Kürbisse kennen

oder: Wie man die drei wichtigsten Arten von Speisekürbissen unterscheiden kann.

Viele Menschen werden ohne Zweifel sagen: „Natürlich erkenne ich einen Kürbis!“; aber wenn es um Zukkini (Zucchini) geht, sind sie schon nicht mehr sicher, dass dieser italienische Begriff „Junge (unreife) Kürbisse“ bezeichnet.

Das Problem liegt darin begründet, dass es verschiedene Arten von Kürbissen gibt, die wir verspeisen, und dass wir sie darüber hinaus in unterschiedlichen Stadien der Reife zu uns nehmen. Außerdem kommen Kürbispflanzen in unterschiedlichen Wuchsformen daher.

All dies verwirrt.

In den USA ist aus diesem Grunde ziemlich unklar, welcher Kürbis „Squash“ und welcher „Pumpkin“ genannt werden soll. Wenn dann noch Bezeichnungen wie „Summer squash“ und „Winter squash“ dazukommen, die mit „Sommerkürbis“ und „Winterkürbis“ ins Deutsche übertragen werden, ist die Verwirrung komplett; deshalb…

Restbestände von Halloween-Kürbisse auf Hof Müller-Lütken

Kartoffeln? Garten-Kürbisse? Pumpkins? Essbar? Egal! Halloween ist vorbei!

Wissen über Kürbisse tut not…

Dabei ist alles ganz einfach; man muss nur wissen (ja, ja),

  • dass wir hauptsächlich drei (amerikanisch-stämmige) Kürbis-Arten essen: Cucurbita pepo, im Deutschen „Gemeiner oder Garten-Kürbis“ genannt, Cucurbita moschata, auf Deutsch „Aroma- bzw. Duft- oder auch Moschus-Kürbis“, und Cucurbita maxima, den „Riesenkürbis“ (es gibt noch weitere Arten, die wir essen, aber die spielen keine große Rolle);
  • dass es von jeder Kürbisart hunderte von verschiedenen Sorten gibt und dass manche Sorten einer Art so verschieden aussehen, dass man kaum glauben mag, dass sie zur selben Art gehören (wer mal einen Blick auf die Sortenfülle werfen mag, kann sich das gut sortierte Saatgut-Angebot des früheren Kürbis-Klub-Basel (heute KCB-Samen) anschauen oder die entsprechenden Seiten – C. pepo, C. maxima, C. moschata – von französischen Cucurbitophilen aufrufen);
  • dass die Früchte aller drei Kürbis-Arten sowohl jung/unreif als auch ausgereift gegessen werden (können);
  • dass es von jeder Art buschig wachsende Sorten gibt und solche, die unbegrenzt wachsende Triebe bilden.

Wenn man dann noch weiß, dass sich Kürbisse verschiedener Arten nicht fruchtbar miteinander verkreuzen können, weiß man eigentlich schon alles Wesentliche.

Map of the American continent with the four centers of origination of the different species of cucurbits

Die hypothetischen Zentren der „Domestikation“ der verschiedenen Kürbis-Arten sind durch farbige Kringel markiert.

…um das Unwissen über Kürbisgewächse zurückzudrängen

Das Obige sollte man allerdings schon wissen, wenn man sich öffentlich zu Kürbissen äußert, finde ich…

Zwei Kürbisse der Art C. maxima und zwei der Art C. pepo

Welche beiden Kürbisse gehören zur Art C. maxima und welche beiden Zur Art C. pepo?

…was leider nicht jede:r so sieht; deshalb will ich zur Abschreckung mal den Scheinwerfer auf ein besonders krasses Beispiel richten, auf das ich vor ein paar Tagen zufällig bei Twitter gestoßen bin: Don Gardino vermischt nicht nur die verschiedenen Kürbisarten munter miteinander, sondern hält auch Geschlechtsverkehr (mit Folgen) zwischen Kürbissen, Melonen und Gurken für möglich.

O, si tacuisses, Don Gardino!

Der Tweet ist aber auch ein beredtes Beispiel für die aufgeregte Warnung „Vorsicht! Nicht essen, kann sehr, sehr giftig sein!“, die vielstimmig ertönt, sobald jemand berichtet, selbst gewonnenes Kürbis-Saatgut zu nutzen oder, wie hier, einen Kürbis aufzuziehen, der spontan aus einem Samen entsprungen ist.

Die ganz sicher gut gemeinten Hinweise, die in dem Tweet zu lesen sind, stammen von Menschen, die zwar wissen, dass Zierkürbisse das giftige Cucurbitacin enthalten können(!), denen aber anscheinend der Rest des oben gelisteten Basiswissens fehlt, selbst wenn sie gärtnerisch vorgebildet sind und meinen Beitrag „Kürbisse und Sex“ gelesen haben (letzteres hat mich allerdings sehr, sehr bedenklich gestimmt und dazu geführt, jenen Beitrag noch einmal kritisch zu überarbeiten; er scheint nicht das zu vermitteln, was er vermitteln sollte, dass sich nämlich Kürbisse eben nicht lustig miteinander kreuzen, wie nachfolgend gezwitschert wird…).

Schon vor fast 100 Jahren hat der U.S.-amerikanische Botaniker L. H. Bailey Hybridisierungen zweier verschiedener Kürbisarten nach vielen Versuchen als „nicht möglich“ dargestellt.

Ich zitiere wörtlich (Gentes Herbarum, 1929, S. 70) und übersetze:

Hybriden zweier Arten
Bei der Arbeit mit Kürbissen wurde eine Reihe von Versuchen unternommen, die drei Arten C. pepo, C. maxima und C. moschata zu kreuzen. Unter Gärtnern war die Vorstellung weit verbreitet, dass sich diese drei Arten unbegrenzt vermischen. Alle Bemühungen, die drei Arten zu kombinieren, sind jedoch gescheitert, und ich bin überzeugt, dass unter gewöhnlichen Gartenbedingungen keine dieser Arten gewöhnlich hybridisiert.

In der unsterblichen Hoffnung, den falschen Vorstellungen, die heute anscheinend noch genauso weit verbreitet sind wie vor 100 Jahren, doch irgendwann mal ein Ende bereiten zu können, habe ich jetzt die Unterscheidungsmerkmale der drei wichtigsten Kürbisarten aus meinem Beitrag „Der Gartenkürbis, das unbekannte Wesen“ herausgelöst und sie hiermit in den Stand der Unabhängigkeit erhoben; denn ihre Kenntnis kann nicht nur von Ängsten befreien, sondern auch der eigenen Saatgutgewinnung bei Kürbissen zum Erfolg verhelfen.

Notwendiges Wissen für die Kürbisvermehrung

Das Kürbisangebot eines Discounters

Vier verschiedene Kürbis-Sorten von drei verschiedenen Kürbis-Arten beim Discounter

Wenn Du Deine Kürbisse selbst vermehren willst, bist Du gezwungen zu wissen, mit welchen Kürbis-Arten Du es zu tun hast: Mancheiner wartet nämlich vergebens auf Früchte/Samen, wenn er Pflanzen verschiedener Arten nebeneinander blühen lässt (so wie ich vor drei Jahren als ich auch noch ahnungslos war); denn, wie gesagt, nur Sorten, die zur selben Art gehören, können sich fruchtbar miteinander kreuzen.

Da es jedoch von jeder Kürbis-Art unzählige Sorten gibt (siehe auch oben), ist es nicht gerade leicht, die drei genannten Kürbis-Arten auseinanderzuhalten.

Manche Sorten derselben Art (z. B. „Butternut“ und „Musquée de Provence“) sehen nämlich so unterschiedlich aus, dass mancheine:r kaum glauben mag, dass sie zur selben Art (C. moschata) gehören; aber auch alle meine vielgestaltigen Gartenkürbisse würde nicht jeder Laie zur Art „Cucurbita pepo“ zählen.

Andere Sorten ähneln sich dagegen, wie z. B. ein „Jack-o-Lantern“ und „Rouge vif d’Etampes“, werden aber trotzdem unterschiedlichen Arten zugerechnet („Jack-o-Lantern“ zur Art Cucurbita pepo und „Rouge vif d’Etampes“ zur Art Cucurbita maxima).

Genug geredet, zur Sache, Schätzchen! Zeige und erkläre uns die Merkmale, damit wir Kürbisse einfürallemal einwandfrei auseinanderhalten können!

Meine drei Kürbis-Sorten von zwei verschiedenen Kürbis-Arten 2016

Drei Kürbis-Sorten von zwei Kürbis-Arten: Butternut und Musquée de Provence (C. moschata) und Roter Hokkaido (C. maxima)

Die Unterscheidungsmerkmale von Cucurbita pepo, maxima und moschata

Hier sind sie, die versprochenen Merkmale, die zur Unterscheidung der drei amerikanischen Kürbis-Arten genutzt werden können, damit Du Dir nicht tausende von Sortennamen merken musst, die ohnehin oft zweifelhaft und wenig hilfreich sind, nur um zu wissen, welche Sorten sich miteinander kreuzen (können) und welche nicht (ich gehe immer davon aus, dass Du die genetische Vielfalt vermehren willst, indem Du nicht nur eigenes Saatgut gewinnst, sondern auch möglichst viele Sorten miteinander verkreuzt)…

Das einfachste Unterscheidungsmerkmal ist der Stiel der Kürbisfrucht (meistens hat man ja die Frucht vorliegen). Das Merkmal, an dem man die Arten am sichersten unterscheiden kann, sollen die „Haare“ der Kürbispflanzen sein (die haarförmigen Auswüchse der obersten Zellschicht werden eigentlich „Trichome“ genannt); aber auch anhand der Blätter und der Samen lassen sich die drei Arten ziemlich gut unterscheiden.

Ich fange mit den Merkmalen des Stieles an, mit dem die Kürbisse an den Sprossachsen (Trieben) sitzen:

  1. C. pepo: Fruchtstiel zur Reifezeit holzig, hart und fünf-kantig, kräftig gerippt oder tief gefurcht.
  2. C. moschata: Fruchtstiel ebenfalls hart, holzig und fünf-kantig, aber wenig bis garnicht gerippt oder gefurcht, meist dünner als bei C. pepo und an dem Ende, das der Frucht ansitzt, oftmals scheibenartig verbreitert; außerdem zumeist mit borstigen „Haaren“ übersät.
  3. C. maxima: Fruchtstiel weich, porös, mit unregelmäßigen „Längsrissen“ versehen, aber vor allem rund.

Auch die Blätter der drei Arten lassen sich ganz gut unterscheiden:

  1. C. pepo: Blätter mit fünf, mehr oder weniger tief eingeschnittenen, zugespitzten Lappen, mit oder ohne weiße Flecken, mit gesägtem bis ausgeprägt zackenförmigem Rand und scharf zugespitzt.
  2. C. moschata: Blätter nicht oder nur wenig geteilt, wenn geteilt dann mit stumpfen Zipfeln und Buchten; dunkel-grün und oft mit weißen Flecken.
  3. C. maxima: Blätter nicht oder nur wenig geteilt, immer ohne weiße Flecken, kaum gezähnt.

Die Trichome („Haare“) der drei Arten unterscheiden sich anhand der folgenden Merkmale:

  1. C. pepo: nur wenige, kurze, zackige, fast dornige Trichome
  2. C. moschata: Trichome zahlreich und weich-haarig
  3. C. maxima: Trichome verstreut, borsten-haarig
Behaarung der Arten C. maxima und C. moschata nebeneinander

Die unterschiedliche „Behaarung“ der beiden Arten C. moschata und C. maxima ist hier sehr schön zu erkennen

Die Samen sind etwas schwieriger aber auch immer noch ziemlich sicher zu unterscheiden:

  1. C. pepo: Nabel (das ist die spitze Seite des Samens, mit der er an der „Placenta“ der Frucht sitzt) normalerweise gerade abgeschnitten oder abgerundet; Oberfläche des Samens aschgrau oder schmutzig weiß; Samenrand in der Farbe mit der Oberfläche des Samens übereinstimmend, normalerweise glatt und nicht geschwollen.
  2. C. moschata: Nabel normalerweise quadratisch abgeschnitten oder abgerundet; Oberfläche des Samens aschgrau oder schmutzig weiß; Rand dunkler als der Rest, selten glatt, oft geschwollen und korkig oder aufgeraut und fadenförmig.
  3. C. maxima: Nabel schräg abgeschnitten; Oberfläche der Samen reinweiß oder hell-braun; Rand zumeist in der gleichen Farbe wie die Oberflächen des Samens.

Zum Schluss noch eine Galerie mit Bildern von männlichen Blüten, deren Unterschiede zwar deutlich sind, deren Unterscheidungsmerkmale ich aber noch genauer ermitteln muss…