Erfolgreich „Zukkini“ schreiben

Nein, Du hast richtig gelesen! Hier geht es nicht um das Schneiden, Zubereiten oder Anbauen dieses Jungen Gemüses sondern allein um seine Schreibweise.

Als schreibender Hobby-Gärtner stolpere ich immer wieder über Wörter aus anderen Sprachen, deren Aussprache sich mir nicht direkt aufgrund ihrer Schreibung erschließt, wie z. B. „Stachelbeer-Baiser-Torte“, „Grüne-Tomaten-Chutney“, „Computer-Cache“ oder eben „Zucchini“.

Als Mensch, dem immer noch die kindliche „Warum“-Frage in den Sinn kommt, habe ich mich irgendwann gefragt: Warum wird auch im Deutschen „Zucchini“ geschrieben (so wie im Italienischen), obwohl die meisten Deutschen kein Italienisch können und deshalb annehmen können, dass die Buchstaben im Italienischen genauso ausgesprochen werden wie im Deutschen?

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Anzucht von fünf verschiedenen Zukkini-Sorten (neben allerlei anderen Gewächsen)

Allgemeiner formuliert: Warum werden im Deutschen alle Wörter, die aus Sprachen mit lateinischem (Grund-)Alphabet stammen, in ihrer Original-Schreibweise übernommen und nicht nach dem Grundsatz „Schreibe die Wörter so, wie Du sie sprichst“ an deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnungen angepasst?

Warum wird so getan, als ob die Laut-Buchstaben-Zuordnung dieser Sprachen grundsätzlich die gleiche sei wie im Deutschen?

In allen diesen Sprachen sind sie jedoch oft sehr verschieden, selbst in der dem Deutschen nahe verwandten Sprache „Niederländisch“ werden viele Buchstaben ganz anders ausgesprochen als im Deutschen (stehen dieselben Buchstaben für andere Laute, muss es korrekt heißen; denn „Am Anfang war das Wort“ – die Schrift folgte später und sollte die Sprache abbilden).

Bei Wörtern aus Sprachen mit anderen Schriftzeichen, wie dem Russischen, Arabischen oder Chinesischen, ist eine Umschreibung in deutsche „Lautschrift“ dagegen völlig selbstverständlich.

Die gängigste Lautschrift, das Internationale Phonetische Alphabet (IPA)

Das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) ist ein phonetisches Alphabet und somit eine Sammlung von Zeichen, mit deren Hilfe die Laute aller menschlichen Sprachen nahezu genau beschrieben und notiert werden können. Es wurde von der International Phonetic Association entwickelt und ist das heute am weitesten verbreitete Lautschriftsystem.“ aus: Wikipedia

In der Liste der IPA-Zeichen kann man die Bedeutung der einzelnen Zeichen nachsehen.
Nachfolgend habe ich die Lautschrift der oben genannten „Fremdwörter“ neben ihre „korrekte“, deutsche Schreibweise gestellt; aus der Lautschrift kann man ihre korrekte Aussprache ablesen:

Baiser – [bɛˈzeː]
Chutney – [ˈtʃatni]
Computer-Cache – [kɔmˈpjuːtɐ][kæʃ]
Zucchini – [tsʊˈkiːni]

Ich möchte heute mal nicht die Sprecher- und Leser*innen belehren (wie das üblicherweise geschieht) und sie auf die richtige Aussprache der „Zucchini“ hinweisen, sondern die Schreiber*innen auffordern, sich Gedanken daüber zu machen, warum sie „Zucchini“ schreiben.

Da dies ein Garten-Blog ist, habe ich dieses sachfremde Thema mit Abbildungen (sowie entsprechenden Erklärungen) meines diesjährigen Zukkini-Anbaus gewürzt, um auch denjenigen diesen Beitrag ein wenig schmackhaft zu machen, die dieses Problem und meine Meinung dazu herzlich wenig interessieren.

„Humorvolle“ Einführung ins Thema mit Hilfe eines Werbefilmchens

Zur Einstimmung in das Thema „Schreibung von Fremdwörtern“ binde ich ein kurzes Werbe-Video über die Automarke „Citroën“ ein, das sich um die Schreibweise des Markennamens dreht und das anlässlich der diesjährigen 100-Jahr-Feier von Citroën für den deutsch-sprachigen Raum eine Umschreibung dieses Namens in „Zitrön“ vorgibt.

Das Ënde einer Ära – Aus Citroën wird Zitrön

Das Video soll witzig sein, aber wahrscheinlich ist es das vor allem für die Männer der Kommunikationsagentur Havas, auf derem Mist diese Idee gewachsen ist; denn das Frauenbild des Films ist abstoßend: Frauen stellen sowohl das Dummchen dar, für das diese Änderung eine Entlastung ist, als auch die überdrehte Wissenschaftlerin, die eine solche Anpassung an deutsche Sprachgewohnheiten begründet.

Beides wird damit der Lächerlichkeit preisgegeben, obwohl es die Themen sind, über die seit vielen Jahren bei der Diskussion um Rechtschreibänderungen ernsthaft debattiert wird: Die Vereinfachung der Rechtschreibung (Orthographie – Ortografie) und deren wissenschaftliche Begründung.

Das Thema „Rechtschreibung und ihre bewusste Änderung“ ist wie „Gartenbau in vermintem Gelände“ – extrem spannend und spannungsgeladen, wie ich erkennen musste.

Alles über „Zucchini“

Bei den zahlreichen Sprachen, die ich bisher lernen wollte, bin ich zwar selten über die Aussprache(Laut)-Tabelle der Buchstaben hinausgekommen; aber das hat gereicht, die Bedeutung des „h“ in italienischen Wörtern wie „Zucchini“, „Tedeschi“ oder „Spaghetti“ kennenzulernen.

Das „h“ hat dort allein den Sinn, die Aussprache des/der vorangehenden Buchstaben/s zu ändern.

„c“ (oder auch „cc“) vor „i“ und „e“ wird von Italiener*innen normalerweise wie „tsch“ ausgesprochen („g“ wie „dsch“); wenn „c“ bzw. „cc“ aber in solchen Fällen abweichend wie „k“ (oder „g“ wie „g“) ausgesprochen werden sollen, wird dies durch ein nachfolgendes „h“ kenntlich gemacht.

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Die Zukkinipflanzen (und eine Gurkenpflanze) vor ihrer Freisetzung im Garten (10. Mai)

Herkunft und Abstammung des Wortes „Zucchini“ sowie die Begründung seiner Schreibweise

Das Wort „Zucchini“ entstammt dem Dialekt der italienischen Toskana; dort wurden diese Kürbisgewächse 1875 zum ersten Mal schriftlich erwähnt; in Italien werden sie übrigens standard-sprachlich „Zucchine“ genannt.

Ihr Ursprung ist das Wort „(la) Zucca“, das im Deutschen mit „(der) Kürbis“ zu übersetzen ist.

„Zuccina“ bzw. „Zuccino“ in der Dialektform wären die (theoretischen) Verkleinerungsformen von „Zucca“ (übersetzt: „Kürbislein“, „Kürbischen“, „Jung-Kürbis“ oder „Junger (Sommer)Kürbis“, Cucurbita pepo).

„Zuccine/Zuccini“ wären die Mehrzahl von „Zuccina/Zuccino“.

Nach den italienischen Ausspracheregeln von „c/cc“ (nach „i“ und „e“) würden die zuvor genannten Formen „Zutschina/Zutschino/Zutschine/Zutschini“ gesprochen.

Um aber die Verwandschaft dieser Verkleinerungsformen mit „Zucca“, das „Zukka“ gesprochen wird, zu erhalten, sollen alle Ableitungen von „Zucca“ ebenfalls mit „k“ gesprochen werden.

Um dies kenntlich zu machen, wird hinter die beiden „c“, wenn auf sie ein „i“ oder „e“ folgt, noch ein „h“ eingefügt; italienisch korrekt werden die Wörter deshalb „Zucchina/Zucchino/Zucchine/Zucchini“ geschrieben und „Zukkina/Zukkino/Zukkine/Zukkini“ gesprochen.

Auch die Mehrzahl von „Zucca“ wird aus diesem Grunde mit einem „h“ geschrieben: „Zucche“ – und „Zukke“ gesprochen.

Im Deutschen werden jedoch alle „cc“ gwöhnlich wie „k“ (oder „ck“) ausgesprochen. Das „h“ an dieser Stelle spielt für die Aussprache im Deutschen keine Rolle.

Warum wird dieses, im Deutschen also überflüssige „h“ aber trotzdem von allen deutschen Schreiber*innen geschrieben?

Um diese Frage beantworten zu können, wollte ich erst einmal wissen, wie die Schreibung eines Wortes im Deutschen überhaupt zustande kommt.

Wer legt die Rechtschreibung im Deutschen fest?

Ich fragte mich: Gibt es Einrichtungen oder Personen, die die Schreibweise von Wörtern festlegen, die in deutschen Texten geschrieben werden, oder kann jeder schreiben, wie er will?

Nun, jede*r wird sich an die Quälereien durch Rechtschreib-Diktate in der Schule erinnern.

Ich habe mir bisher nie Gedanken darüber gemacht, wer über die Rechtschreibung in Deutschland befindet: Ich bin in der Schule mit der rechten Schreibung der meisten Wörter geimpft worden; weiter habe ich nie gedacht.

Wenn ich später unsicher war, kannte ich eine Quelle, aus der ich die „richtige“ Schreibweise schöpfen konnte: Ein Wörterbuch, und hier bisher bevorzugt den DUDEN; dort steht die richtige Schreibweise der Wörter im Deutschen. So hieß es auch in der Zeitschriften-Redaktion, in der ich mal gearbeitet habe: Im Zweifelsfall richten wir uns nach der DUDEN-Rechtschreibung.

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Die ausgesetzten Zukkini-Pflanzen mit ersten Blüten am 9. Juni; die Sortenmischung beginnt

Schauen wir also mal im DUDEN nach: Das italienische Wort „Zucchini“ wird auch im Deutschen „Zucchini“ geschrieben, basta!

Basta? Ich fragte mich: Woher wissen die DUDEN-Leute die korrekte Schreibung?

Ist die Redaktion dieses Wörterbuchs ein „Rat der Sprach- und Schrift-Weis*innen“ [bist Du von Sinnen!] oder gibt es in Deutschland ein anderes Gremium, das sich mit der Rechtschreibung befasst und diese verbindlich festlegt, zumindest für Schule und Amtsgebrauch?

In Frankreich tut das seit 1635 die „Französische Akademie“ (Académie française) und in Polen der „Rat für die polnische Sprache“ (Rada Języka Polskiego), wenigstens seit 1996, wie ich herausfand.

Mittlerweile (2004) wurde auch in Deutschland eine ähnliche Einrichtung gegründet, der „Deutsche Rechtschreibrat“. Dieser geht in Fragen der Rechtschreibung ähnlich vor wie die DUDEN-Redaktion, die von 1955 bis 1996 dessen heutige Stellung eingenommen hat, jedoch vollkommen entgegengesetzt zu den entsprechenden Einrichtungen in Frankreich und Polen, die über die Schreibweisen von Fremdwörtern Vorgaben machen.

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Eine Pflanze der Sorte „Black Beauty“ (aus eigenem Saatgut von 2016) am 6. Juni

Wie arbeitet nun der „Deutsche Rechtschreibrat“?
Laut Statut hat er die folgenden Aufgaben:

  • die ständige Beobachtung der Schreibentwicklung,
  • die Klärung von Zweifelsfällen (der Rechtschreibung),
  • die Erarbeitung und wissenschaftliche Begründung von Vorschlägen zur Anpassung des Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache.


Der Rat kann auf der Grundlage seiner Beobachtungsergebnisse über kleinere Veränderungen des Wörterverzeichnisses entscheiden, die in der Vergangenheit der Entscheidung der Wörterbuchverlage überlassen waren. Dies betrifft nicht größere oder gar Regelveränderungen.

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Die Sorte „Cocozelle di Tripolis“ am 6. Juni (eigene Samen von 2017)

Wir können auch mal kurz bei der Redaktion des DUDEN reinschauen und uns deren Arbeitsweise erklären lassen:

„In der Dudenredaktion mit Sitz im Berliner Unternehmen Bibliographisches Institut GmbH arbeitet ein Team von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie beobachten und dokumentieren unter Einsatz modernster Datenbanktechnik Wortschatz und Sprachwandel des Deutschen. Wesentliche Grundlage der Wörterbucharbeit bildet heute die große und ständig wachsende elektronische Textsammlung, die der Verlag selbst erstellt hat und pflegt: das „Duden-Korpus” mit mittlerweile rund 2 Milliarden Wörtern bzw. Wortformen. Diese Sprachdatenbank sichert eine authentische Dokumentation der sich wandelnden deutschen Gegenwartssprache. Aus dem gesamten deutschen Sprachraum werden Textsorten unterschiedlichster Art – vom literarischen Text über Zeitungsartikel bis hin zu Gebrauchsanleitungen – verarbeitet und ausgewertet.“

Wie kommt ein Wort in den Duden?

Der „Rat für Rechtschreibung“ und die Wörterbuch-Verlage beobachten also die Schreibentwicklung und extrahieren aus dieser die „richtige“ Schreibung der Wörter; das ist die, die mehrheitlich verwendet wird, wenn es dazu keine klaren Regelanweisungen gibt (und die gibt es bei der „Fremdwort“-Schreibung nicht, wie wir unten sehen werden).

Die Katze beißt sich also in den Schwanz: Eine irgendwie vorhandene Mehrheitsschreibweise wird zur richtigen Schreibweise, die wiederum die zukünftige Schreibweise bestimmt, weil alle sich nach den Wörterbüchern richten; damit wird diese „Rechtschreibung“ noch mehrheitlicher verwendet, wodurch ihre „Richtigkeit“ bei der nächsten Auswertung bestätigt wird usw. usf.

Einen „Zirkelschluss“ nennt man so etwas auch.

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Blühende Pflanze der Sorte „Soleil“ am 6. Juni

Diese Vorgehensweise bedeutet im Grunde: In Deutschland bestimmen die Schreibenden selbst, wie neu im Sprachgebrauch auftauchende Wörter geschrieben werden, und kein so genanntes „Fachgremium“.

Also wir, liebe Kolleg*innen, sind für die Rechtschreibung verantwortlich!

Vielleicht sollte ich genauer formulieren: Die Mehrheit der Chef-Redakteure der großen, überregionalen Zeitungen, Fachzeitschriften und die Lektoren der Verlage legen die Rechtschreibung fest, da deren Texte den Hauptanteil der „Text-Korpora“ ausmachen, die für die rechte Schreibung ausgewertet werden. Wir Blogger rangieren in diesen „Text-Korpora“ eher noch unter „Ferner liefen“.

Bis hierhin war ich also nicht allzu viel schlauer geworden; denn nun stellte sich mir die Frage: Wonach richten die Chef-Redakteure und Verlagslektoren die Schreibweise von Wörtern, die neu im Sprachgebrauch auftauchen und die deshalb noch nicht in einem deutschen Wörterbuch verzeichnet sind?

Die Wörterbuch-Verlage oder der „Deutsche Rechtschreibrat“ dürfen deren Schreibweise ja nicht selbstherrlich festlegen; neue Wörter unterliegen in den meisten Fällen auch nicht bestimmten amtlich festgelegten Rechtschreibregeln.

Aussagen zur Fremdwort-Schreibung im Deutschen Rechtschreib-Regelwerk

In den geltenden Regeln, die nach langjährigem Streit nun gültig sind, heißt es nur:

Besondere Probleme bereitet die Schreibung der Fremdwörter, weil andere Sprachen über Laute verfügen, die im Deutschen nicht vorkommen (zum Beispiel [θ] im Englischen wie in „Thriller“ und die französischen Nasalvokale wie in „Teint“). Darüber hinaus können fremde Sprachen andere Laut-Buchstaben-Zuordnungen haben (zum Beispiel in „Nightclub“). Grundsätzlich kann man, was die Schreibung von Fremdwörtern angeht, zwei Tendenzen unterscheiden:
(1) Schreibung wie in der fremden Sprache…
(2) Lautliche und/oder orthografische Angleichung…

Regeln und Wörterverzeichnis, Aktualisierte Fassung des amtlichen Regelwerks entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung 2016, S. 8

Komischerweise bereitet die Schreibung von Wörtern aus Sprachen mit nicht-lateinischen Alfabeten keinerlei Probleme; hier wird ausschließlich eine lautliche und ortografische Angleichung vorgenommen.

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Die „Runde zarte aus Nizza“ (Tondo chiaro di Nizza) am 6. Juni

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Keulenförmige weiße Zukkini (die „Mutter“ war grün-weiß-gestreift), Eigenzüchtung einer Blog-Leserin

Die Rechtschreibung von neu eingewanderten Wörtern

Nach welchen Regeln oder Bauchgefühlen entscheiden nun die Redaktöre, Lektorinnen, Journalisten – und Blogger*innen, wie sie ein neues Wort schreiben, heute vor allem aus dem Anglo-Amerikanischen, das sie in ihre Texte einfügen wollen?

Zur Beantwortung dieser (entscheidenden) Frage habe ich leider keine Untersuchungen oder Umfragen gefunden; sie wird nicht einmal öffentlich diskutiert, ja, sie scheint sogar bewusst verschleiert zu werden:

„Häufig gebrauchte Fremdwörter können sich nach und nach der deutschen Schreibweise angleichen.“

formuliert der DUDEN scheinbar gedankenlos.

Obwohl doch sonnenklar ist: Die Wörter gleichen sich nicht selbst an!
Sie werden angeglichen – oder eben auch nicht!

Über die Gründe, warum sie heute in der Regel von den Produzent*innen der Text-Korpora nicht angeglichen werden, kann ich deshalb nur spekulieren (aber das ausführlich):

1. Vermutung: Auch die Chef-Redakteure und Lektoren machen sich keine Gedanken und richten sich (unbewusst) nach dem „Dekret von Graf Ortho„, das sich auch schon einmal im allerersten deutschen, amtlichen Regelbüchlein „Regeln und Wörterverzeichnis für deutsche Rechtschreibung des königlichen Ober-Schulcollegiums zu Hannover“, 1855, befand:

„Schreibe Fremdwörter so, wie sie im Herkunftsland geschrieben werden.“

Wie schon gesagt, kann sich diese Festlegung nur auf das Ausland beziehen, das ebenfalls das lateinische Alphabet zur Grundlage seines Schrifttums erwählt hat; schon auf russische Wörter (wie die Tomatensorte „Весенний Мичуринский = Vesennij Mitschurinskij“ z. B.) wird dieser Grundsatz nicht mehr angewendet.

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Zukkini-Beet am 15. Juni

Obwohl sich bei Dekreten zumeist jede Warum-Frage verbietet, habe ich sie Graf Ortho trotzdem gestellt, weil ich es gewohnt bin, mich bei „Höhergestellten“ mit Nachfragen unbeliebt zu machen und deshalb damit umgehen kann:

„Woher stammt diese Regel? Warum erheben Sie diese Aussage in den Rang einer unumstößlichen Vorgabe?“

Da mir Graf Ortho bis jetzt nicht geantwortet hat, muss ich wiederum rätseln: Es wird die Schreibweise übernommen, die die Urheber eines Wortes verwenden, da diese auf keinen Fall falsch sein kann; denn die Urheber werden am besten wissen, wie ihr Wort korrekt geschrieben wird.

2. Vermutung: Die „Schreibende Zunft“ ist heute in der Regel so weit gebildet, Englisch zu beherrschen. Dasselbe nimmt sie auch von ihren Leser*innen an; deshalb erscheint ihr jede Änderung der Schreibweise und die Anpassung von Wörtern aus dieser Sprache an deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnungen überflüssig.

Aus dieser Gewohnheit heraus werden auch sämtliche Wörter und Namen aus anderen Sprachen auf die gleiche Weise behandelt, wie die „Zucchini“ eben oder auch der türkische Politiker „Erdoğan/Erdogan“ (statt „Erdohan“).

Eine lautliche Angleichung von Wörtern und Namen aus nicht-englischen Sprachen würde außerdem voraussetzen, dass die Schreiber*innen die Aussprache der Wörter und Namen selbst kennen oder ermitteln würden; das scheint aber nicht die Regel zu sein. So bezeichnete z. B. einmal der Titel-Kommentator einer großen Berliner Tageszeitung den Namen eines polnischen Politikers als unaussprechlich, weil dieser mit der Buchstabenkombination „Krz“ begann.

3. Vermutung: Chef-Redakteure und Lektoren halten an der Original-Schreibweise fest, weil sie sich nicht trauen, Wörter aus dem Englischen und Französischen zu „verunstalten“, indem sie diese Wörter an deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnungen anpassen.

Diese Vermutung wird durch eine Aussage des Professoren-Zirkels gestützt, der 1989 einen Vorschlag für die letzte Rechtscheibreform im Auftrag der Deutschen Kultusminister-Konferenz (KMK) ausgearbeitet hat; es heißt dort, dass

„…eine Integration, die über bereits übliche und vertraute Integrationsmuster hinausgeht,“ dem Prestige widerspricht, „das Englisch und Französisch in Deutschland genießen. So verbieten sich Reformschreibungen wie z.B. *Föjeton (für Feuilleton, vgl. schwed. följeton) oder *Kompjuter (für Computer). Dies gilt auch für Schreibungen wie *Filosof, *Teater oder *kristlich, da Bildungswortschatz, Bildungsbewußtsein und humanistische Schreibtradition in Deutschland eine enge Verbindung eingegangen sind.“

aus: Zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung: Der kommentierte Vorschlag der Kommission für Rechtschreibfragen des Instituts für deutsche Sprache, Mannheim, und die Stellungnahme der Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden, S. 153/154

Konsequenz: „Aus den dargestellten Gründen vertritt die Kommission für Rechtschreibfragen einerseits die Auffassung, daß eine systematisch durchgreifende Änderung der Fremdwortschreibung im Deutschen weder möglich noch sinnvoll ist.“ (andererseits sind kleinere Anpassungen denkbar)

Das Prestige, das Englisch und Französisch in Deutschland genießen, verbietet Änderungen der Schreibweise von Wörtern aus diesen Sprachen?
Als ich das las, war ich doch ziemlich beeindruckt.

Sollten die deutschen Gebildeten an einem Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Englisch- und Französisch-Sprachigen leiden, den zur Zeit kulturell und wissenschaftlich-technisch (vor)herrschenden Nationen, und aus diesem Grunde sich nicht trauen, deren Wörter durch Anpassungen an die deutsche Schreibweise zu „verhunzen“?

Da aus diesen Nationalsprachen die meisten neuen Wörter übernommen werden, wird diese Art der Übernahme zur Regel, usw. blabla …

4. Vermutung: Die deutschen Gebildeten möchten sich gern deutlich von den deutschen Ungebildeten abheben und belassen es deshalb gern bei der Original-Schreibweise von Wörtern aus Sprachen mit lateinischem Alphabet; sie selbst wissen bescheid, das reicht.

„Ueberdieß ist die Hochdeutsche Schriftsprache eine Sprache der obern, nicht der ganz unwissenden untern Classen, welche sich eigentlich gar nicht mit fremden Wörtern und Nahmen bemengen sollten. Für diese ist Voltaire nicht; mögen sie doch seinen Nahmen immerhin falsch aussprechen, so ist das immer noch das geringste Uebel, was er unter ihnen anrichten kann.“

schreibt einer der ersten Pfleger der deutschen Sprache, Johann Christoph Adelung, in seinem Buch „Vollständige Anweisung zur Deutschen Orthographie, nebst einem kleinen Wörterbuche für die Aussprache, Orthographie, Biegung und Ableitung“ auf Seite 119

Er fährt auf Seite 122 fort: „Man lasse die niedern Classen dergleichen Wörter verunstalten, wie sie wollen; Personen von feinerm Geschmacke und bessern Kenntnissen sollten sich billig auch hierin von dem großen Haufen unterscheiden.“

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Nahezu ausgewachsene Früchte der Sorten „Black Beauty“ und „Tondo chiaro di Nizza“ (17. Juli)

Diese Zitate entstammen zwar einem Buch aus dem Jahre 1788, die Überheblichkeit, die ihnen zugrunde liegt, scheint aber immer noch nicht vollkommen aus den Köpfen des „Bildungsbürgertums“ verschwunden, wie Kommentare auf der Webseite der Zeitung „Die Welt“ zum oben eingebundenen Citroën-Video aus dem Jahre 2019 belegen:

Philip H.: Zum Glück nur eine Kampagne. Für einen Moment dachte ich, die Blöden hätten endgültig gewonnen…
Detlef S.: Einfach ein Kotau vor den Bildungsfernen. Eben ein Zeichen der Zeit. Weiter so.
Thomas L.: Das ist die bis heute größte Kaputulation vor der sich ausbreitendem Bildungsleere. …Blöd nur, daß die Zielgruppe dieser Namensänderungen nicht in der Lage sein wird sich so ein Auto leisten zu können.
Stephan H.: Ein weiterer Kniefall vor den Lernfaulen…
Bob U.: Bekloppte Kampagne. Offenbar hat Zitroen eher Bildungsferne als Zielgruppe.…

(Ich habe die Rechtschreibung dieser „Gebildeten“ nicht korrigiert)

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Ausgewachsene Exemplare der „Keulenförmigen Weißen“ haben hoffentlich ihre Gene weitergegeben (17. August)

Die Gebildete Schicht weist möglicherweise deshalb auch gerne darauf hin, dass sich die Herkunft eines Wortes, seine Etymologie, aus seiner Schreibweise erschließen lassen solle, weshalb es nicht geändert werden dürfe.

„Sie hielten es für ein Zeichen von Bildung und Kultur, dass sich die Wortgeschichte in der Rechtschreibung ablesen ließ.“ fasst der Deutschlandfunk in einer Sendung über Konrad Duden die Ansichten seiner Gegner zusammen; dieser hatte in seinen Anfängen für den Grundsatz „Schreib, wie du sprichst“ geworben.

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Erwachsene Früchte der Sorte „Soleil“. Welche anderen Sorten mögen sie befruchtet haben? (23. August)

5. Vermutung: Der schreibenden Elite Deutschlands fehlt in Fragen der Fremdwort-Schreibung eine übergeordnete Autorität, der sie folgen könnten.

Durch die Regionalisierung Deutschlands ist es bisher nicht möglich gewesen, ein fachlich kompetentes, dauerhaftes Gremium zu schaffen, das in Fragen der Rechtschreibung für Schule und Amtsdeutsch das letzte Wort hat, wie z. B. die Académie française in Frankreich.

Es gab bisher drei Versuche, die Rechtschreibung „von oben“ zu reglementieren, und zwar die 1. Orthographische Konferenz von 1876 sowie die 2. Orthographische Konferenz von 1901 mit anschließenden, regierungsamtlichen Erlassen und zuletzt den schon erwähnten Beschluss der KMK von 1987, der in die amtliche Rechtschreibreform von 1996 mündete.

Die ersten beiden Versuche dienten dazu, die Rechtschreibung im deutsch-sprachigen Raum zu vereinheitlichen, der dritte sollte vor allem eine Vereinfachung der Rechtschreibung erreichen.

Aus der letzten Reform ging der so genannte und oben schon erwähnte „Deutsche Rechtschreibrat“ hervor, der den Deutsch-Schreibenden allerdings nicht als „Höhere Instanz“ dienen und ihnen deshalb die eigene Entscheidung über die „Erst-Schreibung“ neuer Wörter nicht abnehmen darf.

Wer aber Führung nötig und Schwierigkeiten hat, eigene, wohl überlegte Entscheidungen zu treffen, hält sich an das, was auf keinen Fall falsch sein und kritisiert werden kann: Die Original-Schreibweise eines Wortes.

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Reserve-Exemplare, abgestellt und sich selbst überlassen am 7. Juli

Soweit meine zusammengereimten Erklärungen, von denen ich zugebe, dass sie laienhaft sind. Wenn jemand aber eine überzeugendere hat, bitte her damit!

Meine Motivation, die Schreibweise von „Zucchini“ zu ändern

Jetzt habe ich versucht, mir zu erklären, warum „Fremdwörter“ im Deutschen so geschrieben werden, wie sie geschrieben werden, und nicht anders; dabei könnte ich es belassen, keine weiteren Fragen stellen und mich der herrschenden Rechtschreibung unterwerfen.

Leider kann ich mich nur schwer einer Norm anpassen, die dekretiert und nicht einmal ansatzweise begründet wird („Graf Ortho-Dekret“), oder die von scheinbar unsichtbaren Kräften gesetzt wird (Wörterbuch-Rechtschreibung).

Ich möchte deshalb darüber Rechenschaft ablegen, warum ich eine Änderung der Fremdwortschreibung anstrebe.

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Die Beiseitegestellten: „Soleil“ hat Nachbar U. gerettet, „Cocozelle di Tripols“ hat nicht aufgegeben (17. August)

Meine Hauptgründe sind folgende:

  • Mir ist eine „Regelung“ verdächtig, die durch eine anonyme Masse von Leuten ohne offene Diskussionen getroffen wird: In solchen Fällen schaut jeder auf einen anonymen anderen, so dass letztlich niemand die Verantwortung trägt – und zur Verantwortung gezogen werden kann.
    Unbewusstes und Unterbewusstes (das ich oben versucht habe, zu analysieren) steuern diesen Prozess.
    Es ist keine rationale Auseinandersetzung über die getroffenen Entscheidungen möglich.
    Bewusste Manipulationen durch nicht legitimierte Kreise sind nicht auszuschließen.

    Dagegen möchte ich bewusste, öffentlich diskutierte Entscheidungen setzen.

  • Außerdem lehne ich Vorgaben entschieden ab, die einem Überlegenheitsgefühl entspringen, mag sich dieses in einem „Bildungsdünkel“ oder in einer „Wohltätigkeitsgeste“ ausdrücken.

    Ein Überlegenheitsgefühl zeigt sich sowohl in der Haltung, die Ungebildeten sollten sich gefälligst bilden und sich mit der gängigen Rechtschreibung vertraut machen (oder es eben bleiben lassen – siehe oben), als auch in der Haltung von Fürsprechern der „einfachen“ Leute, die Rechtschreibung müsse so weit vereinfacht werden, dass auch diese sie beherrschen können.

    In beiden Fällen wird „von oben herab“ geschaut und gehandelt, das eine Mal verächtlich, das andere Mal fürsorglich.

    Ich möchte, dass jede*r Schreibende (selbst)bewusst schreibt und seine Wortschreibung den eigenen Absichten (und Leserkreisen) anpasst, oder wenigstens die Gründe für eine bestimmte „Rechtschreibung“ nachvollzieht.

    Sprich deutsch!

    Wie Fürsorge in diesem Zusammenhang auch aufgefasst werden kann, das zeigen die Tiraden des deutsch-nationalen „Gutmenschen“ Eduard Engel, der „Fremdwörter“ nicht an deutsche Sprachgewohnheiten angleichen, sondern sie im Interesse der ungelehrten Deutschen mit Stumpf und Stil ausgerottet sehen wollte, zumindest ihren (noch) nicht vollständig angepassten Teil.

    Ich finde das ziemlich krass; deshalb habe ich es hier eingebaut. Außerdem ist diese „fürsorgliche“ Haltung weiterhin lebendig, wie die Aktivitäten des „Verein Deutsche Sprache“ (VDS) zeigen.

    „Die Seelenverfassung des britenden Fremdwörtlers ist die gleiche wie bei allen andern Gattungen der Fremdwörtlersippe: das englische Wort ist unter allen Umständen vornehmer, verleiht seinem Aussprecher oder Schreiber eine höhere Weihe, als das edelste, kernigste, farbigste Deutsch. Mob ist vornehmer als Pöbel, der Rowdy feiner als der Lümmel, nun gar der Hooligan gradezu ein erhabenes Wesen gegenüber dem Strolch oder Messerstecher. Selbst der ärmste Teufel bekommt einen andern Anstrich, einen volkswirtschaftlich wissenschaftlichen, sobald man ihn Pauper nennt. Wer etwas auf sich hält, oder wer gar einmal den Fuß auf britische Erde gesetzt, spricht nicht mehr von Versammlungen, sondern von Meetings, nennt die Selbstverwaltung nur noch Selfgovernment, ein Gesetz wird zur Bill, der englische Unterhauspräsident heißt grundsätzlich in Deutschland nur Speaker, Ausschüsse sind Committees, und jede Schreibstube wird zum Office. Wer nichts ist, nichts hat, nichts heißt, ist immerhin noch ein Nobody, und der letzte Angestellte besitzt die höhere Würde eines Clerk. Bringt er’s aus eigner Kraft zu etwas Bedeutendem, so legt ihm der Fremdwörtler den hohen Rang eines Selfmademan bei. Unterredung, Begegnung, Besprechung, Ausfragung, Fragbesuch – nichts von dieser deutschen Dutzendware ›deckt‹ sich mit einem Interview, und der Held eines solchen Abenteuers ist je nachdem ein Pennyaliner, Reporter oder Interviewer. Harmlosen deutschen Lesern, die keine Ahnung von den Geheimnissen englischer Rechtschreibung haben, wird als eine Selbstverständlichkeit zugemutet, daß sie dergleichen peinlich genau aussprechen. Ein ungelehrter Deutscher, der den in jeder Zeitung prangenden Interviewer harmlos ausspricht: Interfiewer, wie ich das von gescheiten Arbeitern mehr als einmal gehört, wird von dem Manne mit der Büldung hochüberlegen ausgelacht.“ aus: Sprich deutsch!: Zum Hilfsdienst am Vaterland, 1917, S. 81
    (Ich habe in diesem Text das mittlerweile nahezu unbekannte Wort „Welscher“ gegen „Fremdwörtler“ ausgetauscht)

  • Auch wenn es für den deutsch-sprachigen Raum eine Instanz gäbe, die die Schreibung von „Fremdwörtern“ vorgeben würde, könnte ich eine solche Setzung nicht akzeptieren, wenn sie uneinheitlich, ohne klare Regel-Grundlage, also letztlich willkürlich wäre; ein Teil der letzten amtlichen Reform war mit diesem Makel behaftet (siehe die anschließenden Auseinandersetzungen darüber, die Einschätzung der Kommission für Rechtschreibfragen oben sowie die Aussagen von Konrad Duden am Schluss des Beitrags zu früheren amtlichen Bestimmungen).
    Ich schreibe so, wie ich es selbst für angebracht halte.
  • Verhältnisse, die allein auf der „Macht der Gewohnheit“ und nicht auf einer nachvollziehbaren Regel beruhen, möchte ich entschieden und bewusst ändern.
  • Schlussendlich bin ich der Meinung, dass eine Sprache nur dann lebendig genannt werden kann, wenn sie in der Lage ist, Neues aufzunehmen und zu integrieren. Für jedes Wachstum, für jede Entwicklung sind „Fremdstoffe“ nötig, das weiß jede*r Gärtner*in; diese werden gemeinhin auch „Nährstoffe“ genannt. Ich möchte aus diesem Grunde alle „Fremdwörter“ mit ihren neuen Bedeutungen vollständig in meine Sprache (und Schrift) intergrieren.
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Ausgewachsene Zukkini für die Samenernte; hoffentlich ordentlich gemischt. Gegessen werden sie auf jeden Fall!

Mein Vorschlag für eine Entscheidung „von oben“

Da die Schreibung eine gewisse Einheitlichkeit aufweisen sollte, es für die staatlichen Stellen und für die Schulen ohnehin vermittelbarer Festlegungen bedarf, muss es wahrscheinlich in jedem Fall Entscheidungen geben.
Für diese gibt es meines Erachtens nur zwei Wege:

  1. Die Schreibweise von Wörtern wird auf klare, durchschaubare Regelungen gestützt, die jede*r Lesende möglichst nachvollziehen können soll. In der Schule sollten Schreibregeln erlernt, d. h. verstanden, und nicht tausende von Einzelfällen memoriert werden.

    Die Regel, alle „Fremdwörter“ konsequent in deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnungen zu übertragen („Schreib, wie du sprichst“), wäre eine solche eindeutige und nachvollziehbare Regel.

  2. Es wird ein Gremium gebildet, das aus 1000 Bürger*innen besteht, die per Losentscheid aus den Einwohnermelderegistern ausgewählt werden. Diese treffen sich einmal jährlich auf „Staatskosten“ und stimmen in geheimer Wahl über die offizielle Schreibweise neuer Wörter ab, nachdem sie von Fachleuten informiert wurden und untereinander diskutieren konnten.

    Eine solche Vorgehensweise wäre demokratisch legitimiert, würde öffentlich stattfinden und könnte öffentlich diskutiert werden.
    Es würden nicht nur „Fachleute“ bestimmen, die in der Regel der Bildungsschicht angehören und somit befangen sind; es würde tatsächlich „das Volk“ über seine Schrift bestimmen.

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Auch in Parzelle 63 keimten aus aufgebrachtem Kompost noch zwei Zukkini zwischen den Kartoffeln (9. August)

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Die hellgrünen, später weißen Früchte dieser rankenden Sorte aus Polen, die ich 2017 angebaut hatte

Aufruf, sich eigene Gedanken zu machen und bewusst Entscheidungen zu treffen

Mein Fazit: Jede*r Schreibende sollte sich über die Schreibung von Wörtern Gedanken machen – und nicht nur in einem Wörterbuch nachschlagen und sich nach einer „Höheren Instanz“ richten.

Denn: Wir Blogger*innen können Einfluss auf die Schreibweise sämtlicher Wörter nehmen! Das sollten wir nutzen und uns nicht eine „Rechtschreibung“ von einer „Anonymen Macht“ aufdrücken lassen!

Deshalb mein Aufruf an alle Garten-Blogger*innen, ja, an alle, die schriftlich mit „Zucchini“ zu tun haben, die bisherige Schreibweise dieser „Jung-Kürbisse“ in Frage zu stellen.

Ob dann in Zukunft „Zuckini“, „Zukkini“ oder „Zuccini“ oder aus anderen Gründen ganz bewusst weiterhin „Zucchini“ geschrieben wird, ist zweitrangig.
Ich möchte nur vermeiden, dass in 100 Jahren „Zuchini“, „Zuschini“, „Zutschini“ oder „Zukchini“ zur offiziellen deutschen Schreibweise wird – wie das mit „Sauce“ geschehen ist, das zu „Soße“ mutierte, obwohl es Französisch „Soß“ gesprochen wird – und keiner weiß, warum.

So solltet Ihr auch alle anderen „Fremdwörter“ nach eigenem Gutdünken, aber bestem Wissen und Gewissen schreiben.

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Die letzte „Tondo chiaro di Nizza“ von 2018 wird am 26. Juni zu „Gefüllte Zukkini mit Reis à la mexicaine“ verarbeitet

Das vorletzte Wort gegen obrigkeitliche Einzelbestimmungen und für (selbst)bewusste, demokratische Entscheidungen gebe ich dem „Rechtschreib-Papst“ Konrad Duden persönlich, der in der ersten Ausgabe seines „Vollständiges Orthograpisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ 1880 schrieb:

Das zweite Gebiet, auf welchem der Lage der Dinge nach eine diktatorische Feststellung der Schreibung nicht möglich ist, bildet das große, leider übergroße Reich der Fremdwörter. Das Urteil darüber, ob ein Fremdwort in den allgemeinen Gebrauch des Volkes übergegangen ist und demnach einen Anspruch darauf hat, der deutschen Schreibung teilhaftig zu werden, wird oft schwankend sein, und es können daher auch die auf diesem Gebiete von seiten des preußischen Ministeriums getroffenen Entscheidungen am wenigsten auf allgemeine Zustimmung rechnen. Gar mancher wird sich fragen, warum man z. B. Konzil und Konzert, aber Civil und Concept, warum man offiziell, aber speciell vorziehen soll, warum in Bayern die Beseitigung des „Centrum“ durch „Zentrum“ erstrebt wird, während Preußen das „Centrum“ in erster Linie empfiehlt, warum Preußen, welches die Schreibung von „Zentrum“ wenigstens duldet, die Schreibung „zentral“ gar nicht gestattet, während man auf dem Titel des bayerischen Regelbuchs den „Zentral-Schulbücher-Verlag“ findet.“

In diesem Sinne: Wir sind das Volk, das ein „Fremdwort“ allgemein gebraucht und das entscheidet, ob es einen Anspruch darauf hat, der deutschen Schreibweise teilhaftig zu werden!

Auch die Sprachreiniger*innen unter uns dürfen dann aus dem „Gendersternchen“ ein „Geschlechtersternchen“ machen.
Ich bin dafür.