An Bohnen Stangen gespart

In diesem Beitrag beschreibe ich ein Gerüst, das ich in diesem Jahr für Stangenbohnen gebaut habe und das nur aus wenigen Stangen und einer (langen) Leine bestand; ich hoffte, an ihm arbeitsparend und besonders effektiv Stangenbohnen ziehen zu können.

Die Frühlingsgefühle kribbeln schon mächtig in den Fingern, doch noch ist nicht alles Material vom Vorjahr aufgearbeitet; deshalb schnell noch diesen Beitrag in die Kategorie „Pleiten-Pech-und-Pannen“ eingefügt, damit ich mich der Zukunft zuwenden kann (und Dir, meiner Liebsten).

Also, es gibt ja fast nichts, bei dem ich nicht denke, dass es zu verbessern wäre, vor allem, wenn es mühsam zu handhaben ist.

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Mein erster Versuch am 23. August 2014

So ging es mir in den letzten beiden Jahren mit den Stangenbohnen.

Normalerweise werden für diese munteren Rankenpflanzen meterhohe Stangen in den Boden gesteckt oder auch Gerüste aus mehreren Stangen aufgebaut. Hier und da habe ich auch schon Stangen gesehen, auf der oben eine Fahrradfelge angebracht war, von der dann kreisförmig Schnüre bis zum Boden gespannt waren. In Afrika habe ich ganze Felder mit tipi-artig zusammengestellten Bambus-Stangen gesehen, die den Stangenbohnen Halt geben sollten.

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Bohnenstangenwald am Kivu-See (2010)

Bei dem Felgen-Modell habe ich noch keinen Schimmer, wie man die herablaufenden Leinen am Boden befestigt, damit sie auch von den Bohnen genutzt werden können. Die Variante mit den Bambus-Stangen scheitert bei mir daran, dass mir die nötigen Stangen zu teuer sind.

Vor zwei jahren hatte ich es auch schon mal mit Wäscheleinen versucht, die von einer Stange abgespannt waren (Bild siehe oben); aber die Verankerung im Boden mit Heeringen meines Zeltes war nicht besonders effektiv gewesen – und dann war es auch noch aufwendig, die Haken später beim Abbbau der Konstruktion im Gartenboden wiederzufinden.

Also musste etwas Besseres her.

Grübel, grübel und schon war das Gestell entworfen, das auf dem folgenden Bild ganz gut zu erkennen ist.

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Das „wunderbare“ Gerüst am 21. Juni 2016

Ich hämmerte ein paar angespitzte Latten in den Boden, befestigte oben und unten jeweils zwei Winkel, an die ich wiederum zwei Querlatten anschraubte; diese Querlatten hatte ich in regelmäßigen Abständen mit kleinen Löchern versehen.
Nun fädelte ich eine Wäscheleine immer von oben nach unten und wieder zurück durch diese Löcher. An ihrem Ende war ein Knoten, damit sie aus dem ersten Loch nicht wieder herausrutschen konnte.

Das war eine ziemlich mühselige Angelegenheit, die ganze Wäscheleine durch jedes Loch zu ziehen; aber letztendlich sah alles proper aus.

Jetzt blieb die Frage, ob die Bohnen diese Rankhilfe auch annehmen würden.

Doch die winden sich offenbar auch um Seidenfäden. Und als ich die Bohnen der Sorten „Neckarkönigin“ und „Blauhilde“ wunderbar in die Höhe wachsen sah, rieb ich mir die Hände und freute mir ein Loch in den Bauch.

Nur als die Bohnen nicht aufhören wollten zu wuchern, sich an den oberen Querlatten zu einem richtigen Wall aufstauten, so dass sich diese (nicht vor Lachen) bogen und die die erste Stange sogar gewaltig krumm wurde, schwante mir Böses.

Ich hatte noch versucht, die Querlatten mit Hilfe einer Unterstützerstange am Durchbrechen zu hindern (was auch gelang), aber wahrscheinlich nur deshalb, weil irgendwann das ganze Gestell komplett den Halt verlor und zur Seite kippte; nur Dank der nebenstehenden Monster-Sonnenblumen wurde es vor einer totalen Niederlage bewahrt.

Apropos „Monster-Sonnenblumen“: noch so ein Kapitel aus der diesjährigen Pannenserie. Als ich im Frühjahr überall im Garten Sämlinge fand, die mir nach Sonnenblumen aussahen, kam mir die Idee, mit ihnen meine „Milpa“ anzureichern. Ich dachte: kann ja nicht schaden, neben Mais und Tabak ein paar Sonnenblumen als Bohnenstangen zu benutzen; das muss doch schön aussehen.

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Sonnenbumenwald am 25. September

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11. September

Tja, schön anzusehen war’s dann auch, aber Mais und Tabak sind ein wenig untergegangen zwischen den Monstern – ich hätte nicht gedacht, dass Sonnenblumen sooooo groß werden können!

Und was lerne ich daraus?

Keine Sonnenblumen mehr in die Milpa und kürzere Abstände beim Bohnengerüst, d. h. mehr senkrechte Stangen.

Außerdem werde ich die Wäscheleine in viele Stücke zerschneiden: jedes Stück verbindet immer nur einmal die obere mit der unteren Querlatte. An ein Ende des Leinenstücks kommt ein Knoten, dann wird die Leine bis zum Knoten durch ein Loch in der oberen Querlatte gefädelt; im nächsten Schritt durch das gegenüberliegende Loch in der unteren Querlatte gezogen und mit einem Knoten unter der Latte vor dem Zurückrutschen gesichert. Fertig!

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Neckarkönigin am 28. Juli

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Blauhilde am 27. August

Dann muss ich im Herbst auch die Leinen nicht mehr von den Querlatten lösen, wenn ich das Gestell wieder abbaue. Ich kann immer eine obere und eine untere Querlatte zusammen abnehmen und wetterfest einlagern. Und im folgenden Jahr an anderer Stelle wieder aufbauen.

Das ist einfach genial, wa?