Zwiebeln züchten

„Zwiebeln züchten“, so lautete neulich meine Anfrage bei einer bekannten Suchmaschine. Ich wollte doch zu gerne wissen, was das Wissensnetzwerk zu diesem Thema Wissenswertes zu bieten hat.

Erst einmal musste ich erkennen, dass man unter „Zwiebeln“ mehr verstehen kann als nur „Speise- bzw. Küchenzwiebeln“, auf die ich einseitig fokussiert war; auch Blumenzwiebeln fallen z. B. unter den Oberbegriff „Zwiebeln“.

In diesem Punkte aufgeklärt wollte ich nun etwas über das „Züchten von Speisezwiebeln“ erfahren.
Was ich jedoch als nächstes lernen musste, war, dass auch das Wort „züchten“ nicht so eindeutig ist, wie ich angenommen hatte.

Die Seite „Gartenjournal.net“ leitet einen Artikel mit der Überschrift „Zwiebeln züchten – alles Wissenswerte kurz zusammengefasst“, den ich hoffnungsfroh aufgerufen hatte, folgendermaßen ein: „Streng genommen bedeutet der Begriff „züchten“ das Entwickeln neuer Sorten. Allgemein wird jedoch „züchten“ als Synonym für „anbauen“ verwendet.“ Und so verwendet „Gartenjournal“ ihn dann auch konsequent: es versucht nicht, den Begriff im streng genommenen Sinne mit Inhalt zu füllen.

Hoho, dachte ich, soweit ist es also schon gekommen: im Bewusstsein der Allgemeinheit sind „züchten“ und „anbauen“ identische Begriffe, „züchten“ im Sinne von „Entwickeln neuer Sorten“ ist aus dem Wortschatz (wieder) gestrichen.

Und das entspricht den Tatsachen – und hat seinen Grund: früher (vor 1850 ungefähr) hingen das „Anbauen“ und „Züchten“ von Pflanzen eng zusammen. Man konnte keine Pflanzen anbauen, ohne jedes Jahr selbst wieder Samen von diesen Pflanzen zu gewinnen. Für die Samengewinnung wurden aber in der Regel die besten Pflanzen ausgewählt, wodurch die Sorten verbessert und letztendlich neue Sorten entwickelt wurden – es wurde (unbewusst) gezüchtet; anbauen und züchten waren also mehr oder weniger identische Tätigkeiten und wurden dementsprechend gleichsinnig gebraucht (wie heute auch noch beim Wort „Anzucht“ deutlich ist).

Nach 1850 wurde das Züchten mehr und mehr bewusst ausgeführt und professionalisiert. Hauptberufliche Züchter entwickelten planmäßig neue Sorten, indem sie Sorten miteinander kreuzten, die gewünschte Eigenschaften besaßen. Die pflanzenbauende Allgemeinheit wusste aber noch von dieser Tätigkeit, da sie von sehr vielen, noch wenig spezialisierten Betrieben ausgeführt wurde und damit zumeist in ihrer Nähe stattfand; außerdem bezog sie im Allgemeinen direkt von den Züchtern das benötigte Saatgut (soweit sie es nicht auch noch selbst gewann). Das Wort „Züchten“ erhielt in dieser Zeit eine eigenständige Bedeutung, eben das „gezielte Entwickeln neuer Sorten“.

Heute ist die (streng genommene) Pflanzenzucht, besser: die Pflanzenzüchtung, auf wenige Örtlichkeiten in der Welt konzentriert und überwiegend in strikt abgeschottete Labore und Gewächshäuser verlagert, so dass die Allgemeinheit davon so gut wie nichts mehr mitbekommt. Kaum ein*e Gärtner*in erzeugt noch eigenes Saatgut; Samen werden zumeist im Baumarkt in Form von (großtechnisch erzeugtem) Hybrid-Saatgut erworben. Außerdem ist die heutige Pflanzenzüchtung eher ein technischer Vorgang geworden: Gene (Erbinformationen) werden in Laboren gezielt in das Erbgut eingeschleust, der generationen-lange Prozess von Kreuzung und Auswahl, der eigentliche Züchtungsvorgang, wird eingespart.

Das Wort „Züchten“ im Sinne von „Entwickeln neuer Sorten“ ist somit einfach (wieder) überflüssig geworden.

Ich weiß nicht, ob ich daran etwas ändern kann, aber ich will es wenigstens versuchen: Ich rufe deshalb jede Gärtnerin und jeden Gärtner dazu auf, eigenes Saatgut zu gewinnen! (Zumindest wende ich mich mit meinem Aufruf an diejenigen, die Gartenbau mehr aus Spaß betreiben und nicht in erster Linie möglichst hohe Erträge erzielen wollen)

Wer nämlich eigenes Saatgut gewinnt, der züchtet auch – ganz automatisch; denn er/sie wählt die „besten“ Pflanzen für die Gewinnung von Saatgut aus. Es werden also immer die Pflanzen weiter gezogen, die unter den örtlichen Bedingungen am besten gedeihen und/oder den Ansprüchen der Züchter*innen am weitestgehenden entsprechen. So entstehen ganz von selbst angepasste, lokale, eigene, neue Sorten.

Und wer daran Spaß gewonnen hat, der kann auch ganz gezielt bestimmte Sorten miteinander kreuzen, um ganz bewusst neue Sorten mit ganz bestimmten, zuvor festgelegten Eigenschaften zu entwickeln.

Damit würde das Wort „züchten“ in diesem Sinne wieder mit Leben gefüllt und obendrein die Sortenvielfalt der Speisezwiebeln erhalten oder sogar vermehrt.

Weil im Internet zur Zucht (streng genommen) von Speisezwiebeln, d. h. über das Gewinnen von Samen, nichts bzw. nur haarsträubender Unsinn zu finden ist, will ich ein solches Unterfangen hier einmal kurz beschreiben.

Dazu sind folgende sechs Schritte notwendig:

1. Zwiebelsamen finden

Der 1. (und vielleicht schwierigste) Schritt ist, überhaupt erst einmal Saatgut von Zwiebeln zu bekommen; dieses sollte kein Hybrid-Saatgut sein (Hybrid-Saatgut ist zumeist mit dem Zusatz „F1“ gekennzeichnet, was soviel bedeutet wie 1. Kind-Generation); aber auch dieses ist als Ausgangsmaterial für eine Züchtung zu gebrauchen.

In Baumärkten werden in den meisten Fällen nur noch Steckzwiebeln angeboten; aber wenn man ordentlich sucht, kann man vereinzelt in den Ständen mit den Samentütchen noch solche mit samenfesten Zwiebelsorten wie „Stuttgarter Riesen“, „Braunschweiger Rote“ oder „Zittauer Gelbe“ finden. Auch über das Internet lassen sich – selbst aus entfernten Weltgegenden – Küchenzwiebelsamen ordern.
Hat man solche ergattert, kann im zeitigen Frühjahr (Februar, März, April) der 2. Schritt erfolgen.

2. Zwiebeln säen, hegen und pflegen

Die Zwiebelsamen werden in ein gut gelockertes, feinkrümeliges, aber wenig bis gar nicht gedüngtes Beet in Reihen von ca. 25 cm Abstand gesät.

Dazu werden ca. 1 cm tiefe Rillen mit einem Harkenstil gezogen und die Samen (nicht zu dicht) hineingestreut. Dann werden sie leicht mit Erde bedeckt und diese dann gut angedrückt. Nun wird noch vorsichtig mit der Gießkanne gewässert und das Beet anschließend mit einem weißen Vlies abgedeckt, um die Samen z. B. vor Vögeln zu schützen (letzteres ist nicht unbedingt nötig).

Nach zwei bis vier Wochen keimen die Samen und die Zwiebeln werden in Form von kleinen, dünnen, grünen Hälmchen sichtbar.

Frisch gekeimt
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Die „Hälmchen“ am 10. April (vier Wochen nach der Aussaat; sie waren mit einem weißen Vlies abgedeckt)

Wenn sie etwas kräftiger geworden sind, sollte man sie auf ca. 5 cm vereinzeln. Man kann die Hälmchen, die man dabei ausziehen muss, so vorsichtig aus der zuvor angefeuchteten Erde ziehen, dass man sie an anderer Stelle wieder einpflanzen kann.

Etwas gekräftigt, aber von Beikräutern bedroht (16. Mai 2015)

Die „Hälmchen“, schon etwas gekräftigt, aber von Beikräutern bedroht (16. Mai 2015)

In diesem Stadium müssen auf dem Beet intensiv alle anderen Pflanzen gejätet, d. h., vorsichtig ausgezupft werden.

Wenn die Zwiebeln von Krankheiten und Schädlingen verschont werden, sollten bis Mitte September schöne dicke Zwiebeln herangewachsen und das Zwiebelkraut vertrocknet sein.

Zeit der Ernte: 12. September
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Zeit der Ernte: 12. September

3. Zwiebeln ernten, auswählen und überwintern

Jetzt können die Zwiebeln geerntet werden; dazu werden sie aus dem Boden gezogen, ca. 2 Wochen auf dem Beet liegen gelassen und ab und zu gewendet, um vollständig abzutrocknen (natürlich nur, wenn es nicht häufig regnet; dann macht man das an einem trockenen, luftigen Ort mit Dach).

Nach zwei Wochen werden die Zwiebeln eingesammelt und an einem luftigen, trockenen, vor Frost sicheren Ort flach ausgebreitet und gelagert.

Für die Zucht und die damit zusammenhängende Samengewinnung sucht man sich nun möglichst viele Zwiebeln aus, die den eigenen Vorstellungen von Zwiebeln am meisten entsprechen, z. B. solche, die besonders schön geformt, groß und fest sind oder eine bestimmte Farbe haben oder im Sommer besonders gesund und kräftig gewachsen sind.

Die Anzahl der „Zuchtzwiebeln“ hängt einerseits von der Menge des Saatguts ab, das man im nächsten Jahr gewinnen will, andereseits davon, wie ernsthaft man das Züchten betreiben will. Wenn man zu wenig Zwiebeln für die Zucht verwendet, kann es leicht zu Inzucht und den damit zusammenhängenden Problemen kommen oder auch zum Verlust von einigen, genetisch bestimmten Eigenschaften, zur so genannten Gendrift.

Man sucht sich also mindestens zwei, besser aber 10 – 20 Zwiebeln für die Samengewinnung, und eher 50 – 100 (oder mehr) für züchterische Zwecke aus und lagert sie getrennt von den Zwiebeln, die man essen will.

Am besten stellt man die „Samenzwiebeln“ für die Überwinterung aufrecht in Eierkartons an einem lichten, frostfreien Platz auf.

Meine Zuchtzwiebeln, frisch geerntet am 14. September 2015
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Meine Zuchtzwiebeln, frisch geerntet aber falsch ausgewählt am 14. September 2015

Dieselben Zwiebel am 10. April 2016
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Dieselben Zwiebeln im folgenden Frühjahr, am 10. April 2016; sie haben den Winter im Gartenhaus überstanden

Hier muss ich eine kurze Ergänzung einschieben, die mir deutlich geworden ist, nachdem ich heute (am 16. April 2016) meine überwinterten Zwiebeln wieder in die Erde gebracht habe: man sollte möglichst viele Zwiebeln für die Samenerzeugung und Zucht überwintern: Manche Zwiebeln treiben nämlich schon recht früh aus; diese sollten tunlichst nicht zur Samenerzeugung verwendet werden, wenn man gut lagerfähige Zwiebeln züchten will: man sollte also nur Zwiebeln zur Weitervermehrung auswählen, die möglichst viele gewünschte Eigenschaften besitzen.

Klar, südländische Zwiebelsorten, wie Rossa di Tropea oder Pâle de Niort, können nicht lange gelagert werden (obwohl auch unter diesen ein, zwei Zwiebeln waren, die nicht ausgetrieben hatten), aber Calbenser Gerlinde und Dresdner Pattrunde haben sich wirklich gut gehalten – im Gegensatz zur Zittauer Gelben (auf dem letzten Bild sind links außen die Zittauer und rechts außen die Dresdner zu sehen – bei letzterer sind deutlich weniger Zwiebeln mit einem grünen Trieb zu sehen).

Das war der 3. Schritt.

4. Zwiebeln pflanzen und blühen lassen

Im darauf folgenden Frühjahr werden diese Zwiebeln von trockenen Wurzeln und Blattschuppen gereinigt und im Abstand von 30 x 30 cm auf ein frisches Beet gepflanzt (zumindest alle, die den Winter unbeschadet überstanden haben – man sollte während des Winters immer mal wieder nach ihnen schauen und z. B. faulende Zwiebeln aussortieren); man kann die Zwiebel fast ganz mit Erde bedecken (die Seite, an der die Wurzeln saßen/sitzen, kommt dabei natürlich nach unten in den Boden). Schritt 4 ist vollbracht.

Rossa di Tropea vor der "Entblätterung" 10. April 2016
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Rossa di Tropea vor der „Entblätterung“ 10. April 2016

…und danach
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…und danach

1. Reihe gesetzt (10. April 2016)

1. Reihe gesetzt (10. April 2016)

Im Laufe des Sommers werden fast alle Zwiebeln einen schönen Blütenstand ausbilden; ein ca. 50 cm langer, dicker Stengel erhebt die weiße Blütenkugel über den Erdboden (damit der Stengel nicht abknickt, kann man ihn zur Sicherheit an einen Stab binden, den man neben jede blühende Zwiebel in die Erde steckt – oder es unaufwendiger so machen, wie ich es – auf dem folgenden Bild zu sehen – gemacht habe).

Die Samenzwiebeln am 26. Juni 2016
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Die Samenzwiebeln am 26. Juni 2016

Nun lässt man die Insekten für sich arbeiten: sie befruchten den weiblichen Bestandteil der Blüten (die Narben, die Eizelle) mit dem Pollen oder Blütenstaub (dieser enthält den männlichen Erbteil) benachbarter Zwiebeln, so dass sich Samen bilden können (Zwiebeln sind „Fremdbefruchter“: sie können nur von Pollen einer anderen Pflanze wirksam befruchtet werden, nicht vom Pollen derselben Blüte/Pflanze).

Wenn man ernsthaft zwei bestimmte Sorten kreuzen will, macht man das besser selbst, indem man den Pollen der einen Sorte mit einem Pinsel auf die Narben der anderen bringt; die Insekten muss man dann selbstverständlich mit Hilfe von Gazebeuteln aussperren, die man über die Blüten stülpt. Wenn man allerdings, so wie ich, nur eine besonders bunte Mischung erzeugen will, aus der man dann neuartige, interessante Farben und Formen auszulesen hofft, dann kann man zahlreiche Zwiebelsorten gemeinsam blühen und von Insekten befruchten lassen.

Freundliche Helferin: Schwebfliege am 02. Juli
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Freundliche Helferin: Schwebfliege am 02. Juli

Befruchten und befruchtet werden – der Kreislauf des Lebens
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Befruchten und befruchtet werden – der Kreislauf des Lebens (Rote Weichkäfer – Rhagonycha fulva – bei der Arbeit)

Nach erfolgreicher Befruchtung entwickeln sich die Samen und reifen im Laufe des Spätsommers aus.

Samenstand kurz vor der Ernte (7. August 2016)

Befruchtete Blüten, in denen sich nun die Samen bilden (7. August 2016)

5. Samenstände ernten und trocknen

Wenn die Blütenstände abtrocknen, erste Samenkapseln aufplatzen und darin die schwarzen Samen zu erkennen sind – das dürfte je nach Lage zumeist im September, Anfang Oktober der Fall sein – werden die Blüten – sie werden nun auch Samenstände genannt, vorsichtig (damit möglichst keine Samen ausfallen) in eine feste Papiertüte oder einen Stoffbeutel gesteckt und dann zusammen mit ca. 10 cm des Stengels abgeschnitten (eine kräftige Schere leistet dabei beste Dienste).

Getrocknete Samenstände im Stoffbeutel
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Getrocknete Samenstände im Stoffbeutel

Trockener Samenstand, 10. September 2016
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Trockener Samenstand, 10. September 2016

Dieses ist der 5. Schritt.

6. Zwiebelsamen „ausdreschen“, reinigen und aufbewahren

Die Tüte bzw. das Säckchen mit den Samenständen wird den Herbst (und evtl. auch noch den Winter) über an einem trockenen, luftigen Ort aufbewahrt und immer mal wieder durchgeschüttelt. Gegen Ende des Winters (ich habe es schon Anfang Oktober getan) werden die Samenstände auf ein Handtuch geschüttet, mit diesem umhüllt und kräftig zerrieben und beklopft (man kann sie dazu auch in dem Stoffbeutel lassen); dabei sollten alle Samen freigesetzt werden.

Meine improvisierte Samentrocknungsanlage (27. August 2016)

Meine improvisierte Samentrocknungsanlage (27. August 2016)

Anschließend wird der gesamte Inhalt des Handtuchs in ein größeres Gefäß (Eimer, Schüssel) mit kaltem Wasser geschüttet.

Zerriebene Samenstände in eine Schüssel mit Wasser geschüttet
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Zerriebene Samenstände in eine Schüssel mit Wasser geschüttet

Die „guten“ (d. h., die befruchteten, einen Keimling enthaltenden) Samen werden nun auf den Boden des Gefäßes sinken, alles andere oben auf dem Wasser schwimmen (man sollte noch ordentlich umrühren, bis das „Schwimmgut“ von Wasser benetzt ist); dieser unbrauchbare, schwimmende Teil wird dann soweit in ein anderes Gefäß abgeschüttet, bis nur noch die „versunkenen“ Samenkörner im Gefäß enthalten sind.

Der abgeschüttete Teil wird anschließend noch zwei- bis dreimal auf die gleiche Weise behandelt, um alle enthaltenen Samen herauszuwaschen.

Ich habe nämlich bei meiner letzten Saatgutproduktion im Jahre 2017 festgestellt, dass in dem abgeschütteten Rest noch ziemlich viele Samen hängen bleiben. Erst nachdem ich den Rest drei Mal mit Wasser aufgefüllt, umgerührt und den schwimmenden Teil wieder abgeschüttet hatte, waren kaum noch Samen am Boden des Gefäßes zu finden.

Die guten Samen
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Die „guten“ Samen

Die am Boden des „Waschgefäßes“ (Goldwäscher!!!) zurückbleibenden Samen werden auf das Handtuch oder in ein Sieb gegossen, sofort gründlich abgetrocknet und anschließend flach ausgebreitet an einem warmen Ort wieder gänzlich getrocknet.

Samen getrocknet - links der Sorte "Calbenser Gerlinde", rechts einer "Bunten Mischung"
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Samen getrocknet – links der Sorte „Calbenser Gerlinde“, rechts einer „Bunten Mischung“

Schwarzes Gold - meine ersten selbst gewonnenen Samen der Zwiebelsorte "Calbenser Gerlinde"
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Schwarzes Gold – meine ersten selbst gewonnenen Samen der Zwiebelsorte „Calbenser Gerlinde“

Voilà, das war Schritt Nr. 6; Du hast gezüchtet und Zwiebelsamen selbst gewonnen! Und der Kreislauf kann mit der Aussaat des eigenen Samens wieder von vorn beginnen (zumindest ungefähr drei jahre lang; viel länger bleibt der Zwiebelsamen nicht keimfähig).

Ich denke, das ist nicht allzu schwer. Und nicht allzu viel Arbeit. Und wenn alles schief geht, ist da ja bestimmt noch ein Baumarkt in der Nähe. Oder das Internet mit seinen zahlreichen Online-Shops.

Wer keine Zwiebelsorten mischen, sondern nur eine Sorte „rein“ vermehren will, der darf natürlich nur diese eine Sorte zur Samengewinnung auspflanzen – oder er sollte mit „seiner“ Sorte wenigstens 300-500 m Abstand von blühenden Zwiebeln anderer Sorten halten, d. h., im Umkreis von mindestens 300 m sollte keine andere Speisezwiebelsorte blühen. Das gilt natürlich auch später für die „Auserwählten“ bei der Zucht: auch sie dürfen dann nicht mehr von „fremden“ Sorten befruchtet werden.

Bei mir haben sich die Sorten Rossa di Tropea, Pâle de Niort, Zittauer Gelbe und Dresdner Plattrunde miteinander mischen können; ich bin gespannt, was im nächsten Jahr aus den Samen werden wird?

Was sind Steckzwiebeln und wie kann ich diese selber ziehen?

Zum Schluss will ich noch kurz etwas zu Steckzwiebeln anmerken (weil die meisten Menschen ja nur noch diese kennen): Steckzwiebeln sind einfach kleine Zwiebeln, man könnte sagen: Zwiebeln im Jugendstadium.

Steckzwiebeln kann man mit dem oben gewonnenen, eigenen Saatgut (mit anderem natürlich auch) selbst herstellen: man sät dazu nicht (nur) im März, sondern (auch) im Juni/Juli; dann werden die Zwiebeln bis zum Herbst nur nuss-groß. Diese kleinen Zwiebeln hebt man vor Frostbeginn aus der Erde und lässt das Kraut gut trocknen (am besten unter Dach und Fach). Dann lagert man die Zwiebelchen den Winter über wie alle anderen Zwiebeln – luftig, trocken und frostfrei – und hat dann im Frühjahr Steckzwiebeln.

Steckzwiebeln haben den Vorteil, dass sie zumeist etwas dicker werden als direkt gesäte Zwiebeln und etwas früher zu ernten sind. Sie haben aber auch einen Nachteil: einige von ihnen blühen schon im selben Jahr, in dem sie gepflanzt werden, und bilden dann keine Zwiebeln aus.

Die Samen von solchen Zwiebeln sollte man auf keinen Fall ernten und zur Aussaat benutzen; damit züchtet man (im strengen Sinne) nämlich (auf längere Sicht) „Zwiebeln“, die keine Zwiebeln mehr bilden, sondern nur noch regelmäßig, d. h., im selben Jahr blühen, so genannte „Schosserzwiebeln“.
Diese unsinnige Vorgehensweise wird doch tatsächlich bei gartenjournal.net empfohlen – Wahnsinn! Aber der Inhalt des Internets wird ja auch nur von Menschen gemacht: und manche Menschen geben eben nur Halb- oder Unwissen von sich; deshalb sollte man – wie immer – auch in diesem Fall mehrere Quellen zu Rate ziehen (auch meine Anleitung kann Fehler enthalten).

So viel zur streng genommenen Zucht von Speisezwiebeln.

(Meine Liebste, ich hoffe, Du verzeihst mir, wenn ich mit Zwiebelanbau und -zucht sowie Beiträgen darüber mehr Zeit verbringe als mit Dir!)