Mein Folientunnel

Mein Folientunnel! Hach, das klingt nach Liebeserklärung.

Ja, eine solche könnte ich verfassen: Folientunnel und Gewächshäuser sind wundervolle Aufenthaltsorte – wenn nicht gerade die Sonne vom Himmel brennt. Es gibt nichts Schöneres für mich, als bei Regen in einem solch geschützten, lichten Ort zu sitzen; aber das hatte ich ja schon einmal gesagt.

Folientunnel, selbst gebaut

Hier soll es ganz nüchtern darum gehen, wie ich mir 2013 einen solchen Lieblingsort in meinem Garten geschaffen, wie ich einen Folientunnel von zehn Meter Länge, vier Meter Breite und 2,50 Meter Höhe selbst gebaut habe (Verbesserungen bis Mai 2019).

Der Folientunnel als Wille und Vorstellung
image-1343

Der Folientunnel als Wille und Vorstellung (4. Juni 2013)

Materialien für den Folientunnelbau

Vom letzten ererbten Geld, knapp 580,71€, besorgte ich mir in jenem Jahr 12 Stangen Betonstabstahl, jeweils 7,5 Meter lang und 14 Millimeter dick, sowie vier Stangen gleicher Dicke mit sechs Meter Länge (212,77€); außerdem ein stabiles Rohr aus Plastik zwei Meter lang und 25 Zentimeter im Durchmesser (35€), 24 kurze Eisenrohre (30 Zentimeter lang und mit 16 Millimeter Innendurchmesser sowie einem Loch an einem Ende; 100€), eine Rolle von 100 Metern Polyäthylen-Rohr (blau, Außendurchmesser 20 Millimmeter, 53€),  einen Spiralsaugschlauch von drei Meter Länge (10€), einen Kübel Sand sowie einen Sack Zement (zusammen 10€).

Dazu dann noch das Wichtigste: 12 Meter Gewächshausfolie (UV5, 200my, 8m breit, 159,94€).

Herstellung und Aufbau des Folientunnels

Mein Plan sah vor: das Plasterohr in 25 Zentimeter hohe Ringe zu zersägen, diese mit Beton zu füllen und mit einem der Eisenrohre zu versehen. Das Rohr sollte senkrecht in der Mitte des Rings stehen und ungefähr 10 Zentimeter oben herausragen. Durch das Loch im unteren Ende sollte ein Nagel quer hindurchgesteckt werden, damit sich das Rohr nicht aus dem Beton herausziehen lässt.

Diese Betonringe sollten die Füße, das Fundament, die Verankerung des Tunnels im Boden bilden. Sie sollten in exakten Abständen zwischen Sitzplatz und Werkstatt im Boden versenkt werden.
Die Betonstahl-Stangen sollten zum Schutz der Folie mit der Trinkwasserleitung (PE-Rohr) überzogen und eine solche Stange dann so gebogen werden, dass sie in zwei einander gegenüberliegende Füße gesteckt werden konnte.

Folientunnelfuß
image-1344

Folientunnelfuß, mittlerweile out-of-date (siehe unten)

Obwohl es doch teilweise einen ordentlichen Kraftaufwand von Sammy und mir erforderte, die Stangen in die Trinkwasserleitung zu schieben, passte doch letztlich alles millimetergenau; auch die Stangen passten nahezu perfekt in die heraustehenden Rohrenden der Betonfundamente.

Nur ließen sie sich unmöglich in die schon im Erdreich versenkten Füße hineinstecken. Meine hilfreiche Liebste und ich keuchten, schwitzten und taten unser Bestes – und mussten  doch am Ende erschöpft aufgeben: die unteren Enden der Stange konnten wir nicht senkrecht genug bekommen, um sie passgenau in die Rohre zu stecken.

Jeder Bogen steckt im Rohr eines Fußes
image-1345

Jeder Bogen steckt im Rohr eines Fußes

Mir wurde mulmig: sollte der ganze Aufwand für die Katz’ gewesen sein? Sollte solch ein kleiner, unbedachter Effekt mich um meinen Folientunnel bringen?

Ich tat das, was ich in solchen Momenten in den meisten Fällen zuerst tue: ich überlegte, suchte nach einer Lösung für das Problem.
Es dauerte nicht lange und ich hatte folgende Idee: “Lass’ uns zuerst die Füße auf die Stangenenden stecken; dann gehen wir so weit aufeinander zu, bis die Stangen passend gebogen sind und wir die Füße in die vorgesehenen Erdlöcher setzen können.”

Gesagt, getan; und siehe da, es klappte ausgezeichnet.

Jetzt fehlte nur noch ein Schweißer, der mir die vier Sechs-Meter-Stangen zu zwei 12-Meter-Stangen verbinden konnte, die ich als Kern zum Aufrollen der Folie an den zwei Längsseiten vorgesehen hatte.
Hierzu hatte sich der gute Nachbar G. bereit erklärt. Trotz seines hohen Alters von 75 Jahren kam er eines Tages mit seinen Gerätschaften herüber und vollbrachte die Vereinigung.

Das Verschweißen zweier Stangen zu einer langen ist vollbracht (23. Mai 2013)
image-1346

Das Verschweißen zweier Stangen zu einer langen ist vollbracht (23. Mai 2013)

So sieht die Theorie aus...
image-1347

So sieht das Grundgerüst in der Theorie aus…

Mitte Juni dann war es wieder mein großer Sammy (zusammen mit seiner damaligen Freundin), der diese seitlichen Sicherungsstangen in Trinkwasserleitungen einschob und die gesamte Konstruktion mit mir errichtete.

Wir stellten zuerst die 12 Bögen auf (wie im Vorfeld geprobt, siehe oben). Dann legten wir die Folie auf einer Seite entlang dieses Gerüsts aus und wickelten eine Längsseite ein wenig auf eine der 12-Meter-Stangen. Diese Stange verlegten wir längs der einen Fundamentreihe und gruben sie dort soweit ein, dass Folie und Stange vollkommen mit Erde bedeckt waren.

Seitenansicht
image-1348

Seitenansicht

Dann drehten wir die andere 12-Meter-Stange ein paar Umdrehungen, so gut es ging, in die andere Längsseite der Folie ein – und zwar nach innen, damit der von der Außenseite des Tunnels ablaufende Regen nicht in diese Windungen hineinlaufen konnte.

Anschließend hieß es, diese Stange über die stehenden Bögen hinweg auf die andere Seite zu schaffen, ohne dass sie sich dabei wieder aus der Folie löste.
Wir hatten diesen Vorgang zwar zuvor ein paar Mal geübt, indem wir die Stange ohne Folie über die Bögen hinweg bugsierten; dazu hatten wir sie auf Besen gelegt, sie hoch gehoben und über die Bögen hinweg balanciert.

Ein unnötiger Kraftakt, wie ich später feststellte: man kann die Folie auch so über die Bögen ziehen, auf der anderen Seite auf die Stange wickeln und beides dann zusammen versenken. Dazu müssen die einzelnen Bögen nur mit Holzlatten verbunden sein, um etwas stabiler zu stehen. Darauf kam ich aber erst in diesem Jahr.

Latten als einfache Verbindungen der Bögen
image-1349

Latten als einfache Verbindungen der Bögen (“Tunnelrückgrat”)

Im ersten Jahr banden wir den ersten und letzten Bogen jeweils an die benachbarten Baulichkeiten, damit die gesamte Konstruktion einen gewissen Halt bekam.

Nachdem die Folie nun auf den beiden Längsseiten einigermaßen fest und glatt verlegt und verankert war, fehlte nur noch eine Befestigung der Folie an den beiden äußersten Bögen. Ich hatte gesehen, dass hierzu bei den käuflich erwerbbaren Tunneln ein sogenannter Klemmschlauch verwendet wird.
Zu diesem Zweck hatte ich das Stück Spiralsaugschlauch gekauft und die beiden äußersten Bögen mit einer dickeren Wasserleitung überzogen. Ich zerteilte den Schlauch in handliche Stücke und schnitt dann jedes Stück mit der Gartenschere der Länge nach auf: fertig war der Klemmschlauch.

Klemmschlauch, fast perfekt
image-1350

Klemmschlauch, fast perfekt; wenn die Stücke mindestens einen Meter Länge haben, halten sie besser

Die Folie wurde über den Bogen gezogen und dann die Schlauchstücke eins nach dem anderen längs auf den Bogen geklemmt; das war zwar anstrengend, aber nicht ganz unmöglich.

Da stand er also, mein Folientunnel, schon mit Tomatenpflanzen gefüllt (der Zeitplan war natürlich wieder alles andere als perfekt gewesen!) und harrte der Unwetter, die da kommen würden.

image-1351

Das sieht doch gut aus, oder? (30. Juni 2013)

Hat mein Folientunnel überlebt?

Ja, das erste heftige Gewitter hat er bestens überstanden – das habe ich selbst erlebt – und auch alle anderen Wetter der letzten beiden Jahre haben ihn nicht unterkriegen können; nur meine Nachlässigkeiten haben ihm bisher geschadet: die schlecht angebundenen Spiralstäbe der Tomaten haben ihn hier und da gelöchert und eine nicht anständig verankerte Seitenstange hat ihn einmal komplett in die Knie gehen lassen; aber ansonsten habe ich mich schon einige Stunden darin erfreut – von den beiden erfreulichen Tomatenernten ganz zu schweigen.

Nachtrag 2018:

Bisher habe ich mich in jedem Jahr an meinem Folientunnel erfreuen können; in jedem Jahr hat er mir den Anbau von wärmeliebendem Gemüse, wie Tomaten, Paprika und Auberginen sowie Melonen ermöglicht. In diesem Jahr erhält er noch einen Partner; mit diesem zweiten Tunnel wird der Melonenanbau noch ein wenig intensiviert werden.

Verbesserungen: Nachtrag Mai 2019

Nach fünf Jahren Erfahrung mit meinem selbst gebauten Folientunnel möchte ich folgende Ergänzungen bzw. Verbesserungen einfügen:

Die ursprünglich als Kern der eingegrabenen Folie vorgesehenen 12-Meter-Stangen sind längst zersägt und zu zwei Tunnelbögen eines weiteren Folientunnels umgewidmet worden; sie waren unnötig.

Auch die Betonklötze, die die “Tunnelfüße” bilden sollten, stellten sich als vollkommen unnütz, als einfach überflüssig heraus.

Ich hatte anfangs gedacht, dass der Folientunnel von ihrem Gewicht am Boden gehalten werden müsste; das war eine Fehlannahme.
Der Folientunnel wird allein durch die gut eingegrabene Folie am Boden verankert.

Wie grabe ich die Folie längs des Tunnels ein

Gut eingegraben bedeutet: Die Folie wird so in den ca. 40 cm tiefen Graben eingelegt, dass sie diesen vollständig auskleidet (am besten auf beiden Seiten gleichmäßig).

Dann wird die Folie im Graben auf der ganzen Länge des Tunnels mit etwas Erde beschwert (an jeder Stelle der Folie sollte ungefähr eine Schaufel Erde liegen).

Nun wird der Rest der Folie (das ist der Teil, der außen wieder aus dem Graben herausragt) über die Erde gelegt, die zuvor in den Graben, auf die Folie geschaufelt wurde. Dabei kann sie ruhig unregelmäßig gefaltet werden.

Anschließend wird der gesamte restliche Erdboden in den Graben auf die Folie geworfen und festgetreten.

Als Ersatz für die Betonklötze hatte ich mir bei meinem zweiten Folientunnel folgende “Füße” überlegt (und von Nachbar Jörg zusammenschweißen lassen):
Ich besorgte mir Eisenrohr mit 14 mm Innendurchmesser (“innen” ist dabei wichtig, damit der 14 mm dicke Baustahl hineinpasst) und Winkeleisen (“Winkelprofil aus Stahl”, gleichschenklig, mit 25 bis 30 mm Schenkellänge).

Das Rohr zerteilte ich mit dem Trennschleifer in ca. 30 cm lange Stücke, das Winkeleisen in ca. 20 cm lange.

Anschließend schnitt ich einen Schenkel des Winkeleisens in der Breite des Rohres bis an den anderen Schenkel ein und brach dieses Teil mit der Zange aus, so dass ein rohrbreiter Einschnitt entstand.

Das Rohrstück bekam an einem Ende einen ca. 10 cm langen Einschnitt.

In dieses Ende wurde ca. 15 cm langes ein Stück 14er Baustahl (so dick wie die Stangen, aus denen die Tunnelbögen bestehen) gesteckt und darin festgeschweißt; ich machte mir noch die Mühe, das herausstehende Ende des Baustahlstücks spitz zuzuschleifen.

image-1352

Eingeschweißtes Stück Baustahl

Das Rohr wurde schlussendlich so in die Aussparung des Winkeleisens festgeschweißt, dass ein Ende des Rohres (das ohne das eingesetzte Baustahlstück) ca. 5 cm überstand.

image-1353

Nicht ganz perfekt einschweißtes Rohr (es sollte oben etwas herausragen)

Da ich es wirklich perfekt machen wollte, lackierte ich diese “Füße” noch mit Rostschutzfarbe.

Diese “Füße” wurden nun beim Aufbau des zweiten Tunnels im Jahre 2018 anstatt der Betonklötze auf die Enden der Tunnelbögen gesteckt.

Ich habe die Stellen, an denen die Tunnelbögen stehen sollten, zuvor mit kleinen Stöckchen (oder sonstwie) markiert. Man konnte nun ebenfalls aufeinanderzugehen und dadurch die Stangen sehr leicht zu Bögen verformen. An den markierten Stellen konnten nun diese Füße kinderleicht in die Erde gesteckt und eingetreten werden, indem man sich auf die Winkel stellte.

image-1354

Der neue Tunnelfuß sitzt passgenau in der Erde

Im Verlauf des Jahres fiel mir irgendwann ein, dass ich mir diese ganze komplizierte Rohrkonstruktion für den Fuß ebenfalls hätte sparen können, indem ich die Winkeleisenstücke direkt an die unteren Enden der “Tunnelbögen-Stangen” hätte anschweißen lassen. Diese Winkeleisenstücke sollten sogar ca 50 cm lang sein; dann verhindern sie möglicherweise das Umfallen der Bögen und man kann sich die stabilisierende Holzlatte, das Rückgrat, im Scheitelpunkt der Tunnelbögen sparen.

Nun ja, das kann ich ja immer noch machen (lassen)…

In den Berichten über das jährlich stattfindende Tomatenerntefest ist jeweils eine Galerie mit “Tunnelblicken” vorhanden; auf den Bildern lassen sich teilweise Details des jährlich neu aufgebauten und teilweise veränderten Tunnels erkennen.

My tunnel is my castle
image-1355

My polytunnel is my castle (26. Juni 2013)