Die große Kartoffelschau

Wenn man über 100 verschiedene, teilweise ungewöhnliche Sorten von Kartoffeln anbaut, von denen die meisten Menschen noch nie etwas gehört, geschweige denn, dass sie solche Kartoffeln schon mal gesehen haben, dann möchte man doch gerne mal vorzeigen, was man hat, um anderen Menschen die Gelegenheit zu geben, diese kennenzulernen; deshalb habe ich meiner Kleingartenkolonie angeboten, an zwei Wochenenden im September eine kleine Kartoffelausstellung zu veranstalten, die ich jetzt hier noch mal und dauerhaft für alle anbiete.

Ich hatte schon im letzten Jahr den Plan gefasst, den anderen Gärtner*innen der Kleingartenkolonie meine gesammelte Kartoffelvielfalt vorzustellen; doch der Fäulnis fördernde, letztjährige Sommer hatte mir einen Strich durch die Rechnung gemacht: bei vielen Sorten konnte ich gerade ein paar Pflanzkartoffeln retten; die paar Sorten, die einen Ertrag gebracht hatten, schienen mir der Ausstellung nicht wert.

In diesem Jahr war alles anders: der Ertrag war bei allen Sorten überdurchschnittlich.

Das lag einmal an diesem Wahnsinnssommer, der einfach nicht enden wollte (will) – so wie der Winter – und der meinen Kulturen aufgrund des hohen Grundwasserstandes in meinem „Sumpfgebiet“ nicht geschadet hat.

Ein weiterer Grund war die Wahnsinnsanbaufläche, die ich in diesem Jahr mit Kartoffeln bestellt hatte: neben meinem eigenen Garten konnte ich noch zwei Parzellen der angrenzenden Kleingartenkolonie nutzen; außerdem belegte ich noch drei Außenseiten meiner Folientunnel mit Kartoffeln, dort, wo die Folie in die Erde eingeschlagen wird.

image-6438

Der Tunnelrand, sinnvoll genutzt (6. Juli)

Letztlich wurde der Ertrag auch von dem Rindermist gefördert, den mir ein Gartennachbar überlassen hatte und der zumindest für die ordentliche Düngung meines „Zweitgartens“ ausgereicht hat (wodurch ich sehen konnte, dass Dünger Kartoffeln außerordentlich gut tut, und ich in dieser Hinsicht bisher eher zurückhaltend war).

Die Vorsitzende*n meines Kleingartenvereins, in dem ich ja im Frühjahr durch die Übernahme meines dritten Gartens auch Mitglied geworden bin, waren von meinem Vorschlag angetan und kündigten die Aktion in den dafür vorgesehenen Aushangkästen an.

image-6439

Am 1. September baute ich also die 63 Sorten, die ich bisher in ansprechender Menge geerntet und in der Gartenhütte von Parzelle 63 zusammengetragen hatte, bei schönstem Sommerwetter auf und wartete auf Besucher…

…aber niemand kam. Am Abend traf ich zufällig meinen lieben Gartennachbarn H.; der musste dran glauben und sich alle Sorten anschauen. Der Besucherzähler sprang so wenigstens auf 1.

Am Sonntag öffnete ich außerplanmäßig – und hatte das Glück, dass meine neuen Nachbarn bei dem wunderschönen Wetter nicht untätig waren (nein, ich bin ihr neuer Nachbar, sie sind schon vierzig Jahre auf ihrer Parzelle und die einzigen, denen ich den Titel „Selbstversorger“ gerne und vollkommen zu Recht zugestehe; ich hoffe, sie und ihren Garten bei Gelegenheit hier auch einmal vorstellen zu dürfen); ich konnte sie (leicht) überreden, nicht nur einen Blick über den Zaun zu werfen, sondern auch einen Rundgang zu tun. Später wiesen sie noch eine Besucherin auf meine Kartoffelvielfalt hin, die ich dann auch ohne Mühe ebenfalls zu einer Betrachtung aus der Nähe animieren konnte (so spare sie den Weg nach Greiffenberg zum Pflanzkartoffeltag des VERN, die sie schon mehrfach verpasst habe, wie sie meinte).

image-6440

Blick auf’s Austellungsgelände in Parzelle 63 am 1. September

image-6441

Näherer Blick auf die Blauen

Da ich die „Wartezeit“ sehr gut mit neuen Plänen, dem Wiegen und Fotografieren der Kartoffeln ausfüllen konnte, war ich am Abend nicht enttäuscht, sondern sehr zufrieden mit den vier Besucher*innen; ich wertete die Ausstellung als Erfolg.

Zwei Wochen später konnte ich noch einmal vier Besucher*innen persönlich begrüßen (ein paar weitere trauten sich während meiner Abwesenheiten trotz schriftlicher Aufforderung nicht in den Garten).

Und jetzt begrüße ich Dich.

„Hallo! Schön, dass Du hergefunden hast und Dich für Kartoffelsorten interessierst.
Ich führe Dich jetzt mal an allen Sorten vorbei; ich hoffe, Du hast Zeit und Nerven mitgebracht.

Zuerst zeige ich Dir die „Blauen“ (lila, violetten, schwarzen) Kartoffeln, meine Lieblinge, die ich vor zwei Jahren schon mit einem Beitrag bedacht habe.

Mittlerweile sind noch weitere (mehr oder weniger) blau-schalige Sorten hinzugekommen: die Kartoffel-Genbank hat mir in diesem Frühjahr die „Blaue aus Finnland“ sowie die „Russische Schwarze“ in Form von je drei Knollen überlassen.

Außerdem habe ich vom „Kartoffel-Müller“ aus Ulm zwei Sorten mit den Phantasie-Namen „Badenser Blauhörnchen“ und „Eichenhofer Gelbe“ bekommen (woher er diese, ganz sicher „u(r/n)deutschen“ Sorten hat, wollte er mir nicht verraten).

Auch die Sorte „Double Fun“ habe ich von ihm; sie stammt aber aus einem „Werbe-Projekt“ des niederländischen Kartoffelzucht-Konzerns HZPC, das dieser 2016 unter dem Namen „WOW, Colorful Perupas®“ mit viel Tamtam auf der Berliner „Fruitlogistica“-Messe vorgestellt und vor allem an Feinschmecker-Restaurants gerichtet hatte. Die Sorten wurden (angeblich) durch Kreuzung mit südamerikanischen Kartoffelsorten gewonnen. Brav wurde für die Nutzung der genetischen Ressourcen ein dortiges Projekt finanziert.
Aber wie das mit Werbung so ist: ein kurzzeitiger Knalleffekt sorgt für Aufmerksamkeit, dann wird das Ganze vergessen…

Berlin, FruitLogistica, die Perupas® und eine Holländerin, die lustig Englisch spricht

Schon 2017 hatte ich von der Genbank die blaue Sorte „Herd Laddie“ (GBR 1908) erhalten. Beim erzgebirgischen Kartoffel-Vermehrer „Gündels Kulturstall“ hatte ich die Sorten „Fortyfold“ (England 1836), „Skerry Blue“ (Irland vor 1846) sowie „Edzell Blue“ (Schottland 1915 oder früher) bestellt und aus den Niederlanden fanden vom Spezial-Saatgut-Vermehrer „Vreeken’s Zaaden“ die violetten Sorten „Arran Victory“, „Bleue d’Auvergne“ und „Bleue de la Manche“ in meinen Garten.

Außerdem sind meinen Sämlingsaufzuchten noch drei hellblaue Sorten entsprungen.

Du musst Dir jetzt also 27 Sorten anschauen (unter dem Überblicksbild habe ich jeweils das Erstehungsjahr sowie den Lieferanten notiert, teilweise noch den Züchter).

Es fehlen die Sorten „Vogtländische Blaue“ (2016, Genbank); sie stand unter dem Tisch, da sie der „Odenwälder Blauen“ gleicht, ebenso wie „Bell’s Blue“ (2016, Genbank), die mir mit „Long Blue“ identisch zu sein scheint. Auch „Arran Victory“ (2017, Vreeken’s Zaaden), musste hinter die „Bleue d’Auvergne“ (2017, Vreeken’s Zaaden) zurücktreten ebenso wie „Skerry Blue“ (2017, Gündels Kulturstall) hinter die „Edzell Blue“ (2017, Gündels Kulturstall).

image-6442

Badenser Blauhörnchen (2018, Kartoffel-Müller)

image-6443

image-6444

Bergerac (2017, Vreeken’s Zaaden)

image-6445

image-6446

Blå Dalsland (2017, Odlarglädjen)

image-6447

image-6448

Blauer Schwede (2014, Biogartenversand)

image-6449

image-6450

Blaue St. Galler (2017, Vreeken’s Zaaden)

image-6451

image-6452

Bleue d’Auvergne (2017, Vreeken’s Zaaden)

image-6453

image-6454

Bleue de la Manche (2018, Vreeken’s Zaaden)

image-6455

image-6456

Blue Christie (2016, Genbank)

image-6457

image-6458

Double Fun (2018, Kartoffel-Müller / Züchter: HZPC)

image-6459

image-6460

Edzell Blue (2017, Gündels Kulturstall)

image-6461

image-6462

Eichenhofer Gelbe (2018, Kartoffel-Müller)

image-6463

image-6464

Fortyfold (2017, Gündels Kulturstall)

image-6465

image-6466

Fortyfold (2018, Vreeken’s Zaaden)

image-6467

image-6468

Hellblauer Findlig (2017, Sämling)

image-6469

image-6470

Herd Laddie (2017, Genbank)

image-6471

image-6472

Lange Hellblaue (2017, Sämling)

image-6473

image-6474

Long Blue (2016, Genbank)

image-6475

image-6476

Maori (2015, Hortus Carpe-diem)

image-6477

image-6478

Mesabi Purple (2016, Genbank)

image-6479

image-6480

Odenwälder Blaue (2018, Kartoffel-Müller)

image-6481

image-6482

Purple Viking (2018, Vreeken’s Zaaden)

image-6483

image-6484

Runde Hellblaue (2017, Sämling)

image-6485

image-6486

Russische Schwarze (2018, Genbank)

image-6487

image-6488

Shetland Black (2014, Biogartenversand)

image-6489

image-6490

Titicacasee (2015, Hortus Carpe-Diem)

image-6491

image-6492

Ungarische Schwarze (2016, Genbank)

image-6493

image-6494

Vitelotte (2013, als Speisekartoffel gekauft)

image-6495

Als nächste stehen auf meiner Favoritenliste die rot-schaligen und rot-fleischigen Sorten (Du siehst, ich bevorzuge das Ungewohnte; deshalb bin ich ein ganz besonderer Fan von Sorten, die rotes Fleisch besitzen).
Nachdem ich die Sorte „Highland Burgundy Red“ im letzten Jahr durch die Fäulniskatastrophe verloren habe und deshalb nicht mehr vorstellen kann, zeige ich Dir in dieser Abteilung „nur“ neun Sorten.

Es fehlt die Sorte „Rosara“ (2014, Speisekartoffel von meinem Bruder); sie ist zu gewöhnlich und als moderne Sorte zu weit verbreitet; deshalb habe ich ihr keinen Platz in der Ausstellung eingeräumt, obwohl ich sie sehr gern habe Auch die Sorte „Roter Erstling“ (2016, Biogartenversand) fehlt: im letzten Jahr konnte ich drei Knöllchen retten, die mir in diesem Jahr zumindest so viel Ertrag gebracht haben, dass ihr weiterer Anbau gesichert ist; für eine Ausstellung hat er nicht gereicht.

image-6496

Ballwitzer Rotwalze (2018, Kartoffel-Müller)

image-6497

image-6498

Cherie (2014, Speisekartoffel)

image-6499

image-6500

Magenta Love (2018, Kartoffel-Müller / Züchter: HZPC)

image-6501

image-6502

Pommern Rot (2016, Genbank)

image-6503

image-6504

Reichskanzler (2016, Biogartenversand)

image-6505

image-6506

Rosaroter Panther (2018, Kartoffel-Müller)

image-6507

image-6508

Rote Emmalie (2018, Biogartenversand / Züchter: Karsten Ellenberg)

image-6509

image-6510

Rote Hörner (2015, Hortus Carpe-Diem)

image-6511

image-6512

Rouge de Flandres (2017, Vreeken’s Zaaden)

image-6513

Die dritte Abteilung wird von Kartoffelsorten gebildet, die außen rosa-farben sind (manche mögen die Farbe auch als beige oder hell-orange bezeichnen); auch diese Sorten stehen bei mir hoch im Kurs.

image-6514

Bamberger Hörnchen (2018, Speisekartoffel)

image-6515

image-6516

Early Rose (2016, Genbank)

image-6517

image-6518

Fleur de Pêcher (2016, Biogartenversand)

image-6519

image-6520

Gondüzö (2016, Genbank)

image-6521

image-6522

Hokkaika (2018, Genbank)

image-6523

image-6524

Kleine Rose (2015, Sämling)

image-6525

image-6526

Peredowik (2018, Genbank)

image-6527

image-6528

Pink Fir Apple / Rosa Tannenzapfen (2018, Vreeken’s Zaaden)

image-6529

image-6530

Professor Wohltmann (2017, Genbank)

image-6531

image-6532

Raudar Islenkar (2017, Gündels Kulturstall)

image-6533

image-6534

Rosalyn (2017, Sämling)

image-6535

image-6536

P 95/115, Usbekistan (2018, Genbank)

image-6537

image-6538

Woudster (2018, Vreeken’s Zaaden)

image-6539

Die vierte Gruppierung umfasst die Sorten mit zwei-farbigen Schalen, d. h., ihre Schalen sind größtenteils gelb (ocker), haben aber mehr oder weniger große Flecken von blau oder rot, oft um die „Augen“ herum, die Ausgangsstellen der Keime. In diese Gruppe habe ich auch den absoluten Star meiner Sammlung eingereiht, die „Deutsche Blaue“ („Tysk Bla“), die ich selbst aus Schweden eingeführt und im letzten Jahr schon ordentlich vermehrt hatte. In diesem Jahr sind aus den ca. 40 Knollen, die ich an drei verschiedenen Stellen ausgelegt hatte, über 10 Kilogramm geworden.
Ich hoffe ja noch, mehr Liebhaber*innen für sie zu finden, damit sie zum festen Sortiment des Hobby-Anbaus in Deutschland wird.

Also, wie sieht’s aus? Ein paar Mal könnte ich ein paar Knollen abgeben.

Eine weitere Lieblingskartoffel befindet sich in dieser Gruppe und zwar die „Zeeuwse Bonte“. Von dieser Sorte hatte ich im Frühjahr 2017 von Vreeken’s Zaaden 20 Knollen bekommen: winzig klein, total verschrumpelt und mit langen Keimen. Die Ernte bestand aus ca. 10 Knöllchen, die ich allesamt für diesjähriges Pflanzgut überwinterte. Die ersten Knollen, die ich in diesem Jahr ausgrub, waren wieder winzig klein. Ich wollte sie schon unter „Mini-Kartoffel“ einreihen, ihr aber 2019 noch eine weitere Chance geben, weil ich sie so hübsch finde.

Was habe ich für Augen gemacht, als ich den Ertrag der restlichen Pflanzen gesehen hatte: sie kann also auch normal groß werden!

image-6540

King Edward (2017, Gündels Kulturstall / Speisekartoffel)

image-6541

image-6542

Mecklenburger Schecke (2018, Kartoffel-Müller)

image-6543

image-6544

Quarta (2018, Biogartenversand / Züchter: Böhm)

image-6545

image-6546

Sineglaska / „Blau-Äuglein“ (2016, Genbank)

image-6547

image-6548

Trogs Lichtblick (2018, Vreeken’s Zaaden)

image-6549

image-6550

Tysk blå / „Deutsche Blaue“ (2017, Odlarglädjen)

image-6551

Die fünfte und letzte Abteilung bilden die gelb-fleischigen und ocker-schaligen Erdäpfel, die jeder kennt und gewohnt ist (isst). Sie fallen bei mir in die Rubrik „langweilig“; aber ein Sammler achtet auf Vollständigkeit – und handelt eben „aus dem Bauch heraus“, also rein irrational: z. B. hat mein „Lieblingszüchter“, die Kartoffelzucht Böhm, vor allem die bevorzugten Gelben auf den Markt gebracht (so wie alle anderen deutschen Züchter auch). Auch für die meisten anderen ocker-schaligen Sorten, die ich kultiviere, kann ich nur gefühlsmäßige Gründe anführen; ein paar habe ich in den Beiträgen „Genbankkartoffeln“ und „Kartoffel(vor)schau“ genannt.

In diesem Jahr habe ich beim Biogartenversand zugeschlagen und mir eine Anzahl bekannter und beliebter Sorten aus den 50er bis 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts angelacht (das musste jetzt mal sein).

Es fehlt die Sorte „Annabelle“ (2015, Speisekartoffel), die mir auch beinahe im letzten Jahr verloren gegangen wäre und die ich nun, so wie den „Roten Erstling“, wieder aufpäppeln musste. „Aquila“ (2015, Genbank) und „Ackersegen“ (2016, Genbank) waren nocht nicht geerntet.

image-6552

Bintje (2018, Biogartenversand)

image-6553

image-6554

Birte (2015, Speisekartoffel / Züchter: Norika)

image-6555

image-6556

Edelgard (2016, Genbank / Züchter: Böhm)

image-6557

image-6558

Eigenheimer (2016, Genbank)

image-6559

image-6560

Granola (2018, Biogartenversand)

image-6561

image-6562

Hansa (2018, Biogartenversand)

image-6563

image-6564

Institut de Beauvais / La Marseillaise (2018, Vreeken’s Zaaden)

image-6565

image-6566

Linda (2016, Speisekartoffel / Züchter: Friedrich Böhm & Sohn OHG)

image-6567

image-6568

Magnum Bonum (2015, Genbank)

image-6569

image-6570

Nicola (2018, Biogartenversand)

image-6571

image-6572

Russet Burbank (2016, Genbank)

image-6573

Jetzt hast Du erst einmal wahnsinnig viele Bilder gesehen, aber noch nicht allzu viel über die Kartoffeln an sich erfahren; Du weißt also nicht, ob sie fest- oder mehlig-kochend sind und ob sich die „bunten“ Kartoffeln im Geschmack von den gewöhnlichen, gelben unterscheiden.

Tja, zur „Kochklasse“ könnte ich ja noch Angaben machen (ich habe immer noch fest vor, im „Kartoffel-Atlas“ alle Kartoffelsorten akkurat zu beschreiben), aber wie sie schmecken und ob sie Deinen Geschmack treffen, das kannst Du nur selbst feststellen, indem Du sie selbst im Garten anbaust oder durch Deinen Wunsch, sie kaufen zu wollen, eine Nachfrage schaffst, die dann Bio-Bauern in Deiner Nähe befriedigen können.

Ich als Sammler plage mich derweil damit herum, mögliche Doubletten in meiner Sammlung zu erkennen oder gleichnamige als verschiedenartig zu enttarnen.

Im Moment habe ich den Verdacht, dass die folgenden, unterschiedlich benamten Sorten identisch sind:
„Arran Victory“ = „Bleue d’Auvergne“
„Skerry Blue“ = „Edzel Blue“
„Blauer Schwede“ = „Mesabi Purple“ = „Bleue de la Manche“ = „Blaue aus Finnland“.
Ich werde sie im kommenden Jahr direkt neben einander anbauen und außerdem versuchen, mir noch Knollen anderer Herkunft zu besorgen, um diesen Verdacht erhärten zu können (da die ersten beiden blau-schaligen Sorten jeweils vom selben Erzeuger kommen, können sie auch von diesen schon „zusammengelegt“ worden sein).

Auch das „Bamberger Hörnchen“ scheint mir mit der „Pink Fir Apple“ (oder Rosa Tannenzapfen“) benannten übereinzustimmen
Bei „King Edward“ und „Trogs Lichtblick“ sowie „Professor Wohltmann“ und „Woudster“ werde ich auch im kommenden Jahr mal genauer hinsehen.

Dass die drei „Fortyfold“ genannten Sorten, die ich im Anbau habe, jeweils unterschiedlich sind, scheint mir auch ohne exakten Vergleichsanbau mehr als sonnenklar, zumindest ist das Aussehen der Sorte, die die deutsche Kartoffel-Genbank unter diesem Namen erhält, von den anderen beiden himmelweit entfernt. Die beiden letzteren muss ich noch genauer untersuchen; sie sind sich zumindest ähnlich.

So, liebe*r Besucher*in, ich hoffe, der Rundgang hat Spaß und auf Kartoffel-Vielfalt neugierig gemacht. Ich würde mich freuen, wenn Du die eine oder andere Sorte mal probierst, vor allem natürlich probierst, sie anzubauen und zu erhalten.

Vielleicht hast Du auch Lust bekommen, Kartoffeln aus Samen zu ziehen, um Dir Deine eigene Lieblingssorte zu „züchten“. Das ist überhaupt nicht schwer; die meisten Kartoffeln, die dabei rauskommen, sind interessant, lecker und bunt; sie sind möglicherweise nicht so ertragreich und wohlgeformt wie die agro-industriell erzeugten Kartoffeln – aber brauchen Hobby-Gärtnerinnen und Hobby-Köche das?

Wenn Du nun in meiner Ausstellung noch nicht genug gesehen hast, dann kannst Du Dir noch das folgendes Filmchen ansehen sowie ein paar Kataloge, in denen südamerikanische Landrassen („Papas nativas“) gezeigt werden, also Kartoffelsorten aus den Ursprungsländern der Kartoffel: nur damit Du weißt, was alles möglich ist, welche gewaltige Vielfalt an Farben und Formen durch den industriellen Massenanbau auf die eine gelb-fleischige, ockerschalige, glatte, rund-ovale Knolle reduziert wurde.

Ein peruanischer Bauer im Andenhochland, der über 400 Sorten Kartoffeln anbaut

Catálogo de variedades de Papa Nativa y de uso local en el estado Mérida, Venezuela
Catálogo de papas nativas de Nariño, Kolumbien
Cultivares de papas nativas Sierra centro del norte de Ecuador
Catalogo de variedades de papa nativa del sureste del departamento de Junin, Perú, 2017
Catalogo de variedades de papa nativa de Chugay, La Libertad, Perú (Spanisch, Englisch), 2015
Catálogo de variedades de papa nativa de Huancavelica, Perú, 2014
Papas Bolivianas, Catalogo de 100 variedades nativas, Bolivien
Catálogo etnobotanico de papas nativas de Norte Potosí y Oruro, Bolivien
Catálogo etnobotánico de papas nativas del Altiplano Norte de La Paz, Bolivien
Catálogo de variedades de papas nativas de Chile
Study of a collection of potatoes (Solanum tuberosum spp tuberosum L.) native of Chiloé (Chile); die Bilder der einzelnen Sorten befinden sich am Ende der Doktor-Arbeit