf ihre äußere Schicht (Schale), die dann ungenießbar, weil hart und holzig ist; sie muss entfernt werden – es sei denn, man nutzt sie als Backform.

Schalen sowie halbierter Gartenkürbis

Die holzige Schale/Rinde/Außenhaut der reifen Gartenkürbisse kann nicht mitgegessen werden…

Langstieliger Gartenkürbis, aufgeschnitten, mit weißem Fleisch

Wie Hieronymus Bock oben schon bemerkt hat, ist das Fruchtfleisch der Gartenkürbisse dunkel-gelb bis weiß

Jetzt ist aber doch mal wieder Schluss!

Mir bleibt nur noch, Dich auf meine Rezepte „Gefüllte Zukkini“ (hier wird der Gartenkürbis gefüllt und in der Schale gebacken) und „Weiße-Bohnen-Winterzukkini-Eintopf“ hinzuweisen. Beide Rezepte kannst Du den ganzen Winter über zubereiten und auch noch im nachfolgenden Sommer. Wirklich; denn Gartenkürbisse sind aufgrund ihrer festen Schale noch länger lagerfähig als Exemplare der beiden anderen Kürbis-Arten.

Also, wer Saatgut von meinen polymorphen Gartenkürbissen vervielfältigen möchte, der muss sich möglichst schnell melden – bevor es weg ist; denn auch die Vielfaltsmehrer:innen vermehren sich rasant…

…oder Du vermehrst Deine Gartenkürbisse (Zuchini!) selbst, wie Eljana es im folgenden Video zeigt – mit vielfältigem Ergebnis: