Starfrighter

oder: Welche Idee ich zur Abschreckung der Stare vom Kirschengenuss entwickelt habe.

Dieser Blog-Eintrag soll von der Vertreibung der Stare von meinen Kirschen handeln.

Ich wollte den Beitrag eigentlich “Starfighter” überschreiben, aber ein zufälliger Tippfehler änderte diesen doch eher langweiligen Titel in “Starfrighter” – und ich muss gestehen: nicht zu seinem Nachteil: Ich will die Stare ja nicht bekämpfen, sondern bestenfalls verschrecken. Das Wort “starfrighter” scheint es jedoch im Englischen nicht zu geben, zumindest nicht im von mir intendierten Sinne von “Starenschrecker” oder “Star-Erschrecker”  (es gibt zwar einen “Starfreighter”, einen “Sternenfrachter”, ein Raumschiff aus einem Science Fiction-Spiel oder -Film, doch um den soll es hier nicht gehen).
[Nachtrag: “Starfrightener” ist die richtige Bezeichnung, wie ich gerade lese: A person or thing that causes fear, auf Deutsch also: eine Person oder ein Ding, das Furcht eregt. Und genau darum geht es!]

Mein alter Kirschbaum in voller Blüte
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Mein alter Kirschbaum in voller Blüte

Seit ich den Garten besitze – und mit ihm einen schönen alten Kirschbaum, neide ich den Staren ihren Kirschgenuss – und sinne nach Mitteln und Wegen, ihnen diesen zu verleiden oder sie von den Kirschen fernzuhalten.

In meinem zweiten Gartenjahr habe ich als erste Maßnahme einen Starenkasten im Baum angebracht in der Hoffnung, damit ein Starenpaar zu “Kirschwächtern” zu machen. Ich hatte gelesen, dass Starenpärchen andere Stare von ihrem Brutkasten fernhalten sollen; doch ich befürchte, dass sie das ohnehin nur zur Brutzeit täten, die meines Wissens nicht unbedingt mit der Kirschenerntezeit zusammenfällt. Außerdem konnte sich bisher noch kein Pärchen für diesen Job erwärmen – möglicherweise weil sie meinen Hintergedanken gerochen haben. Inwieweit dieses Mittel also wirksam wäre, muss ich vorerst offen lassen.

[Nachtrag: Heute musste ich feststellen, dass durch diese Maßnahme sogar alle weiteren Abwehrmaßnahmen (die ich gleich beschreiben werde) zum Flop werden können – wenn nämlich andere Höhlenbrüter den Kasten zu ihrer Heimstatt machen, wie in meinem Fall ein Feldsperlingspärchen.]

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13. April 2014

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25. April 2015

Nun habe ich aber eine viel bessere Idee!

Nein, Ihr denkt (nein, nur Du, meine treueste Leserin denkst Dir was), ich wollte den Kirschbaum in eine riesige Voliere einsperren und die Vögel damit aussperren, aber da irrt Ihr Euch – ich vertraue auf modernste Technik.

Ich weiß zwar noch nicht, woher ich das Wundermittel bekomme, das mir vorschwebt, ich weiß nicht einmal, ob es schon erfunden wurde, aber ich werde es Euch jetzt hier und heute genauestens beschreiben – vielleicht kann mir dann jemand sagen, wo es zu finden ist – oder es mir auch bauen.
Ich glaube, sämtliche Bestandteile der Abwehrwaffe sind schon erfunden und erprobt.

Als erstes brauche ich ein Mikrofon, mit dem ich das laute Jubelgezwitscher der Stare aufnehmen kann, wenn sie sich an meinen Kirschen laben.
Dann brauche ich eine Software, die dieses Jubilieren identifizieren kann, die also erkennen kann, wenn Stare in meinem Kirschbaum einfallen.
Ha, und wenn das geschehen ist, erlebt die Starenschar ihr Blaues Wunder: dann löst das Programm nämlich eine Reaktion aus, die sich gewaschen hat: es wählt aus einer ganzen Reihe von vorgegebenen Geräuschen, wie Klatschen, Schüssen oder Schreien per Zufall eines aus und schallt der Bande dieses Geräusch mit Hilfe kleiner, aber leistungsfähiger Lautsprecher in die Ohren – und dann sollt Ihr mal sehen, wie die Vogelschar von dannen stiebt.

Der Eindruck der Lautgewitter könnte noch durch künstliche Bewegungen verstärkt werden – der Fantasie sind bei der Verbesserung des Gerätes keine Grenzen gesetzt.
Das ganze Gerät ist also nichts weiter als ein kleiner, handlicher Kasten, wetterfest, stabil und farbenfroh (oder auch unauffällig gefärbt), der leicht im Baum zu befestigen ist.

Ich denke, die Stare werden mehr als zwei bis drei Wochen, der Hauptreifezeit der Kirschen, brauchen, um zu erkennen, dass sie gefoppt werden: Sie werden vielleicht niemals darauf kommen, wie die Wunderwaffe “erkennt”, dass sie im Baum landen.

Keine Stare, sondern meine Jungs, die den Staren zuvorkommen
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Keine Stare, sondern meine “kleinen” Jungs, die den Staren zuvorkommen

Über eine Zeitschaltuhr (oder eine lichtenpfindliche Platine) wird der “Starfrightener” von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang scharf gestellt; in der Nacht bleibt er ruhig – wegen der Nachbarn.

Dann sollt Ihr mal sehen, wie ich und meine Liebsten, wie wir uns an den Kirschen erfreuen werden, an der Querfurter Königskirsche, an der Königin Hortense, der neuen unbekannten Sämlingskirsche und der unbekannten, alten Ureinwohnerin, wie wir jubilieren werden, wenn uns der rote, süße Kirschsaft aus dem Munde tropft, wenn wir endlich Kirschen eimerweise ernten können – und nicht nur eine Handvoll, die ich bisher retten konnte, indem ich einen Zweig mit einem Netz umhüllt habe.

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Bis dahin jedoch werde ich es mit einem alten Radio versuchen (ich plane, ein solches dieses Jahr im Baum aufzuhängen) oder doch noch mit einem Riesenkäfig aus Netzwerk, den ich über dem alten Kirschbaum errichte, um “meine” Kirschen nicht mit den Vögeln teilen zu müssen…

Obwohl, halt: Wird nicht ganz schnell irgendein vorwitziger oder mutiger Star bemerken, dass nichts passiert, wenn er die Kirschen leise frisst – und wird nicht dann bald die ganze Vogelschar die Kirschen lautlos verzehren – und mein ganzer schöner Plan im Eimer sein? Verdammt!

Das sieht schon sehr gut aus, geht aber noch dunkler rot…

Das sieht schon sehr gut aus am 21. Juni, geht aber noch dunkler rot…

Na gut, das Programm wird soweit modifiziert werden müssen, dass es nach einem gewissen, unregelmäßigen Zeitraum, in dem es nicht durch Vogelgezwitscher aktiviert wurde, trotzdem überraschend einen seiner “Schallschüsse” abgibt.

Ja, den Praxistest hat meine Idee noch nicht bestanden – es sei denn, jemand hat diese Idee schon umgesetzt und mit der Wirklichkeit konfrontiert; derjenige könnte dann mehr verraten.