Landsorten-Infos

oder: Das Buch „Gärtnern mit Landsorten“ ist erschienen, die Webseite landsorten.info ist online.

Der heutige Beitrag könnte kurz, sogar extrem kurz sein; denn eigentlich habe ich in der Unterzeile schon alles gesagt. Ich könnte es also wirklich mal dabei bewenden lassen; aber was wäre ein Beitrag von mir ohne Text. Ich bin also gezwungen, noch etwas zu schreiben, was ich natürlich sehr gerne tue, vor allem, wenn ich stolz ein richtiges, echtes Buch präsentieren kann, mein erstes Buch: „Gärtnern mit Landsorten“, das ich im Beitrag „Gärtnern mit Landsorten“ bereits vor geraumer Zeit angekündigt habe.

Bärtiger, alter Mann präsentiert zwei Bücher

Bücher fühlen sich doch immer noch gut an, besonders eins, an dem ich mitgewirkt habe…

Dann kann ich außerdem wortreich mitteilen, dass die Domain landsorten.info, die ich schon vor einiger Zeit angemeldet hatte, endlich mit Inhalt und zwar mit meiner Definition von „Landsorte“ befüllt ist (bisher war sie auf den Beitrag „Neue Landsorten braucht das Land“ weitergeleitet).

Diese Domain ist mir noch weitaus wichtiger als besagtes Buch, da Wissen über Landsorten und vor allem über ihre künftige Bedeutung rar ist, weshalb ich auch hier wieder einmal etwas davon verbreiten will…

Wissen über Landorten

Wissen über Landorten tut wirklich Not, da über sie eigentlich nur Halbwissen im Umlauf ist (oder bewusst Nichtwissen in Verkehr gebracht wird), wie das nunmal so ist bei Dingen, die hierzulande schon seit über 100 Jahren nicht mehr existieren: Niemand weiß mehr nichts Genaues nicht…
Landsorten, Zuchtsorten, Alte Sorten, alles eins…

Dabei halte ich Landsorten für extrem wichtig (naja, und für den nächsten großen Hype sowieso)

Screenshot der Webseite landsorten.info

Mein anderes, neues „Gewächs“, schlicht und übersichtlich: Landsorten.info – Informationen über Landsorten

Nun, nicht dass Ihr denkt, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen oder meine Definition sei der Weisheit letzter Schluss, ich möchte eigentlich nur auf einen Aspekt hinweisen, der meines Erachtens aber zentrale Bedeutung für die Sicht auf Landsorten hat.

Da dieser Aspekt bis heute von niemandem für zentral angesehen wird, weise ich mit Nachdruck auf ihn hin vor allem deshalb, weil ich ihn für überlebenswichtig halte (für unsere Nutzpflanzen-Arten und für uns selbst als Menschheit; s. u.).

Dieser Aspekt ist die genetische Vielfalt der Landsorten – und da dieser Begriff zumeist anders verstanden wird, als er hier verstanden werden soll – sage ich: ihre Individuen-Vielfalt.

Individuen-Vielfalt ist das wesentliche Merkmal einer Landsorte: Jedes Individuum einer Landsorten-Population unterscheidet sich genetisch von jedem anderen Individuum; alle Individuen einer Landsorten-Population sind genetisch einzigartig, genau so, wie das bei Wildpflanzen-Populationen und menschlichen Sprach- und Dialektgruppen (noch) der Fall ist.

Dieses Merkmal grenzt Landsorten eindeutig von Zuchtsorten (von Menschen gezielt und bewusst gezüchteten Sorten) ab.

Landsorten – Zuchtsorten

Landsorten-Populationen bestehen zu mindestens 80% aus einzigartigen Individuen.

Zuchtsorten-Populationen bestehen zu höchstens 10% aus genetisch (leicht) unterschiedlichen Individuen; bei Zuchtsorten wird zumeist eine 100%ige Einheitlichkeit (Sortenreinheit, Samenfestigkeit) aller Individuen durch Inzucht oder als F1-Hybride angestrebt. Bei amtlich zugelassenen Sorten ist Homogenität sogar Vorschrift.

Individuen-Vielfalt als Basis für Anpassung und Evolution

Individuen-Vielfalt ist die Voraussetzung für Anpassung und Evolution.

Anpassung

Bei „Anpassung“ ist es wichtig, zwischen der Anpassung einer Population und der Anpassung eines einzelnen Individuums zu unterscheiden (letztere wird phänotypische Plastizität oder „Toleranz“ genannt).

Wenn von „Anpassung“ die Rede ist, ist damit in der Regel die Anpassung einer Population gemeint (so auch hier).

Die Anpassung (einer Population) beruht auf Individuen-Vielfalt. Eine große Vielfalt einzigartiger Individuen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass bei Umweltänderungen einige Individuen einer Population überleben, sich fortpflanzen und vermehren können, während der Rest zugrunde geht. Nach wenigen Generationen kann man feststellen: Die Population hat sich angepasst (genauer müsste man sagen: sie hat überlebt).

Plaste-Gittebox mit bunten Samenzwiebeln

Immer wieder schön anzusehen: Mein Zwiebel-Grex, Vorläufer einer neuen Zwiebel-Landsorte

Individuen-Vielfalt ist somit für die Anpassung an veränderte Bedingungen (sprich: für das Überleben) unserer Nutzpflanzen-Arten – und damit auch für unser eigenes – von entscheidender Bedeutung (wie schon seit 10.000 Jahren); denn wenn sich das Klima ändert, müssen Individuen vorhanden sein, die unter den neuen Bedingungen existieren können.

Ob von den wenigen, wenig unterschiedlichen Individuen unserer Zuchtsorten einige Individuen (Sorten) eine drastische!, weltweite! Klimaänderung überleben, ist entsprechend fraglich (auch, dass die Pflanzenzucht-Industrie heute genau die richtigen Individuen für die Umweltbedingungen von morgen kreiert, ist relativ unwahrscheinlich, obwohl auf Youtube ein Vermittler von Pflanzenzüchtungswissen behauptet, Pflanzenzüchter könnten in die Zukunft schauen).

Pflanzenzüchter können in die Zukunft schauen… Ausschnitt aus dem Video: Alte Landrassen – eine Schatzkiste der Pflanzenzüchtung.

Evolution

Wenn die Individuen-Vielfalt groß ist und sich beliebig vermehren darf, ist außerdem die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass „Neuheiten/Besonderheiten“ auftauchen, die überlebens- und fortpflanzungsfähig sind; darauf beruht die gesamte Evolution (siehe auch meinen Beitrag „Das Wesen der Biodiversität“).

All unsere Nutzpflanzen-Arten wurden von Menschen als eben solche „Besonderheiten“ unter den „normalen“ Pflanzen entdeckt und anschließend (bis heute) erhalten. Unsere Nutzpflanzen-Arten wurden also nicht „gezüchtet“, indem immer die „besten“ Pflanzen für die Vermehrung selektiert wurden, sondern sie wurden einfach gefunden (wer ein neuzeitliches Beispiel für diese, meine Behauptung haben möchte, kann gerne die Geschichte unserer Gartenerdbeere studieren).

Landsorten neu erschaffen, die Individuen-Vielfalt unserer Nutzpflanzen wieder vermehren

Weil ich die Individuen-Vielfalt unserer Nutzpflanzen-Arten für überlebenswichtig halte, werde ich nicht müde, missionarisch ihre Wiederherstellung zu propagieren.

Hilfreich fand ich dazu das Buch „Landrace Gardening“ von Joseph Lofthouse. Joseph befasst sich meines Wissens bisher als einziger praktisch mit Landsorten (wissenschaftliche Literatur über ihre aussterbenden oder ausgestorbenen Varianten sowie die Nutzung ihrer eingelagerten Gene für die Pflanzenzüchtung gibt es zuhauf); er zeigt, wie man Landsorten neu erschafft, sie im eigenen Garten anbaut und welche Vorteile sie dort bieten.

Der Gedankengang „Wer das Buch liest, von seinem Ansatz überzeugt wird und Landsorten anbaut und vermehrt, fördert die Individuen-Vielfalt unserer Nutzpflanzen-Arten“ war mein Beweggrund, sein Buch (zusammen mit Peter Ekl) ins Deutsche zu übertragen. Auch hierzulande sollten mehr Menschen leichter vom praktischen Landsorten-Anbau erfahren können (die meisten Menschen halten ja Landsorten für ausgestorben und unwiederbringlich verloren).

Zwei Bücher auf Schafwollteppich von Sonnenstreifen beschienen

Das Original (rechts) und seine deutsche Übersetzung in der Morgensonne…

Cover (Vor- und Rückseite) des Buchs 'Gärtnern mit Landsorten'

Vorder- und Rückseite des Buches werden von der Sonne beleuchtet…

Seit kurzem liegt die Übersetzung unter dem Titel „Gärtnern mit Landsorten“ bei Amazon vor. Ihr könnt das Buch dort für 17,99 Euro käuflich erwerben (leider wollte es kein „ordentlicher“ Verlag herausbringen); Amazon stellt auch eine Leseprobe zur Verfügung…

Wenn Ihr also wissen wollt, wie das Gärtnern mit Landsorten praktisch funktioniert, könnt Ihr nun „Gärtnern mit Landsorten“ lesen. Das Buch bietet außerdem jede Menge Allgemeinwissen über das praktische Gärtnern, über die Gewinnung von Saatgut und über alles Mögliche, was angehende, aber auch schon erfahrene Selbstversorger:innen vielleicht interessieren könnte.

Also, kauft (und lest) „Gärtnern mit Landsorten“!

Joseph Lofthouse, Jürgen Müller-Lütken, Peter Ekl: Gärtnern mit Landsorten; Father of Peace Ministry, Paradise (Utah, USA), 2025; 202 Seiten; 17,99 Euro (bei Amazon; noch nicht im normalen Buchhandel erhältlich)

Wer „Gärtnern mit Landsorten“ in seinem Blog oder auf seinem Video-Kanal vorstellen will, kann mich gerne anschreiben; ich verschicke dann eine digitale Version des Buches (greifbare Exemplare habe ich leider nur sechs bekommen können): kontakt@ichbindannmalimgarten.de

Zum Schluss mal wieder ein kleines Gedicht (oder nennt man das eher einen „Aphorismus“?):

Erkenntnis
Eine Frau zu lieben, ist schön.
Von ihr wiedergeliebt zu werden, ist schöner.
Am schönsten ist es jedoch, Erkenntnisse zu gewinnen.
Liebesbeziehungen enden, aber die Erkenntnisse bleiben.