Zwiebelsamen sammeln

oder: Wissen über Höri Bülle, Rosé de Roscoff, Red Wethersfield, Southport White Globe.

Nach den beiden letzten, theorielastigen Beiträgen über Pflanzenzüchtung für den Kopf schreibe ich etwas fürs Gemüt: Ich teile meine Vorfreude auf den kommenden Zwiebelanbau mit Euch und stelle meine neuen Zwiebelsorten ausführlich in Text und Bild vor: „Höri Bülle“, „Rosé de Roscoff“, „Red Wethersfield“ und „Southport White Globe“; ich möchte mir (und Dir, liebe Leser*in) die Zukunft schon mal plastisch vor Augen führen.

Diese freudige Zwiebelzukunft wird außerdem noch von den Sorten „Frühe Blassrote“ (aus der DDR, der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik), „Moravanka (Rosa Mährische)“ (aus der ČSFR, der ehemaligen Tschechoslowakei), „Pogarskij Mestnyj Ulucsenny“ (Погарский местный улучшенный, aus der ehemaligen Sowjetunion), „Holländische Plattrunde Dunkelrote“ sowie „Yellow Sweet Spanish“ (wahrscheinlich auch aus den USA) erhellt, die ich im Herbst vergangenen Jahres aus der Saatgutbank des (Leibniz-)Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, kurz: IPK bekommen habe (über diese gibt es nicht so viel zu sagen).

Ja, ich werde jetzt zum Zwiebelsamensammler! Wie kann ich sonst meine eigene Zwiebelzucht starten, um sowohl besonders haltbare Zwiebeln zu selektieren als auch die genetische Vielfalt der Zwiebeln wieder unendlich zu vermehren?

Zwiebelprogramm 2017

Vor dem Blick in eine sorgenfreie Zukunft liegt aber die Aufarbeitung der Vergangenheit; in ein paar Worten, mit Bildern garniert, berichte ich über die „Genbank“-Zwiebeln vom letzten Jahr: Was ist aus den Samen der Sorten Bessonovskij Mestnyj (Бессоновский местный, Sowjetunion, Russland), Wolska Hoser (Polen) und Roşii de Făgăraş (Rumänien) geworden?

Anbau von Wolska Hoser, Roşii de Făgăraş und Bessonovskij Mestnyj

Die Sorten „Wolska Hoser“ sowie die Sorte „Roşii de Făgăraş“ haben mir besonders gefallen, die Lokalsorte aus dem Bezirk Bessonowskij ein bisschen weniger; die erstere ist eine gelbe, recht große, ovale, feste Zwiebel, die zweite eine rosa-farbene Hübsche, die dritte eine kleinere, bauchige, gelbe Zwiebel.

Die polnischen „Wolska“-Sorten wurden mir von einer Mitarbeiterin der niederländischen Genbank in Wageningen empfohlen, als sie meine Anfrage nach Samen (leider) ablehnen musste.

Die polnisch-sprachige Wikipedia weiß folgendes: „‚Wolska‘ (podobne ‚Czerniakowska‘, ‚Kutnowska‘, ‚Sochaczewska‘, ‚Warszawska‘) – cebule nierówne o różnych kształtach; smak łagodny; średnio późne lub późne; dobrze się przechowują; twórcą tej odmiany był Czesław Zajkowski − przed wojną posiadacz gospodarstwa ogrodniczego na warszawskiej Woli u zbiegu ulic Wolskiej i Elekcyjnej.“

Das bedeutet laut GOOGLE-Übersetzer so viel wie: „‚Wolska‘ (wie ‚Tscherniakowska‘, ‚Kutnowska‘, ‚Sochatschewska‘, ‚Warschauer‘) – ungleichmäßige Zwiebeln in verschiedenen Formen; Geschmack mild; mittel spät oder sehr spät; sie halten sich gut; der Schöpfer dieser Sorte war Czeslaw Zajkowski – vor dem Krieg Inhaber eines Gartenbaubetriebes im Warschauer Stadtteil Wola an der Ecke der Straßen Wolska und Elekcyjna.“

Hach, es macht Spaß, solche Informationen zu finden! (Wobei ich gleich wieder angeregt werde zu fragen: wer war Czeslaw Zajkowski?)

„Roşii de Făgăraş“ habe ich nur aufgrund ihres bezaubernden Namens ausgewählt (und weil sie rosa und rumänisch ist).

Das „Jurnal de Mândra“, ein wunderbarer Blog mit Hunderten von authentischen Lebensgeschichten aus Transylvanien (Rumänien), zeigt Anbau und Samengewinnung der „Roşii de Făgăraş“ in einer umfangreichen Bildergalerie; auch wegen dieser Geschichte möchte ich die Rosa aus Făgăraş in meinem Garten noch eine Weile „sortenrein“ erhalten.

Die russische, abgeflachte Sorte aus Bessonowskij (weit hinter Moskau kurz vor der Wolga gelegen) hat sich nicht so optimal entwickelt, wie mir schien (sie bildete oft doppelte Zwiebeln); aber auch sie will ich in diesem Jahr blühen und sich vermehren lassen, und dann mal sehen, ob sie sich bei mir einlebt.

Von dort ungefähr, wo die rote Markierung zu sehen ist, stammt die Lokalsorte Bessonowskij (Бессоновский местный)

Bisher stütze ich mein Urteil über die Zwiebeln ausschließlich auf ihr Aussehen und ein gewisses Bauchgefühl. Ich habe zwar schon zwei-dreimal versucht, den Geschmack zu testen, aber das treibt mir noch mehr Tränen in die Augen, als es das Schälen ohnehin schon tut. Insofern weiß ich nicht, ob ich diese Versuche fortsetze oder gar intensivieren will.

Ihre Haltbarkeit, ihre Lagerfähigkeit kann ich – Himmel sei Dank! – mit klarem Blick prüfen.

Zwiebelsamen-Sammelfieber

Auch bei den Zwiebeln hat mich mittlerweile das Sammelfieber gepackt: Ich kann nicht genug kriegen von den Sorten aus aller Welt. Kaum lese ich irgendwo von einer Gegend, in der eine besondere Zwiebelsorte angebaut wird, schon beginne ich zu recherchieren, wie ich an deren Samen komme.

Vier Mal hat mich im letzten Jahr das Fieber gepackt: Auslöser waren die „Höri Bülle“, die ausschließlich auf der Halbinsel Höri am Bodensee (Deutschland) und dort bevorzugt in der Gemeinde Moos angebaut wird, die Sorte „Rosé de Roscoff“ aus der Gegend westlich von Roscoff (Bretangne, Frankreich), die Sorten „Red Wethersfield“ und „Southport White Globe“, die beide ihre Namen von Orten aus der Gegend nördlich von New York (Connecticut, USA) bekommen haben.

Dabei kann ich nur eine begrenzte Zahl an Sorten (ich würde sagen: vier) in meinem Garten „rein“ erhalten, wenn ich mir nicht jedes Jahr neue Samen von jeder Sorte besorgen will; denn dann muss ich selbst Samen der verschiedenen Sorten gewinnen.

Verdammt, jetzt muss ich schon wieder einen Abschnitt über Befruchtung und Genetik einschieben – oder auf den Beitrag „Zwiebeln züchten“ verweisen!

Ganz kurz: Wenn ich eine Zwiebelsorte „rein“ erhalten will, müssen die (10 bis 20) Pflanzen dieser Sorte in einem Abstand von mindestens 300 bis 500 Metern von den blühenden Pflanzen anderer Zwiebelsorten blühen. Die Insekten, die die notwendige Bestäubung vornehmen, dürfen nur Pollen zwischen den Pflanzen einer Sorte hin- und hertransportieren; nur dann behält sie ihre Sorteneigenschaften.

Ich werde hier wahrscheinlich letzten Endes gezwungen, „Samen ohne (bekannte) Eigenschaften“ zu erzeugen, indem ich alle meine mühselig gesammelten Zwiebelsorten gemeinsam blühen und sich vermischen lassen muss.

Das ist traurig.

Aber…

Aber dann werde ich aus der entstandenen bunten Mischung die „Zützener Zwiebel“ auslesen können.

Oder…

Oder jedes Jahr eine wahnsinnig bunte Mischung an Zwiebeln in der Küche verwerten.

Da kommt wieder Freude auf.

Doch soweit ist es noch nicht (ganz). Erst einmal versuche ich, die Sorten zu bekommen, anzubauen und „rein“ zu vermehren.

Die Höri Bülle

„Bülle“ ist ein regionaler Ausdruck für Zwiebel und zwar im Süden Baden-Württembergs, im alemannischen Dialektraum, und somit auch auf der Halbinsel Höri am Bodensee. Dort wird die „Höri Bülle“ schon seit langer Zeit angebaut und dort ist sie im Laufe der Zeit durch Auslese zu einer eigenständigen (Land)Sorte ausgebildet worden. Sie ist eine Speisezwiebel mit einer eher hellen, rotbraunen Außenhaut und einer flachen, bauchigen Form.

Schnecke aus „Höri Bülle“ (© Höri-Bülle e. V.)

Wie die meisten regionalen, lokalen Sorten wäre auch sie längst nur noch in einer Genbank am „Leben“, wenn es nicht eine größer werdende Gemeinde von Genießern geben würde, die nicht nur zahlungskräftig genug, sondern auch bereit ist, mehr Geld für das etwas besondere Essen auszugeben.

Auf dieser Grundlage haben sich einige Anbauer*innen auf der Höri zu einem Verein zusammengeschlossen, um diese lokale Sorte gemeinsam anzubauen und als Delikatesse zu vermarkten; (auf der Webseite des Vereins findet man auch Anbauer*innen, die die Höri Bülle deutschlandweit verschicken).

Sortenerhalt durch die „Regional-Label“ der EU?

Das Beispiel der „Höri Bülle“ (wie auch das der nachfolgenden „Rosé de Roscoff“) zeigt, dass solche Lokalsorten nur überleben können, wenn sie entsprechend als regionale Spezialität und geschmackliche Besonderheit vermarktet werden; deshalb haben sich beide dem Schutz und der Förderung durch die Europäische Union unterstellt.

Die EU hat 1992 zwei Gütezeichen zum Schutz und zur Förderung regionaler Lebensmittelerzeugnisse eingeführt, und zwar die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.) und die „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.), die den Anbau und die Vermarktung solcher lokalen Produkte fördern soll.

Wer seine Produkte mit diesem Markenzeichen (Label) bewerben will, muss allerdings zuerst einen Antrag bei der „EU-Landwirtschaftsbehörde“ stellen und drei bis vier Jahre Geduld haben, bis alle notwendigen Details geprüft sind.

Die Erzeugnisse mit dem g.U.-Label dürfen nur aus einer genau festgelegten Region kommen und müssen nach bestimmten Kriterien erzeugt, verarbeitet und zubereitet werden.
Beim g.g.A.-Label muss lediglich eine Stufe der Produktion im beantragten Gebiet stattfinden.

Die beiden Güte-Siegel der EU

Wer sich die gesamte Liste aller bisher mit diesen Labeln versehenen Lebensmittel ansehen will, der kann die eAmbrosia-Datenbank („EU-Register der geografischen Angaben“) hier öffnen.

Im Antrag steht zumindest alles, was für die Höri Bülle spricht und warum sie als regionale Spezialität anzusehen ist, also sehr viel mehr Interessantes, als ich hier ausbreiten will; deshalb verlinke ich ihn hier mal für diejenigen, die noch mehr wissen wollen.

Die „Höri-Bülle“ ist „nur“ mit dem g.g.A-Zeichen dekoriert, weil sich die Antragsteller nicht für alle Verabeitungsschritte auf die Halbinsel Höri festlegen wollten: Manche Verarbeiter*innen dieser Zwiebel agieren außerhalb dieser Region. So kann selbst der Lebensmittelkonzern NESTLÉ mit seiner Marke „Maggi“ diese Lokalsorte verarbeiten und das daraus kreiierte Produkt mit dem Label gekennzeichnen.

Tja, so soll es sein.

Auch mir ist es nun gelungen, Samen der „Höri Bülle“ in die Hand zu bekommen; Frau Duventäster-Maier war so freundlich, mir ein Gramm Höri-Bülle-Samen zu schicken. Das nur am Rande.

Die Anbauerin schickte mir die Samen allerdings mit dem Hinweis, ich dürfe die Zwiebel nicht unter dem Namen „Höri Bülle“ weiter verbreiten/verkaufen, weil diese Bezeichnung, wie erwähnt, seit 2014 geschützt sei und nur für diese Zwiebeln benutzt werden dürfe, wenn sie auf der Halbinsel Höri gewachsen seien.

Ich werde also bald im Eingangsbereich meines Gartens ein Plakat anbringen, auf dem die „Zützener Bülle“ beworben wird (und damit die Anzahl der Sorten auf beklagenswerte Weise vermehren).

Nein, das ist ein Witz.

Kein Witz ist, dass jeder Zwiebel-Anbauer auf der Höri seine Zwiebeln als „Höri Bülle“ vermarkten darf, so lange sie nur ähnlich aussehen (wahrscheinlich nicht einmal das); es muss sich dabei nicht um die lokale, rote, flach-bauchige Zwiebel handeln, die (offiziell) mit diesem Namen belegt wurde. Das vermute ich zumindest; denn Schrobenhausener Spargel z. B. kann auch jede (moderne) Spargelsorte sein, solange sie nur in der Gegend um Schrobenhausen gewachsen ist.

Es geht bei den EU-Regional-Labeln vor allem darum, regionale Produkte zu fördern – um Regionalentwicklung also und nicht um die Erhaltung regionaler Sorten. Obwohl ich finde, dass dies hier gut zu verbinden wäre.

Ich freue mich auf jeden Fall erst einmal, dass ich Samen der „Höri Bülle“ wenigstens in meinem Garten aussäen kann, und bin gespannt, was bis zum September aus ihnen wird?

Die „Höri-Bülle“ im Fernehen

Wem diese Informationsflut zur „Höri Bülle“ noch nicht reicht, der kann sich noch die knapp halbstündige Dokumentation des SWR über das jährlich stattfindende „Bülle-Fest“ in der Gemeinde Moos zu Gemüte führen. Die „Höri Bülle“ life, en detail und hautnah.

Der nachfolgende Bericht war ab dem 9. Oktober 2016 genau ein Jahr lang in der SWR-Mediathek verfügbar (wie die meisten Beiträge des Öffentlichen Fernsehens). Zum Vergessen ist er aber einfach zu schade, wie ich finde; deshalb habe ich mir erlaubt, ihn zu sichern, und biete ihn hier (so lange ich darf) zum Genießen oder Geschmack-finden (an Urlaub vor Ort oder an der „Höri Bülle“ selbst) an:

L’Oignon rosé de Roscoff

„Die Rose aus Roscoff ist eine alte Zwiebelsorte, die schon von außen dezent zart rosa schimmert. Wenn man sie anschneidet, duftet sie regelrecht fein und animierend süß und ihr Fleisch besitzt tatsächlich eine leicht rosa Farbe.“ Ja, man muss schon ein wenig schwärmen, um die regionalen Spezialitäten anzupreisen; die Weinhalle macht das ausgezeichnet.

Nun noch einmal das gleiche, aber offiziell und damit nüchtern aus dem Antrag für das g.U.-Label an die EU-Behörde [1]:

„Die Zwiebel ist länglich-rund bis abgeflacht mit einem Durchmesser von 30 bis 80 mm. Die mindestens 5 cm langen Schlotten sind über den Zwiebelhals fest mit der Zwiebel verbunden. Die Schalen sind rosa bis kupferfarben, die inneren Zwiebelschuppen weiß bis hellrosa mit rosafarbenem Rand. Der Gehalt an Trockenmasse der Bulbe beträgt 9 bis 13 %.

„Oignon de Roscoff“ wird gewonnen:

  • aus betriebseigenem Saatgut des oben beschriebenen Sortentyps oder
  • aus zertifiziertem Saatgut der Sorten Jack und Kéravel.“

Oignon de Roscoff – halbiert

Aha, es gibt also gar keine Zwiebelsorte, die „Rosé de Roscoff“ heißt, es wird unter dieser Bezeichnung nur ein bestimmter Typ verstanden, der in der Gegend im äußersten Westen der Bretagne (Département Finistère) angebaut wird.

Wie auch immer: Ich wollte diesen Typ auch gern in meinem Garten ansiedeln; doch ich fand nirgendwo einen Anbieter von Samen.

So blieb mir nur der „indirekte“ Weg: Ich orderte beim Feinschmecker-Versand „Tartuffli“, der die „Rosa Roscoff“ im Programm hat (so, wie manchmal auch die „Höri Bülle“) einmalig (ich verspreche es!) zwei Zöpfe dieser Zwiebelsorte. Diese Zwiebeln gedenke ich nun (bald) in meinem Garten auszupflanzen, damit sie blühen und Samen bilden können.

Nun muss ich also nicht nur Blüh-Platz für meine drei letztjährigen Genbank-Sorten finden, die ich vermehren will, sondern auch für die „Rosa Roscoff“ – und dann muss ich noch hoffen, dass die Zwiebeln nicht mit einem keim-hemmenden Mittel behandelt wurden (was sie offiziell nicht sein dürften: „„Oignon de Roscoff“ ist von Natur aus haltbar. Keimhemmende Mittel dürfen nicht eingesetzt werden.“).

Darüber hinaus muss ich hoffen, dass die 12 Zwiebeln ordentlich blühen, sich nur gegenseitig befruchten (d. h., dass sich meine anderen Zwiebelsorten nicht einmischen dürfen) und zum Schluss auch noch fruchtbaren Samen bilden.

Dann kann ich auch diese Zwiebelsorte für längere Zeit in meiner Sammlung behalten; bis dahin werde ich mir immer mal wieder das folgende Video sehnsuchtsvoll anschauen…

Oignon rosé : le trésor de Roscoff

Und wenn ich es dann geschafft habe, Samen der rosa Zwiebel aus Roscoff zu gewinnen, kann ich ein paar besondere Rezepte heraussuchen, die mit der „Rosa Roscoff“ besonders gut munden sollen.

[1] Veröffentlichung eines Eintragungsantrags nach Artikel 6 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 des Rates zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (2012/C 334/09)

Red Wethersfield

Komme ich zur dritten und vorletzten Entdeckung des letzten Jahres, der Sorte „Red Wethersfield“.

Aus dem Saatgut-Katalog der Firma Salzer – Salzer’s Seed Catalogue Spring 1899, S. 128

Wie ich auf sie bei meinen Streifzügen durchs Internet gestoßen bin, kann ich heute gar nicht mehr sagen; aber ich bin darauf gestoßen. Und bei meiner weitergehenden Recherche zu diesem Beitrag auf Abbildungen in zahlreichen US-amerikanischen Samenkatalogen des frühen 20. Jahrhunderts.

„The most popular of all red onions. Of large size and fine form; skin deep-purplish red; flesh purplish-white; moderately fine-grained and stronger in flavor than the yellow and white onions. Very productive and a good keeper.“ wird sie in „Burpee’s Farm Annual“ von 1894 beschrieben (S. 84).

„This is the standard red variety and a favourite onion in the east, where are immense crops are grown for shipment. Large size; skin deep purplish-red; form round, somewhat flattened; flesh purplish-white; moderately fine-grained, and strong flavor than any of the other kinds. Very productive, the best keeper and the most popular for general cultivation.“ beschreibt die Sioux City Nursery and Seed Company aus der gleichnamigen Stadt in Iowa diese Zwiebelsorte 1895 (S. 30).

Im folgenden Video wird die Geschichte der „Red Wethersfield“ und ihres Herkunftsortes bildreich erzählt; wer es kurz und wörtlich will, kann das Video überspringen und gleich meine Übersetzung eines Beitrags über diese Sorte in den „Mother Earth News“ lesen.

SEED STORIES | Wethersfield Red: The Pride Of Oniontown

„Die Wells-Brüder von Wethersfield, Connecticut, begannen 1788, Zwiebeln auf kommerzieller Basis anzubauen. Das anmoorige Tiefland von Connecticuts versunkener Küstenlinie eignete sich perfekt für die Zwiebelkultur. Bald waren viele Hafenstädte am Long Island Sund beteiligt an der Verschiffung von Zwiebeln die Atlantikküste rauf und runter, sowie an der Ausfuhr nach den West-Indischen Inseln. Southport, Connecticut, wurde das US-amerikanische Handelszentrum für Zwiebeln, und auch heute, lange nach dem Ende des Zwiebel-Anbaus in dieser Gegend, stehen noch alte Gebäude an der Uferpromenade von Southport, die mit dem Zwiebelhandel verbunden sind.“ schreibt William Woys Weaver über die Herkunftsgegend der Roten Wethersfield; diese ist aber auch die Heimat der letzten Sorte, die ich hier und heute vorstellen will – und auf deren Anbau ich mich besonders freue.

Die Zwiebelsorte „Southport White Globe“

Wie der Name schon andeutet, ist diese Zwiebel kugelrund und weiß und stammt aus Southport, ebenfalls in Connecticut gelegen.

Samen dieser beiden, ziemlich bekannten US-amerikanischen „Erbstück“(=Heirloom)-Sorten kann man sich eigentlich nur aus den USA schicken lassen; aber ich habe beide Sorten in der deutschen Genbank gefunden und auch von dort bekommen (obwohl die eine Sorte dort unter dem Namen „Red Weathersfield“ verzeichnet ist).

Zusammen mit den weiteren Genbank-Sorten „Frühe Blassrote“, „Moravanka“ (Rosa Mährische), „Pogarskij Mestnyj Ulucsenny“, „Holländische Plattrunde Dunkelrote“ und „Yellow Sweet Spanish“, die nun als Samen in meinem Besitz sind, werden sie mir hoffentlich im kommenden Jahr zeigen, was sie in sich tragen; aber das steht schon wieder auf einem anderen Blatt, das frühestens im Herbst beschrieben wird. Und hoffentlich auch reichlich bebildert.