Vier Wochen Vietnam
oder: Alles, was ich dort über Pflanzenbau, Landsorten und Landrassen in Erfahrung bringen konnte.
Seit ein paar Jahren habe ich verwandtschaftliche Beziehungen nach Vietnam (die Eltern meiner Schwiegertochter stammen aus dem Norden des Landes); in diesem Jahr ergab sich die Gelegenheit, dieses Land vom 22. März bis zum 16. April zu besuchen (ich wurde zur Betreuung meines Enkels mitgenommen).
Viele Länder Asiens mit tropischem Klima besitzen einen jahrtausendealten, hoch entwickelten Pflanzenbau, der sich in einem enormen Bevölkerungsreichtum zeigt. Diesen Pflanzenbau einmal intensiv aus der Nähe zu studieren, war ein geheimer Traum, der nun ein klein wenig in Erfüllung ging.
Außerdem hoffte ich in Vietnam noch Reste von Landsorten zu finden sowie etwas über deren Entstehung und Erhaltung zu erfahren, da es – nach meinem Vorurteil – noch nicht so stark von moderner Technik durchdrungen sein sollte wie die „westlichen“, am weitesten in dieser Richtung entwickelten Länder.
Was ich wirklich erfuhr, erfahrt Ihr jetzt…
Möglichkeiten und Grenzen der Erkenntnis
In einem Land, dessen Sprache man nicht in Ansätzen spricht und versteht, von der Landbevölkerung etwas Genaues über Pflanzenbau und Landsorten/Landrassen zu erfahren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Da meine Schwiegertochter sich nicht allzusehr für dieses Thema interessiert und obendrein von anderen Plänen umgetrieben wurde, hatte ich mich darauf eingestellt, nur oberflächliche Eindrücke gewinnen zu können.
Als ich jedoch unterwegs einmal einen Menschen traf, der passables Englisch sprach, kam mir die Idee, ihn als Übersetzer zu engagieren. Ich muss gestehen, dass dies eine ausgezeichnete Idee war (die ich jedem empfehlen möchte, der ohne entsprechende Sprachkenntnisse mehr über ein Land und seine Leute erfahren möchte). Später traf ich einen weiteren, Englisch sprechenden Menschen, der Zeit hatte, mir einen etwas tieferen Einblick in die vietnamesischen Verhältnisse zu verschaffen.
Selbstverständlich sind Menschen, die Englisch sprechen, auch schon stark von westlicher Kultur beeinflusst und entstammen in der Regel der Mittelschicht eines Landes, die der Moderne aufgeschlossen gegenübersteht und deren (Vor)Urteile übernommen hat, wie z. B. die Meinung, dass Saatgut nur gekauft werden kann.
Auch ist es in einem Land, in dem gerade erst ansatzweise die Erhaltung alter (Zucht)Sorten aus dem „Westen“ übernommen wird, noch schwieriger als hierzulande, Landsorten und deren Bedeutung für die Zukunft zu erklären.
Leider habe ich auch durch eigene Gedankenlosigkeit die eine oder andere Gelegenheit versäumt, die richtigen Fragen über das verwendete Saat- bzw. Pflanzgut zu stellen (wie z. B. der Erdnuss-Bäuerin, der ich kurz bei der Arbeit „helfen“ durfte).
Nutzpflanzenanbau ist in Vietnam (nahezu) allgegenwärtig
Größere Teile der vietnamesischen Bevölkerung müssen sich täglich um ihr Überleben Sorgen machen (so weit ich das sehen und beurteilen konnte). An jeder Ecke stehen oder sitzen (zumeist) Frauen, die ein paar Kräuter, Eier oder Früchte feilbieten.
- Marktszene bei Hoi An
- Marktszene bei Hoi An
- Marktszene bei Hoi An
- Marktszene in Huế
- Marktszene in Huế
- Marktszene in Huế
Obwohl ich auch genügend Brachland gesehen habe, wird doch das meiste Land mit Nutzpflanzen bestellt, in der Hauptsache natürlich mit Reis, aber auch mit erstaunlich viel Mais (wie auf einigen Videos von meinen Zugfahrten gut zu sehen ist). Ich habe jedoch auch sehr viele Fleckchen Erde gesehen, die als Gärten genutzt wurden.
- Garten am Roten Fluss in Ha Noi
- Garten am Roten Fluss
- Tomaten in einem Garten am Roten Fluss
- Garten in Hoi An
- Bohnen an einem Feldrand bei Hoi An
- Garten in Ninh Binh
- Garten in Ninh Binh
- Garten in Ninh Binh
- Garten in Ninh Binh
An einigen asphaltierten Stellen wurden sogar Styropor-Kisten für den Anbau von Salat und Kräutern genutzt, den unverzichtbaren Bestandteilen der unzähligen, vietnamesischen Suppen, die überall angeboten werden.
- Gemüsekisten in Hoi An
- …näher betrachtet
- Gemüsekisten in Dong Hoi
In der Kleinstadt Ninh Binh z. B. nutzte eine Frau für diesen Zweck den schmalen Vorsprung einer Mauer, mit der der örtliche Fluss eingefasst war. In jenem Ort wurden auf dem Mittelstreifen der (wenig befahrenen) Bahnhofsstraße in ganzer Länge und Breite Kräuter und Gemüse angebaut.
- Bahnhofstraße in Ninh Binh mit Gemüse
Was ich ausschließlich in öffentlichen Parkanlagen wahrgenommen habe, waren Flächen mit Rasen; diese hierzulande so weit verbreiteten, einheitlichen, trostlosen „Grünflächen“ gibt es in Vietnam kaum (wage ich zu behaupten).
Doch was es auch dort gibt, ist „Stangenwald“. Viele (bergige) Gebiete sind mit einer (mich an Eukalyptus erinnernden) schnell wachsenden Baumart bepflanzt, die im Kahlschlagverfahren geerntet wird, wenn sie eine bestimmte Dicke erreicht haben.
Zuchtsorten, Landsorten und Landrassen in Vietnam
Ich hatte gedacht, dass die eigene Saatgutgewinnung in Vietnam noch weit verbreitet sei, zumindest bei den vielen (Klein)Gärtnerinnen und -Gärtnern, die Nutzpflanzen für den Eigenbedarf anbauen; aber die wenigen Antworten, die ich auf die Frage nach der Herkunft des verwendeten Saatguts stellen lassen konnte, fielen mehrheitlich zugunsten des professionell erzeugten Saatguts aus. Auch mein erster „Führer“ vertrat diesen Standpunkt.
Nur ein Mann verwies uns auf ein Gestell mit trockenen Stangenbohnen, die seine Bohnensamen liefern sollten.
Saatgut in „Bunten Tütchen“ habe ich selbst gefunden und wurde mir auch zweimal gezeigt. Obwohl die Auswahl in allen Fällen recht bescheiden war, soll es doch nach Auskunft einer meiner Begleiter immer und überall zu haben sein.
Wie die Pflanzenzucht und die Saatgutvermehrung in Vietnam organisiert sind, habe ich nicht vor Ort erforscht. Die Saatgut-Tütchen, die ich gekauft habe, stammen jedoch von unterschiedlichen Erzeugern.
Der Reisanbau soll stark staatlich unterstützt werden; so soll das Vorkeimen der Reiskörner in staatlichen Einrichtungen vorgenommen werden. Die maschinelle Ernte der vielen kleinen Reisparzellen, die auf 20 Jahre an die darumherum wohnenden Familien vergeben werden, wird von privaten Unternehmen im Lohn durchgeführt.
Obwohl ich in der Mitte des Landes (tiefer im Süden war ich nicht) unterschiedliche Reissorten auf den verschiedenen Parzellen glaubte wahrnehmen zu können, so schienen mir doch die Reispflanzen innerhalb der einzelnen Parzellen sehr einheitlich zu sein, was auf Zuchtsorten schließen lässt.
Von Gemüsepflanzen, wie Paprika, Chili, Auberginen und Kürbissen, habe ich selten größere Bestände gesehen und mir auch in den wenigen Fällen nicht die Zeit genommen, die einzelnen Pflanzen eingehender auf Unterschiede zu untersuchen, so dass ich auch nicht auf Grundlage solcher Untersuchungen schließen kann, dass in Vietnam noch Landsorten verwendet werden; auch fehlt mir die Erfahrung, wie echte Landsorten aussehen, d. h., wie groß und wie deutlich für Laien wahrnehmbar die Unterschiede zwischen den einzelnen Pflanzen sein sollten.
- Gurken und Auberginen
- Kürbisse (C. moschata)
- Chili
Was ich jedoch eindeutig sagen kann, ist, dass von Kleinhaltern ausschließlich Landrassen-Hühner gehalten werden.
Fast überall sind frei laufende Hühner auf irgendwelchen eingezäunten Grundstücken zu sehen, immer ein wahnsinnig buntes Völkchen. Nirgendwo habe ich einheitliche Hühner gesehen im Gegensatz zu Enten, die teilweise in größeren Mengen in Teichen aufgezogen werden und dann ausschließlich weiß waren.
Auch Garnelen- und Fischfarmen sollen ihren Besatz von professionellen Züchtern beziehen, was bedeutet, dass sie auf bestimmte Merkmale hin selektierte Zuchttiere bekommen.
Hühner dagegen werden anscheinend von den kleinen Hühnerhaltern noch überwiegend selbst vermehrt, was mir in einem Fall auch persönlich bestätigt wurde.
Andere Tiere, wie Kühe, Wasserbüffel, Ziegen und Schafe habe ich nur vereinzelt hier und dort gesehen, aber nie in größeren Herden…
- Angebundene Kuh
- Kühe in Sumpfgelände
- Schweinchen allein zuhaus…
Das ist eigentlich auch schon alles, was ich in dieser Hinsicht aus Vietnam vermelden kann; deshalb bekommt Ihr im folgenden noch ein paar allgemeine Eindrücke aus diesem großartigen Land präsentiert:
Eindrücke aus Vietnam als Fußgänger, Fahrgast und Zugfahrer
Ich bin in Vietnam nicht nur zu Fuß gegangen, sondern auch geflogen (von Ha Noi nach Da Nang), im Auto gefahren worden (von den Flughäfen zu den Unterkünften) und im Zug gefahren (von Hue nach Ha Noi über Dong Hoi und Ninh Binh).
Die eingebundenen Videos zeigen hoffentlich ein wenig das Leben im Land Viet Nam, in den Orten Ha Noi, Hoi An, Dong Hoi und Ninh Binh, den wenigen Orten, an denen ich mich aufgehalten und zwischen denen ich mich bewegt habe…













































Beeindruckend, vielen Dank für den Bericht!
Übriges…Rasen ist eigentlich „grüner Asphalt“ – stammt leider nicht von mir.
Herzlichst vom noch nassen Niederrhein, Brigitte
Danke für Deinen Kommentar, liebe Brigitte!
Rasen mit Asphalt gleichzusetzen, finde ich etwas übertrieben; denn im Rasen können doch noch einige Lebewesen existieren, was in Asphalt definitiv ausgeschlossen ist…
Viele Grüße an den nassen Niederrhein aus dem strahlend sonnigen und trockenen Berlin!
J:)rgen