Tomatenerntefest

Der Höhepunkt des Gartenjahres ist erreicht: die Tomatenernte. Am letzten Samstag, dem 23. August,  haben mich ein paar Gäste dabei unterstützt und die notwendige Geschmacksprobe mit mir vorgenommen.
Ich danke von hier aus nochmals allen, die dabei waren!

Nach dem schwierigen Start haben sich die Tomaten in Folientunnel und Gewächshaus glänzend entwickelt; die Braunfäule hielt sich in engen Grenzen – und die Blätter, die von ihr infiziert wurden, habe ich rigoros weggeschnitten. Ob diese Maßnahme hilfreich war und die Ausbreitung verhindert hat, werden die nächsten Jahre zeigen müssen. Dazu muss ich allerdings wiederum den gesamten Sommer vor Ort sein – so wie in diesem Jahr von Anfang Juli bis Ende August; denn wenn ich nur am Wochenende oder gar nach einer längeren Urlaubsabwesenheit die befallenen Pflanzenteile entfernen könnte, würde der Pilz möglicherweise schon bis zur Hauptachse der Tomatenpflanzen vorgewachsen sein und sie somit unweigerlich zum Absterben bringen.

Alle Tomatensorten, die ich ausgepflanzt hatte, haben zahlreiche Früchte angesetzt, die am letzten Wochenende auch schon in genügender Zahl ausgereift waren, um eine Kostprobe davon zu erhalten; außerdem blieb die Braunfäule außerhalb des Tunnels.

Der Folientunnel mit den zu beerntenden Tomatenpflanzen
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Der Folientunnel mit den zu beerntenden Tomatenpflanzen (im Vordergrund drei Paprikapflanzen)

Jeder Gast bekam also den Auftrag, bestimmte Pflanzen ausfindig zu machen und diese um ihre schönsten Früchte zu erleichtern.

Insgesamt 24 Sorten waren im Test.

SuperEo – die dereinst von mir im Bio-Supermarkt EO entdeckte, schnittfeste, normal große, rote Salattomate; eigene Nachzucht
Lungi di Rotunde – eine schöne, runde Fleischtomate, die ich als Jungpflanze gekauft habe
Bulgarski – eine schöne, recht große, lange Flaschentomate, die ich ebenfalls als Jungpflanze erworben habe (laut Tomatenatlas sollte sie anders heißen)
Gazaleh – eine feste, rote, etwas zugespitzte, teilweise größere Tomate, die iranischer Herkunft sein soll; als Samen gekauft
Costoluto di Parma, Costoluto Fiorentino, Costoluto Genovese – stark gerippte, flache, relativ große Tomaten; als Samen gekauft
Quedlinburger Frühe Liebe, Tamina – kleinere, rote, früh reifende Tomaten, beide als Jungpflanzen zu mir gekommen
Fiascetto – kleine, rote Flaschentomate; als Samen gekauft
Berner Rose – rosa-rote, leicht platzende, zumeist normal große Tomate, die aber auch größere, unförmige Exemplare hervorbringen kann; eigene Nachzucht
Boars Hoof – sehr hellrosa, große, runde Fleischtomate; eigene Nachzucht
Pomidor Schouty (an deutsche Aussprache angepasst; original: Pomidor żółty) – gelbe Tomate (ist einfach die Übersetzung der polnischen Bezeichnung; sie stammt nämlich aus Polen) in unterschiedlicher Größe (von normal bis fleischtomatenmäßig); als Jungpflanze gekauft sowie als Samen einer gekauften Tomate entnommen
Cuore di Bue (Ochsenherz) – zugespitzte, teilweise sehr große, dunkel rosarote Fleischtomate; als Samen gekauft
Nonna Antonina – mächtig große (um nicht zu sagen: riesige), plattrunde, rote Fleischtomate; Geschenk von Manuel aus Berlin (aus Italien eingewandert)
Pantano – relativ große, rote, plattrunde Tomate mit gelbem Kragen; als Samen erworben
Green Zebra – grüne, normal große Salattomate mit gelber Flammung; eigene Nachzucht
Principe Borghese – kleinere, runde, rote Tomate; als Samen gekauft
Black Seaman – braunrote, große Fleischtomate mit grünem Kragen; als Pflanze gekauft sowie eigene Nachzucht
Züricher Original – leicht gerippte, flache, runde, etwas kleinere Fleischtomate; als Samen gekauft
Paul Robeson – relativ große, braunrote Fleischtomate; als Samen aus Kanada bezogen
Kroatisches Ochsenherz – spitz zulaufende, teilweise beeindruckend große, rote Fleischtomate, die ich in sehr viel kleinerer Ausgabe vor Jahren in Zadar auf dem Markt erstanden hatte; sie hatte sich zufällig in einem Anzuchttopf ausgesät
Longkeeper – leicht eiförmige Tomate, die ich im Schaugarten von Criewen erworben habe
Cocktailtomate unbekannten Namens – die Nachzucht einer kleinen grünen Tomate, die ich vor Jahren in Waren/Müritz auf dem Markt erstanden habe; sie ist mittelgroß, leicht eiformig und nicht samenfest

Zwei Tomatensorten fehlten beim Verkosten (die erste war schon abgeerntet, die zweite noch nicht genussreif):
Carrot Like – Buschtomate mit zahlreichen, orange-roten Fleischtomaten (unglaublich, wie viel so ein kleiner Busch tragen kann!); als Jungpflanze in Criewen gekauft
Cherokee Purple – große, rosa-beige Fleischtomate; als Samen aus Kanada importiert

Und der absolute Gewinner war?

Sonderbehandlung der Gewinnertomate
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Gewinner werden besonders behandelt

Paul Robeson.
Ich möchte hier eine wichtige Anmerkung einfügen (für alle die, die vielleicht auf die Idee kommen, diese Tomate anzubauen): der Gewinner ist die amerikanische Variante dieser Sorte! In Europa zirkuliert ebenfalls eine Sorte unter diesem Namen; sie scheint aber irgendwann mit Black Ethopian verwechselt worden zu sein; deshalb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man eine taube Nuss aufzieht, die in der Geschmacksprobe jämmerlich durchfällt, wenn man das Saatgut hierzulande kauft.

Gefolgt wurde Paul Robeson von Green Zebra, Berner Rose, Pomidor Schouty und SuperEo. Auch Boars Hoof, Black Seaman, Tamina und Quedlinburger Frühe Liebe erhielten noch positive Bewertungen; aber der gesamte Rest bekam kein geschmackliches Gütesiegel (und ist fürderhin vom Anbau ausgeschlossen).

Ich muss gestehen, dass ich mir von den italienischen Neuerwerbungen, den Costolutos, Pantano, Principe Borghese und Fiascetto mehr versprochen hatte. Auch an Züricher Original und Gazaleh hatte ich höhere Erwartungen.
Nun ja, einen gewissen Einfluss werden auch Klima und Boden haben – und die sind im Zützener Winkel nun mal nicht toskanisch; aber ich brauche Tomaten, die bei mir Geschmack erzeugen – und nicht in Italien oder Iran.

Fazit: das gemeinsame Probieren war super und die Übereinstimmung doch relativ groß.

Erste Ernte, vorbereitet für den Transport nach Berlin
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Erste Ernte, vorbereitet für den Transport nach Berlin

Das Beisammensein klang in gemütlicher Runde um ein Feuer aus, auf dem ein Kesselgulasch mit vielen Zutaten aus dem Garten sowie noch mehr guten Vorschlägen der Umsitzenden garte. Roland, der Chefkoch, hatte alle Mühe, trotzdem einen einzigartigen, hervorragenden Geschmack zu erzeugen.

Kessel mit Gartenfrüchten und ein wenig Fleisch
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Kessel mit Gartenfrüchten und ein wenig Fleisch

Meine Liebste ist leider auf keinem Bild zu sehen, das vom Fest aufgenommen wurde; aber so ist das, wenn man ständig unterwegs und beschäftigt sein muss, um all das zum Gelingen des Festes beizutragen, das ich nicht vorbereitet hatte.

Der geheime Kreis um die Feuerstelle (ohne meine Frau und mich)
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Der geheime Kreis um die Feuerstelle (ohne meine Frau und mich)

Am Morgen war sie wenigstens noch als Spiegelbild vorhanden.

Frühstück in Wonne und Sonne am Morgen des Erntefests
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Frühstück in der Sonne am Morgen des Erntefests (mit Stieftochter Nina)

Am Ende beklagte sie, dass ich sie während des Festes zu wenig beachtet habe. Ihr Fehlen auf den Bildern nahm sie dafür als Beweis.
Das war ein Wermuthstropfen.

Mal sehen, ob auch das im nächsten Jahr besser zu machen ist.

P.S.
Es gibt Erfreuliches zu ergänzen: Die mangelnde Beachtung kann ich zwar erst im nächsten Jahr wettmachen, aber das Fehlen meiner Besten auf den vorliegenden Bildern schon heute; die liebe Martina hat im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt und mir etwas verspätet das Ergebnis zukommen lassen.

Rauchbelästigt, aber neben mir!
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Rauchbelästigt, aber neben mir!