Zwiebelliebhaber*innen

Zwiebeln sind wahrscheinlich eines der meist benutzten „Würzmittel“ der (deutschen) Küche, weshalb wohl die meisten Menschen als Zwiebelliebhaber*innen bezeichnet werden dürften.

Ich rechne mich auf jeden Fall zu dieser Spezies.

Mein Zwiebelanbau ist aus diesem Grund (und weil er unkompliziert ist) mittlerweile ziemlich ausgedehnt.

In diesem Jahr habe ich sogar das erste Mal Zwiebeln aus eigenem Saatgut gezogen – und das nicht zu knapp; denn Zwiebelsamen hatte ich im Vorjahr reichlich gewonnen.

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Bunte Zwiebelmischung aus selbst gewonnenem Saatgut

Weil das Vereinzeln/Verziehen der dicht stehenden Zwiebelkeimlinge dann im Laufe des Frühjahrs nicht geklappt hat, ist eine ausufernde Menge an Zwiebeln herangewachsen (als ich das Vereinzeln Anfang Juni endlich erledigen wollte, waren die Zwiebelchen schon dermaßen groß geworden und fest in der Erde verwurzelt, dass der Zeitaufwand jeglichen Rahmen gesprengt hätte, den mir meine beste Ehefrau an jenem Tag gesetzt hatte).

Da ich teilweise auch statt der obligatorischen Möhren zwischen den ursprünglich geplanten Zwiebelreihen weitere Zwiebelreihen ausgesät hatte – ich dachte, je mehr Zwiebeln ich vom „Kreuzungssaatgut“ aussäe, desto eher erfahre ich, welche Varianten dabei entstanden sind – standen diese zu Beginn des Sommers wunderbar üppig und dicht.

Nachfolgende Bildergalerie gibt einen ganz guten Überblick über die Entwicklung meines Zwiebelbeetes von Februar, in dem ich die ersten Vorbereitungen traf, bis zum August, dem Erntemonat.

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Das zukünftige Zwiebelbeet am 25. Februar

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17. März, Tag der Aussaat

Ein solch prall gefülltes Beet zieht natürlich auch andere Zwiebelliebhaber*innen an.

Ich spüre ein wenig die Spannung, die in Dir aufkommt, liebe*r Leser*in, welcher Art die Liebhaber*innen von Zwiebeln denn nun sein mögen, von denen ich bedeutungsvoll raune.
Ich halte die Spannung noch einen Augenblick, um Dich dann tief fallen zu lassen: mit den Liebhaber*innen der Zwiebel meine ich deren „Schädlinge“ und „Krankheiten“.

Bin ich irre?

Vielleicht ein bisschen. Wir sehen die Welt zumeist nur durch unsere Brille – und da sind andere Liebhaber*innen unserer eigens angebauten Zwiebeln nun mal unsere Konkurrenten, die uns schädigen; dabei mögen diese „Schädiger“ die Zwiebel nur genauso gerne wie wir – manche vielleicht sogar noch viel lieber, da sie ausschließlich von Zwiebeln leben.

Manchmal möchte ich aber diesen ego-/anthropo-zentrischen Blickwinkel ein wenig weiten und mit den „Augen“ der mich umgebenden Lebewesen die Welt betrachten.
Dann sehen auch die „Schadorganismen“ nicht mehr wie Feinde aus, die rücksichtslos bekämpft und ausgerottet werden müssen, sondern bestenfalls wie Gegenspieler, denen wir hart aber fair Grenzen setzen.

In diesem Jahr hatte ich das erste Mal mit „Schädlingen“ und „Krankheiten“ der Zwiebel zu tun, vielleicht sind sie mir auch nur zum ersten Mal aufgefallen:

  • die Zwiebelfliege, die ich nicht selbst kennengelernt, sondern die ich nur durch ihr „Schadbild“ wahrgenommen habe (das aber auch durch die Lauchminierfliege verursacht worden sein kann),
  • das Lilienhähnchen, ein kleiner orange-roter Käfer, und seine Brut, die sich besonders gern von Kaiserkronen und ähnlichen Blumen aus der Familie der Liliengewächse ernähren, aber eben auch von unseren Speisezwiebeln, die ja ebenfalls zu dieser Pflanzenfamilie gehören,
  • die Lauchmotte
  • und zu guter Letzt noch eine Pilzart, der sogenannte „Falsche Mehltau“.

Nachfolgend präsentiere ich einige Informationen zu diesen Liebhaber*innen (meinetwegen darfst Du auch „zu diesen Schädlingen und Krankheiten“ lesen) und zeige sie Dir auf Bildern, die ich machen konnte:

Die Zwiebelfliege (Delia antiqua) sowie die Lauchminierfliege (Phytomyza gymnostoma)

Die Zwiebelfliege habe ich wohl zuerst als Liebhaberin ausgemacht. Sie soll ihre Eier Ende April in die Nähe von Zwiebelkeimlingen ablegen, so dass die schlüpfenden Larven, kleine weiße Maden, die Pflänzchen ohne Füße erreichen, sich hineinbohren und vom leckeren Zwiebelfleisch leben können.

Wenn die Zwiebelpflänzchen noch winzig und zart sind, braucht solch eine Made zahlreiche Hälmchen, um davon satt und erwachsen zu werden.

Der Zwiebelanbauer sieht seine Zwiebeln dann reihenweise verschwinden und mit ihnen seine Ernte, und verflucht die Zwiebelfliege dann als heimtückischen Schädling, vor allem, wenn er das Saatgut nicht im Übermaß in die Erde gestreut hat.

Wenn die Zwiebeln dann größer werden und die nächste Generation der Fliege im Juni ihre Eier in deren Nähe ablegt, bieten diese schon so viel Nahrung, dass sich die Blätter der Zwiebel durch den Larvenfraß nur verkrümmen, die Zwiebelpflanze einzelne Mitesser aber ohne größere Probleme überlebt; erst 20 Fliegenmaden sollen einer Pflanze den Garaus machen.

An den verdrehten Blättern habe ich diese Zwiebelliebhaberin bei mir bemerkt.

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Zwiebelblätter mit merkwürdigem Wuchs

Ich konnte zwar trotz eifrigen Zerzupfens von solcherart auffälligen Zwiebeln keine Larve(n) entdecken, aber es gibt keine andere Erklärung für diese Erscheinung, es sei denn, es war die Lauchminierfliege, deren Larven ein ähnliches Schadbild verursachen sollen (soweit ich das anhand von Abbildungen im Internet zu beurteilen vermag); die Lauchminierfliege ist allerdings nur halb so groß wie die Zwiebelfliege, die eine Länge von 5 – 7 mm, also ungefähr die Größe einer Stubenfliege erreichen kann, und deshalb noch schwerer zu sehen, vor allem für mich, der ich ohne Lesebrille kaum noch Kleinigkeiten zu erkennen vermag.

Jetzt hoffe ich nur, dass sich diese Fliegenarten dank meines guten Futterangebots nicht so sehr vermehren, dass sie meine Zwiebeln in den kommenden Jahren komplett verzehren – und ich Zwiebeln nur noch unter Schutznetzen anbauen könnte.

Das wäre ein herber Schlag.

Das Lilienhähnchen (Lilioceris lilii)

Dieser hübsche, kleine Käfer ist mir schon hin und wieder begegnet, vor allem an meinem üppig wuchernden Schnittlauch.

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Ein rot-beiniges Lilienhähnchen

Normalerweise lasse ich ihn in Ruhe; als ich aber einige seiner Larven in diesem Jahr meine Zwiebelblätter benagen sah, war’s vorbei mit der Ignoranz: den einen oder anderen Käfer habe ich danach mit bloßen Händen zerquetscht.
Natürlich habe ich auch die kotbedeckten Larven (sie schützen sich mit ihrem eigenen Kot vor Fressfeinden) gnadenlos von meinen Zwiebeln entfernt.

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Kotbedeckte Larven des Lilienhähnchens

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Larve des Lilienhähnchens – nackt und schutzlos

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Eier des Lilienhähnchens

Der Schaden, den diese Konkurrenz angerichtet hat, hielt sich aber (bisher) in engen Grenzen.

Die Lauchmotte (Acrolepiopsis assectella)

Dass meine Zwiebeln auch der Lauchmotte als Nahrung dienten, habe ich erst bemerkt, als ich die Stoffbeutel öffnete, in denen ich die Samenstände der Zwiebelsorten Wolska Hoser, Roşii de Făgăraş, Bessonowskij Mestnij, Rose de Roscoff, Wiener Rote sowie Pâle de Niort trocknete, die den Winter erfolgreich überstanden und in diesem Jahr geblüht haben.

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Blühende Zwiebeln der Sorte Roşii de Făgăraş

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Das Bienchen auf der Zwiebelblüte

Aus jedem Beutel flatterten mir die kleinen Falter zahlreich entgegen.

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Lauchmotte in einem Beutel

Zu Anfang dachte ich noch, dass die Kleinschmetterlinge nur zufällig in den Beutel hineingeraten wären, weil sie z. B. an den Samenständen übernachtet hätten. Als sie aber aus jedem Beutel auftauchten und nicht wenige Kokons mit Puppen am Stoff klebten, vermutete ich doch Zwiebelliebhaber in ihnen – und weil sie mit einem markanten weißen Flecken auf den Flügeln gezeichnet sind, war es nicht zu schwierig, ihren Namen im Internet ausfindig zu machen.

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Kokon mit einer Puppe der Lauchmotte

Nun sorge ich mich, dass sie größere Teile meiner wertvollen Zwiebelsamen zertört haben könnten; denn im „Hortipendium“ lese ich: „Die Raupen der zweiten Generation fressen auch an den Blütenköpfen und zerstören dabei die Blüten und Samen.“

Ich werde also in den nächsten Jahren die Blütenstände meiner Zwiebeln genauer beobachten und untersuchen – und evtl. die kleinen, hellgrünlichen Raupen der Lauchmotte absammeln müssen.

Der Falsche (Zwiebel-)Mehltau (Peronospora destructor)

Nach den zuvor beschriebenen drei Zwiebelliebhaber*innen, deren Zwiebel(mit)verzehr ich noch erträglich fand, komme ich zum vierten und bislang letzten, auffällig gewordenen Konkurrenten: dem Falschen Mehltau. Dieser raffte Mitte Juli ziemlich blitzschnell die gesamten Blätter meiner Zwiebeln dahin. Zuerst knickten die Laubblätter nur nesterweise um; aber bald hatte sich der Mehltau im gesamten Bestand ausgebreitet, wobei ihm das diesjährige Sommerwetter natürlich ungemein entgegen kam: Regen und immer wieder Regen.

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Letztlich bin ich natürlich nicht ganz unschuldig daran, dass sich der Mehltau an meinen Zwiebeln so prächtig entwickeln konnte: sie standen viel zu dicht. Selbst bei besserem Wetter wären sie bei Tage wahrscheinlich nur schlecht abgetrocknet; denn die Nacht belegt alle bodennahen Gewächse in meinem Talgrunde mit einer feinen Wasserschicht, Tau genannt.

Möglicherweise war der Boden des Beets von der überreichlichen Kompostgabe aus dem Jahre 2013 noch zu gut gedüngt. Eine „Überdüngung“ lässt die Zwiebeln zwar üppig ins Kraut schießen, macht sie aber auch attraktiver für den Mehltau.

Ich bin noch ein Lehrling, was den Zwiebelanbau betrifft.

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Sporenrasen des Falschen Mehltaus

„Durch den Befall verdorren die Blätter von den Blattspitzen beginnend und sterben ab. In Folge sind der Ertrag und die Haltbarkeit der Zwiebeln erheblich verringert.“ lese ich in einem Merkblatt der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft.

Die erste Aussage sowie den ersten Teil der zweiten habe ich nun schon selbst erleben können, vom zweiten Teil der letzten Aussage hoffe ich (noch), verschont zu bleiben: wenn mir nämlich nicht genügend Zwiebeln den Winter über erhalten bleiben, kann ich im kommenden Jahr die Samenproduktion und die damit verbundene Vermehrung und Erhaltung der Zwiebelsorten Höri Bülle, Morawanka, Frühe Blassrote, Holländische Plattrunde Dunkelrote, Pogarskij Mestnyj Ulucsenny, Yellow Sweet Spanish, Red Wethersfield und Southport White Globe vergessen.

Das wäre sehr traurig; denn immerhin haben von allen Sorten genügend Exemplare einen Umfang erreicht, der zu der Hoffnung berechtigt, dass sie im kommenden Jahr einen Blütenstand ausbilden werden.

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Alle meine Zwiebeln, frisch geerntet und sortiert

Die nachfolgende Galerie zeigt alle meine diesjährigen Zwiebelsorten, getrennt in die zukünftigen Saatzwiebeln und den Rest, der Speisezwecken dienen wird.

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Ausgewählte Zwiebeln aus selbst gewonnenen Samen, die im kommenden Jahr wieder gemeinsam blühen sollen