Meine Hauptfrucht: Erdbeeren

Neben Tomaten waren Erdbeeren schon immer eine Leidenschaft von mir – im Anbau – im Gegensatz zu meiner lieben Frau, die diese Frucht besonders gerne ISST. Ich esse zwar auch gerne Erdbeeren, aber das ist nicht der wahre Grund, warum sie eine Vorrangstellung auf meinen Anbauflächen genießen (nein, leider auch nicht, weil ich meine Frau so liebe und ihr besonders viel Freude machen will, wie mancher vielleicht denken mag).

Ich muss dazu sagen, dass der Sinn und Zweck meiner gartenbaulichen Bemühungen ganz allgemein nur nachgeordnet darin besteht, das gewachsene Erntegut auch genussvoll zu verzehren; einen viel größeren Genuss bereitet mir das Sammeln und das Kreuzen meiner Pflanzen.

So ziehe ich sehr gerne Pflanzen aus Samen von Früchten, die ich selbst gegessen habe, oder die in meiner Obhut Samen gebildet haben.
Ich finde es nämlich unheimlich spannend zu erfahren, was dabei herauskommt.

Besonders lohnenswerte Objekte sind in dieser Hinsicht Pflanzen, die normalerweise vegetativ (also durch Teile/n einer erwachsenen Pflanze) vermehrt werden, wie z. B. Kartoffeln oder eben Erdbeeren (aber auch alle anderen Obstsorten, die durch Pfropfen „veredelt“ werden: Kirschen, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pfirsiche, Johannis-, Stachel-, Him- und Brombeeren usw.).

Jede Pflanze, die aus einem Samen dieser Sorten entsteht, ist dann eine „neue Sorte“; man kann sie anschließend vegetativ vermehren und erhält unzählige Pflanzen mit demselben Erbgut, mit den exakt gleichen Eigenschaften.

So habe ich mittlerweile nicht nur alle möglichen, mir verfügbaren Erdbeer“sorten“ im Garten versammelt, sondern auch Samen von zwei Erdbeesorten ausgesät, die 2013 seltsamerweise einmal mit ihrem Sortennamen im Supermarkt ausgezeichnet waren: Kamila und Camarosa; außerdem habe ich eine ganze Reihe von Erdbeerpflänzchen aufgepäppelt, die sich irgendwo im Garten selbst ausgesät hatten (oder haben das die Schnecken getan?)

Im Garten gesammelte Erdbeerpflanzen

Im Garten gesammelte Erdbeerpflanzen (2013)

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Meine Erdbeeren (Korona, Mieze Schindler, Senga Sengana, Polka, Königin Luise u. a.) im Frühsommer 2013

Eine dieser Unbekannten hatte im letzten Jahr schon ein gewisses eigenes, mir zusagendes Aroma (die damalige Freundin meines großen Sohnes fand es allerdings zu intensiv). In diesem Jahr wird hoffentlich eine größere Zahl neuer „Sorten“ den Geschmackstest über sich ergehen lassen müssen – der dann über ihr Wohl oder Wehe entscheidet (ja, ich werde streng sein!)

Ich bin allerdings aber auch höchst gespannt, wie die zahlreichen „alten“ Sorten schmecken, die ich mir bisher beschaffen konnte, Sorten, die schon einmal viele Leute überzeugt haben, dann aber den schon öfter erwähnten, neuartigen Wirtschaftsbedingungen weichen mussten, Wirtschaftsbedingungen, die Transport- und Lagerfähigkeit, Aussehen, Resistenz gegen Krankheiten u. ä. einfordern, dem Geschmack aber über lange Zeit nur eine nachgeordnete Bedeutung zuschrieben.

Meine „Königin Luise“ (”Köningen Louise” auf Dänisch) z. B., eine Sorte von 1905, hat bisher alle überzeugt, die sie probieren durften. Ich habe es erst letztes Jahr geschafft, ihren Namen in Erfahrung zu bringen, obwohl ich sie schon seit 2008 vermehre: ich hatte mir damals im Urlaub in Dänemark zwei Ableger aus einer Museumsanlage angeeignet, in der sie Teil eines stilecht angelegten Lehrergartens vom Ende des 19. Jahrhunderts waren.

„Königin Luise“ übertraf 2013 geschmacklich sogar meine beste „moderne“ Sorte, „Polka“.

„Senga Sengana“, „Wunder von Peenemünde“ oder „Elsanta“ fallen gegen diese beiden deutlich ab; auch „Korona“ oder eine Sorte, die ich vor ca. 15 Jahren auf einer verwilderten Obstplantage in Polen mit kleinen, aber zuckersüßen Früchten fand und seitdem unter allen Umständen erhalte, sind von „Polka“ noch etwas entfernt (aber besser als die anderen, schon genannten).
„Mieze Schindler“ will ich gar nicht in den Vergleich einbeziehen, die spielt in einer anderen Liga; ich würde sogar soweit gehen, sie nicht einmal als Erdbeere zu bezeichnen: sie ist viel süßer, säure-ärmer und weicher als alle „gewohnten“ Erdbeeren.

Nun warte ich mit Spannung auf die erste Ernte der alten Sorten „Marieva Macherauch“, „Russe Gigante“, „Laxton’s Noble“ und „Deutsch Evern“,  der alten DDR-Sorten „Havelland“, Fratina“ und „Fracunda“ sowie der Sorten „Tenira“ (Niederlande) und „Wädenswil 6“ (Schweiz), „Blanc Reine“ (Frankreich); aber auch die neue Sorte Petrina, von der ich im Sommer 2013 in Berlin in einem Blumenladen vier Pflanzen erstand, lässt mich erwartungsvoll fiebern.

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Meine große Wiese (links hinten das geplante Erdbeererweiterungsgebiet im Sommer 2013)

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Die Anbaufläche von Erdbeeren wird auf Kosten der Wiese ausgedehnt (Spätsommer 2013)

Die neue Erdbeerkultur Ende Mai 2014; erste Erdbeeren leuchten schon rot
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Die neue Erdbeerkultur Ende Mai 2014; erste Erdbeeren leuchten schon rot

Mein endgültiger Anbauplan sieht auch für Erdbeeren 10 Sorten vor, die meinen geschmacklichen Vorstellungen entsprechen, und dann von jeder Sorte 10 Pflanzen, insgesamt also 100 Erdbeerpflanzen.
Ist das zuviel?

Ich fürchte jedoch, dass dieses Ziel durch meine Sammel- und Probierwut auf Dauer unterminiert wird; aber mein Gartenbau soll ja vor allen Dingen Spaß machen – ein Plätzchen zum Sitzen und auch Liegen (für meine Liebste) wird schon noch frei bleiben – sicher.