Könnten unsere Nutzpflanzen verwildern?
oder: Warum eine Antwort auf diese Frage sowohl den Entstehungsprozess unserer Kulturpflanzen* als auch den Unterschied zwischen Land- und Zuchtsorten berücksichtigen muss.
Wie im letzten Beitrag „Individuen-Vielfalt in Theorie und Praxis“ angekündigt, nehme ich heute eine weitere Schwachstelle des Textes „Landsorten und genetische Vielfalt“ ins Visier. Sein Autor stellt darin die folgende Behauptung auf: „Bei einem Anbau von Kulturpflanzen mit freier Abblüte und ohne Selektion würden diese sich nach mehreren Generationen wieder in Richtung Wildtyp entwickeln oder völlig verschwinden.“
Diese Aussage deckt sich mit der Meinung vieler, die schon immer gewusst haben, dass unsere Nutzpflanzen verwildern würden, wenn wir das nicht energisch verhindern; auch unsere Obstbäume und Beerensträucher sollen wieder zu ungenießbaren Wildlingen werden, wenn man sie unbekümmert aus Samen vermehrt, anstatt sie energisch zu „veredeln“.

Meine erste „Reinette“ von einem Baum, der aus einem „Reinetten“-Samen entsprungen ist
Das kann ich unmöglich so stehen lassen; denn dieser Glaube ist – reiner Glaube, weil er weder im genannten Text noch sonstwo begründet wird. Die gegenteilige Ansicht werde ich dagegen heute (hoffentlich hinreichend) begründen.
Darüber hinaus kann ich zeigen, dass diejenigen, die das „Verwildern unserer Kulturpflanzen“ als Schreckgespenst an die Wand malen, eigentlich das „Verwildern unserer Zuchtsorten“ meinen…
* In diesem Text benutze ich Nutz- und Kulturpflanzen synonym, obwohl zwischen beiden ein Unterschied besteht.
Von Wildpflanzen zu Landsorten, von Landsorten zu Zuchtsorten
Dass die Saga von der Verwilderung unserer Kulturpflanzen ohne entsprechende Gegenmaßnahmen von vielen geglaubt wird, beruht vor allem darauf, dass die meisten Menschen in den entwickelten Industrieländern nur noch Zuchtsorten, also Populationen („Fortpflanzungsgemeinschaften“) mit nahezu oder vollkommen einheitlichen Pflanzen, kennen und diese deshalb mit „Kulturpflanzen“ gleichsetzen (Kulturpflanzen = Zuchtsorten)
Manche Menschen meinen aus diesem Grunde sogar, dass die Pflanzen von Wildarten zu 100% einheitlich (genetisch identisch) seien.
Von „Landsorten“ haben die wenigsten Menschen heutzutage etwas gehört und wenn, dann wissen sie nicht, dass die Bezeichnungen „Landsorten“ und „Kulturpflanzen“ bis ca. 1850 das gleiche bedeuteten (Kulturpflanzen = Landsorten) und dass „Kulturpflanzen/Landsorten“ bis zum genannten Zeitpunkt immer und ausschließlich Populationen von mehr oder weniger uneinheitlichen Pflanzen waren, wie aus den Berichten von Menschen hervorgeht, die „Landsorten“ noch persönlich kannten (mehr dazu auf landsorten.info).

Meine diesjährigen Samengurken, Ausgangsmaterial für die Entstehung von neuen Landsorten
Bei genauerem Hinsehen stellt sich nämlich heraus, dass die Mär von der Verwilderung unserer Nutzpflanzen vor allem von „Pflanzenzüchtern“, also von den Produzenten der Zuchtsorten und deren „Bewahrern“ verbreitet wird, die ebenfalls gern erzählen, dass unsere Nutzpflanzen der „Pflanzenzüchtung“ zu verdanken seien; sie unterscheiden nicht zwischen Landsorten und Zuchtsorten.
Wenn ein Pflanzenzüchter, wie der Autor des VERN-Beitrags, von „Wildtyp“ spricht, dann meint er damit den „Urtyp“ bzw. den „Ausgangstyp“ seiner Zuchtsorten; aber das ist nicht die Wildpflanze, sondern die Landsorte gewesen.
Zuchtsorten wurden anfangs aus Landsorten selektiert und können sich auch wieder in Landsorten verwandeln, wenn – ja, wenn die Pflanzen der Zuchtsorten frei (unkontrolliert) abblühen und keiner Selektion („Erhaltungszüchtung“) unterliegen, die alle Individuen von der Fortpflanzung ausschließt, die vom Typ der reinen, einheitlichen, samenfesten Zuchtsorte abweichen.

Die Maxima- und Moschata-Kürbisse, die mit mir von Hohenwepel nach Berlin reisen sollten…
Wenn keine Erhaltungszüchtung stattfindet, dann entwickeln sich die Zuchtsorten in Richtung „Ausgangstyp“ („Wildtyp“ = Landsorte) zurück.
Zuchtsorten können also wieder zu Landsorten werden („verwildern“) und wenn man „Kulturplanzen = Zuchtsorten“ denkt, ist die obige Frage sogar korrekt beantwortet.

…von denen aber diese hier keinen Platz im Transporter mehr fanden und deshalb Samen herausgeben mussten…
Aber unsere Nutzpflanzen waren 10.000 Jahre lang Landsorten; deshalb will ich mich auch noch ein wenig mit der Frage befassen, ob aus Landsorten wieder Wildpflanzen werden könnten.
Die Frage, ob Kulturpflanzen (Landsorten) verwildern können, berührt einen zentralen Punkt: ihren Entstehungsprozess; denn um klären zu können, ob dieser Prozess auch, wie ein Film, wieder rückwärts laufen könnte, muss man wissen, wie unsere Nutz-/Kulturpflanzen entstanden sind.
Die Entstehung unsere Nutz-/Kulturpflanzen (Landsorten und Zuchtsorten)
Häufig wird behauptet, dass unsere Nutzpflanzen (die früheren Landsorten) „gezüchtet“ wurden, also auch irgendwie „Zuchtsorten“ seien.
Das stellt auch der Autor des oben genannten Textes so dar; er schreibt: „Landsorten und Zuchtsorten sind Produkte der menschlichen Schöpferkraft.“ Er macht keinen Unterschied zwischen der Entstehung von Land- und Zuchtsorten.
Um zu sehen, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen der Entstehung von Landsorten und der Entstehung von Zuchtsorten gibt, ist es notwendig die Entstehung beider getrennt zu betrachen.
Als „Landsorten“ werden unsere Nutzpflanzen erst seit 1890 bezeichnet; vorher waren es einfach „unsere Nutzpflanzen“ und wurden ausschließlich bei ihren Art-Namen genannt: Weizen, Reis, Mais, Kartoffel, Roggen, Gartenkürbis usw. (bestenfalls noch mit einer Farb-, Form oder Ortsbezeichnung versehen)
Die Entstehung von Zuchtsorten
„Pflanzenzüchtung“ wird der „Herstellungsprozess“ von „Zuchtsorten“ genannt. Dieser „Züchtungsprozess“, der ungefähr zwischen 1800 und 1900 langsam entwickelt wurde, besteht aus zwei Schritten:
- Selektion: Aus einer großen Anzahl unterschiedlicher, brauchbarer Pflanzen werden gezielt einzelne/wenige Pflanzen-Individuen ausgewählt, die dem Zuchtziel des Züchters entsprechen;
- Inzucht: Die auserwählten „Besten“ werden anschließend vom Züchter durch Inzucht vermehrt.
Für die ersten Zuchtsorten (um 1830) wurden die gewünschten Einzelpflanzen aus den bis dahin vorhandenen Landsorten-Populationen ausgelesen.
Später wurden diese selektierten Einzelpflanzen untereinander gekreuzt, um verschiedene, gewünschte Eigenschaften („Gene“) in einer Pflanze zu vereinigen. Dies war nur durch ein kompliziertes, langjähriges Kreuzungsverfahren möglich, das heute durch „Gen-Technik“ abzukürzen ist.
Gen-Technik ermöglicht zusätzlich die Nutzung von Eigenschaften („Genen“), die nicht auf „natürlichem Wege“ (durch Kreuzung) in eine bestimmte Zuchtsorten-Pflanze eingebracht werden können, wie z. B. die Eigenschaften von (verwandten) Wildpflanzen (siehe „Tigerella, das Grüne Zebra und die Indigo-Rose“).
Die „Schöpferkraft“ beim „Züchtungsprozess“ besteht vor allem aus der Formulierung eines Zuchtzieles und der aufmerksamen Beobachtung bzw. der aufwändigen genetischen Labor-Analyse der Pflanzenbestände, in denen die gewünschten Pflanzen vermutet werden; alles Weitere sind Technik und wissenschaftliche Erkenntnisse, z. B. auf dem Gebiet der Genetik.
„Schöpferkräfte“ sehe ich da wenig am Werke.
Vergleichen wir nun diesen „Züchtungsprozess“ mit dem Prozess, der zu unseren Kulturpflanzen, zu den „Landsorten“, geführt hat.
Die Entstehung von „Landsorten“ (unseren Kulturpflanzen)
Über den Entstehungsprozess unserer Kulturpflanzen (ich mag den Begriff „Domestizierung“ nicht) wurden ganze Bücher geschrieben (bspw. Foraging and Farming; People, Plants and Genes; eine kurze Übersicht bietet ein Beitrag von E. Schiemann von 1932: Einiges aus der Abstammungsgeschichte der Kulturpflanzen); deshalb kann ich hier nur ganz grob und oberflächlich ihren Entstehungsprozess andeuten.
Dabei sollte aber eindeutig ersichtlich werden, dass sich der Entstehungsprozess der Landsorten ganz eindeutig vom zuvor beschriebenen Züchtungsprozess von Zuchtsorten unterscheidet.
Vom Sammeln zum Pflanzenbau
Menschen haben seit Urzeiten alles Genießbare in ihrer Umgebung gesammelt, gejagt und verzehrt, das erreichbar war, nicht viel anders als wilde Tiere das tun; die Betonung liegt dabei auf „alles“.
Selbstverständlich haben Menschen(gruppen) bestimmte Samen, Früchte und Pflanzenteile bevorzugt; nicht alle Menschen haben alles gegessen (ganz so, wie heute).
Der menschliche Pflanzenbau ist bekanntermaßen aus dem Sammeln von Pflanzensamen und -teilen hervorgegangen. Einzelne Menschen werden entdeckt haben, dass aus (vergessenen, verlorenen) Pflanzensamen/-teilen wieder neue, gleichartige Pflanzen hervorgingen und werden diese Erkenntnis in gezieltes Aussäen/Auspflanzen umgesetzt haben, sobald ihnen genügend Samen/Pflanzenteile zur Verfügung standen, die sie nicht dringend zum Überleben benötigten (ausführlich dazu in „Ist Gärtnern weiblich?“).

Auch bei den Feuerbohnen arbeiten die Insekten an einer Zuchtsortenmischung…
Von Wildpflanzen zu Kulturpflanzen/Landsorten
Die ursprünglich von Menschen ausgesäten Samen waren Samen von uneinheitlichen Wildpflanzen, also Populationen von unterschiedlichen, einzigartigen Individuen. Diese uneinheitlichen Wildpflanzen-Populationen wurden durch die fortwährende menschliche Nutzung zu uneinheitlichen „Kulturpflanzen“-Populationen („Landsorten“), zu deren Entstehung u. a. folgende menschliche Einwirkungen beigetragen haben:
- Die Wildpflanzen-Populationen unterlagen vom Zeitpunkt ihrer Nutzung durch den Menschen einer natürlichen Selektion durch den Anbauprozess. So haben sich z. B. bei Getreide die Samen von Getreidepflanzen im Erntegut – und somit auch im Saatgut – angereichert, deren Spindeln nicht so leicht zerfielen. Solche besser brauchbareren Pflanzen entstanden durch einzelne oder schrittweise Mutationen in den angebauten Pflanzenbeständen.
- Auf die gleiche Weise konnten unter Wildpflanzen oder schon genutzten Pflanzen einzelne, auffällige, außergewöhnliche Pflanzen auftauchen, wie z. B. die heutige Maispflanze unter Teosinte-Wildpflanzen, die den Pflanzenbauerinnen besonders vorteilhaft erschienen; solche Pflanzen wurden sicher auf jeden Fall ebenfalls oder sogar bevorzugt weitervermehrt.
- Außerdem sind manche Nutzpflanzen-Varianten zufällig durch menschlichen Misch-Anbau entstanden. So wird z. B. angenommen, dass die verschiedenen Weizen-Arten, wie Einkorn, Emmer, Dinkel, Hart- und Weichweizen, durch eine Kreuzung der „Ur-Weizenpflanze“ mit verschiedenen Gräser-Arten entstanden sind. Solche zufälligen „Bastardierungen“ konnten nur stattfinden, weil Menschen diese Gräser, die (wahrscheinlich) aus unterschiedlichenen, teilweise weit entfernten Gegenden stammten, zusammen mit ihren Ur-Weizenpflanzen anbauten.
Ein neuzeitlicher und dokumentierter Fall einer derartigen „Nutzpflanzen-Geburt“ ist die heutige Gartenerdbeere (Fragaria × ananassa); sie ist durch die zufällige Kreuzung von zwei amerikanischen Erdbeer-Arten entstanden, der nordamerikanischen Scharlach-Erdbeere (Fragaria virginiana) und der südamerikanischen Chile-Erdbeere (Fragaria chiloensis), als diese in Europa zusammen angepflanzt wurden.
Ihr seht schon, dass die Entstehung der „Kulturpflanzen/Landsorten“ eine vollkommen andere Grundlage hatte als die spätere Entstehung (Selektion) der Zuchtsorten:
Die nützlichen, „besseren“ Pflanzen mussten erst einmal durch Zufall entstehen und gefunden werden oder sich zufällig im Erntegut anreichern; die Menschen haben nicht einfach die besten aus vielen guten/brauchbaren Pflanzen auslesen können.
Weitere Gründe sprechen gegen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen immer nur die größten/besten Pflanzen, wie oft behauptet wird, zur Saatgutgewinnung genutzt haben. Diese „Selektionstheorie“ wird auch nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt, die sich mit der Frage befasst haben, wie Menschen, die heute noch „Landsorten“ anbauen, ihr Saatgut auswählen.
- waren froh, überhaupt etwas zu essen zu haben und haben sich bis in die Neuzeit die Frage nicht gestellt, wie sie durch gezielte Auswahl von Einzelpflanzen mehr zu essen bekommen könnten (sie werden bei Gartenpflanzen ohne Frage gesunde/kräftige Pflanzen für die Saatgutgewinnung ausgewählt haben);
- wussten noch nichts über den Zusammenhang von großen Samen und ertragreichen Pflanzen, der darüber hinaus nur gültig ist, wenn die Samengröße genetisch bedingt ist. Die Größe der Samen wird jedoch auch von den äußeren Bedingungen bestimmt;
- ernteten mengenmäßig bei vielen kleinen Samen manchmal/oft mehr als bei wenigen großen Samen, so dass es keinen Grund gab, bevorzugt große Samen auszusäen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht nur wenige „beste“, sondern viele gute oder gar alle brauchbaren Pflanzen weitervermehrt haben, so wie sie zuvor alle brauchbaren Pflanzen gesammelt haben werden, zeigt auch die große Individuen-Vielfalt der Landsorten, die nur zu erklären ist, wenn eine große Vielfalt an unterschiedlichen Individuen fortgepflanzt wurde (siehe dazu auch meinen Beitrag „Das Wesen der Biodiversität“, in dem ich zeige, wie Individuen-Vielfalt in der Natur entsteht).
Von der Vermehrung ausgeschlossen wurden also ziemich sicher nur die wirklich unbrauchbaren Exemplare.
Dies sind „Beeinflussungen“ (von vielen), die zur Entstehung unserer Nutzpflanzen-Landsorten beigetragen haben. Von gezielter Auswahl oder gar Inzucht kann dabei keine Rede sein, nicht einmal von „Positiver Massenauslese“, einem frühen, modernen „Züchtungsverfahren“.
Selbstverständlich kam es vor, dass Menschen(gruppen) im Laufe der Zeit bestimmte Eigenschaften der genutzten Pflanzen bevorzugt haben, wie z. B. weiße Maiskörner, beige Bohnen oder spitzköpfige Weißkohle, und in erster Linie diese Pflanzen weiter vermehrt haben; aber bis zum Beginn der „Pflanzenzüchtung“ (siehe oben) gab es keine Populationen mit derart einheitlichen, genetisch identischen Pflanzen, die mit den heutigen Zuchtsorten vergleichbar gewesen wären.
Von der Unabhängigkeit zur Symbiose
Der Autor des obigen Beitrags behauptet in Übereinstimmung mit Anton C. Zeven, ehemals Landwirtschaftliche Universität Wageningen (Niederlande), man könne den Begriff „Landsorte“ nicht exakt und „allumfassend“ definieren, da „Landsorten eine recht komplexe Natur aufweisen“ und eine Definition deshalb „lediglich zu einer Beschreibung führen würde (Zeven 1998).“
„Landsorten“ sind jedoch eindeutig zu definieren, wenn man erkennt, dass sie dem Begriff „Nutz- bzw. Kulturpflanzen“ entsprechen. Die „Endprodukte“, die aus der menschlichen Nutzung von Wildpflanzen hervorgingen, waren „Kulturpflanzen“ und diese besitzen ein eindeutiges Kennzeichen, das sie von Wildpflanzen unterscheidet: „Kulturpflanzen“ sind heute einheitliche und waren früher uneinheitliche Pflanzen-Populationen, deren Vermehrung vollständig vom Menschen abhängig ist; sie können sich ohne die Hilfe des Menschen nicht mehr fortpflanzen.

Für alle, die noch nie frisch geerntete Kartoffelsamen aus der Nähe gesehen haben…
„Landsorten“ benötigen aus diesem Grunde keine eigenständige Definition, da diese mit der Definition von „Kulturpflanzen“ übereinstimmt. „Landsorten“ müssen definitorisch nur von „Zuchtsorten“ abgegrenzt werden oder besser: Zuchtsorten von Landsorten, was jedoch ohne Probleme möglich ist (Landsorten sind Populationen mit uneinheitlichen Individuen, Zuchtsorten Populationen mit einheitlichen Individuen unserer Nutzpflanzen-Arten)
Da auch die gesamte heutige menschliche Kultur auf dem Anbau von Nutzpflanzen beruht (von ihm abhängig ist), kann man in diesem Fall von einer symbiotischen Beziehung zwischen Mensch und Kulturpflanze sprechen, von einer Symbiose („Die Naturgesetze des Miteinander“).
Keiner der Partner einer Symbiose ist ohne den anderen überlebensfähig. Unsere Kulturpflanzen sind ohne unsere Hilfe verloren, sie würden unweigerlich zugrunde gehen („völlig verschwinden“).
Umgekehrt bedeutet dies, dass auch die jetzige menschliche Kultur unweigerlich enden würde, wenn wir unsere Nutzpflanzen aus irgendeinem Grunde verlieren würden (Hobby-Gärtner, rettet die Menschheit!“).
Vom „Kulturmenschen“ zum Urmenschen?
Wenn man also die Frage stellt, ob unsere Kultur-/Nutzpflanzen verwildern können, muss man sich umgekehrt auch die Frage stellen können, ob wir jetzigen Menschen „verwildern“ können, also zu „Wild- oder Urmenschen“ werden würden, wenn wir keine Nutzpflanzen mehr anbauen könnten?
Beide Fragen können meines Erachtens mit „Ja“ beantwortet werden, wenn unter den jetzigen Nutzpflanzen-Arten und unter den jetzigen Menschen noch einzelne Individuen sind, die ohne den Menschen bzw. ohne Nutzpflanzenanbau überleben und sich durch „Natürliche Selektion“ dann weiter in Richtung „Wildpflanze“ bzw. „Wildmensch“ (Jäger und Sammler) entwickeln können.
Wenn das nicht der Fall ist, ist die Frage eindeutig mit „Nein“ zu beantworten.
Die Entscheidung, welche Antwort die richtige ist, überlasse ich nun Euch; ich konzentriere mich auf den nächsten Beitrag über „Genetische Vielfalt“, diesen schillernden, vielfach missverstandenen und missbrauchten Begriff…

Die Saat des „Landsorten-Roggens“ ist aufgegangen…



