Kürbis, Kürbis über alles

Das Bild oben inspirierte mich spontan zum Titel dieses Beitrags. Natürlich müsste es richtig „über allem“ heißen; aber die Assoziation zur 1. Strophe des Deutschlandliedes war einfach zu verlockend, vor allem, weil ich damit die Gelegenheit nutzen kann, noch etwas zu diesem Thema loszuwerden.

Ich plädiere für die sofortige Abschaffung dieses Liedes als Nationalhymne und für ihre Einlagerung in die Mottenkiste der Geschichte und zwar aus folgenden Gründen: Ich mag grundsätzlich weder einheitliche Nationalstaaten noch übertriebenes Pathos.

Kürbis Nr. 1 am 3. Mai
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Kürbis Nr. 1 am 3. Mai

Die 1. Strophe kann – auch wenn sie z. Z. nicht gesungen wird – fehlinterpretiert und für Herrschaftszwecke missbraucht werden, wie die Nutzung dieser Strophe durch die Nazis gezeigt hat: ein subjektives, individuelles, persönlich über allem stehendes Ziel, Deutschlands Einheit, das in dem Lied besungen wird, wird in den verabsolutierten Überlegenheitsanspruch umgedeutet, Deutschland stehe über allen anderen Ländern, sei besser als diese, sei berechtigt, diese zu beherrschen.
Mal davon abgesehen, würde diese Strophe heute neue Expansionswünsche ausdrücken, da der deutsche Sprachraum nicht mehr von Maas, Memel, Etsch und Belt begrenzt wird (so er das denn jemals wurde).

Die 2. Strophe ist grässlich frauenfeindlich; sie stellt allein die Sicht der Männer dar. Frauen werden in eine Reihe mit Treue, Wein und Gesang gestellt, die (doch wohl ausschließlich Männer!) „zu edler Tat begeistern“ sollen (Hab ich recht, meine Liebste?).

Kürbispflanze Nr. 2 am 3. Mai
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Kürbispflanze Nr. 2 am 3. Mai

Die 3. Strophe fordert „Einigkeit und Recht und Freiheit“ nicht für die Menschen, sondern für das abstrakte „deutsche Vaterland“. Diese allgemeinen, unklaren Begriffe kann jeder mit seinem Inhalt füllen, was für die Zukunft neuen Missbrauch möglich macht (man möge nur mal nachschauen, wie oft die Nationalsozialisten das Wort „Freiheit“ im Munde führten).

Ein weiterer Grund lässt das Lied für mich unsinnig erscheinen: es wurde zu einer Zeit geschrieben, als „Deutschland“ aus vielen Einzelstaaten bestand; das Lied sollte vor allem den Wunsch nach staatlicher Einheit ausdrücken. Ein solcher Wunsch nach Einheit ist heute obsolet (es gibt einen deutschen Einheitsstaat).

Der Kaninchenstall wird endlich abgebaut (25. April)
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Der Kaninchenstall wird endlich abgebaut (25. April)

Einheit ist außerdem (im Lied wird zwar nur von „Einigkeit“ gesprochen, was nicht unbedingt Einheit bedeutet; es zeigt aber wieder den möglichen Deutungsspielraum sowie die jeweils gewünschte Zielrichtung einer Interpretation), wie die Geschichte gezeigt hat, auch nicht unbedingt erstrebenswert, zumindest nicht aus der Sicht des Einzelmenschen. Aus Sicht von großen Unternehmen und von herrschenden Politikern sicher schon; auch die Einheit Europas bringt nur diesen Kreisen Vorteile: in einem größeren Markt verkaufen und im Konzert der „Großen“ eine Geige spielen können.

Wenn schon eine Hymne, dann die der DDR: Auferstanden aus Ruinen; aber noch besser: ein neues Lied.

Genug abgeschweift ins Theoretische, Abstrakte, Ideologische, zurück zum Praktischen, Realen, Nahrhaften, zu meinen Kürbissen und meinen Kürbisgewächsen Zuckini und Gurke.

Kürbis

Den ersten Teil ihres Lebens, der bis zu ihrer Freisetzung auf dem ehemaligen Kompostplatz am 18. Mai reicht, könnt Ihr in „Vorsprung durch Technik“ nachlesen.

Kompostplatz am 16. Mai, kurz vor der Räumung und Bepflanzung mit Kürbisgewächsen
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Kompostplatz am 16. Mai, kurz vor der Räumung und der Bepflanzung mit Kürbisgewächsen

Es dauert zwar wieder eine Weile (genauer gesagt vom 18. Mai bis Ende Juni), bis meine Kürbispflanzen von der Masse her keine Vernichtung durch Schneckenfraßlust mehr zu befürchten haben (diese Furcht lebt natürlich nur in mir); aber dann werden sie nicht einmal mehr durch Hitzewellen gehemmt: die beiden Pflanzen wuchern und wuchern und wuchern, überziehen Hecken und Brombeeren, bilden Panzerbeere auf Panzerbeere und machen mir überhaupt keine Arbeit mehr (sie ganz zu Anfang zwei Mal zu wässern, möchte ich nicht unter „Arbeit“ verbuchen).

Der Zaun, der eigentlich für die Gurken stehen geblieben war…
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Der Zaun, der eigentlich für die Gurken stehen geblieben war…

…wurde zweien von ihnen zum Verhängnis.
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…wurde zweien von ihnen zum Verhängnis.

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Erst später, wenn es gilt, sämtliche 25 Beeren ins Auto zu laden und in den 4. Stock unseres Berliner Heims zu schleppen, kann man wieder von Arbeit sprechen. Dem Himmel-sei-Dank hat einen großen Teil davon meine Familie geleistet.

Fast alle Kürbisse sind geerntet (12. September)
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Fast alle Kürbisse sind geerntet (12. September)

Insgesamt haben die beiden Pflanzen 30 Kürbisse geliefert. Für Hokkaido-Kürbisse waren sie eigentlich zu groß – oder heißen die kleinen Kürbisse „Kuri“?

Kürbis- und Gurkenbeet abgeerntet und von Folie befreit (23. September)
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Kürbis- und Gurkenbeet abgeerntet und von Folie befreit (23. September)

Jungspund von Kürbis
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Jungspund von Kürbis (20. Juli)

Als ich zu Anfang die jungen, grünlichen Kürbisse der einen Pflanze sah (beide Pflanzen hatte ich aus eigenen Samen gezogen), dachte ich, diese Pflanze sei im Vorjahr aus der Vereinigung mit einer Zuckini entstanden und würde womöglich merkwürdige Mischlinge entstehen lassen; aber sie entwickelten sich dann ganz normal weiter, wurden erst gelb und zum Schluss tief orange. Sie waren bald nicht mehr von den gelb startenden Früchtchen zu unterscheiden.

Zuckini (Zucchini)

Mit den drei Zuckini-Pflanzen sah es nicht anders aus: reiche Ernte bei minimalem Arbeitseinsatz.

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Striato d’Italia (links) und Black Beauty (rechts) am 25. Mai

Hier erst einmal eine Übersicht über „Black Beauty“:

Die Galerie der „Striato d’Italia“:

Sogar die arme Cocozelle di Tripolis, die ich mitten unter die munter austreibenden Kartoffeln vom letzten Jahr gesetzt hatte, brachte die eine oder andere Zuckini auf den Teller.

Doch grundsätzlich würde ich von dieser Vorgehensweise abraten, wenn man die Ausbeute an Zuckini bevorzugt; sie können sich erst richtig entwickeln, wenn die Kartoffeln das Feld räumen – und das war bei mir erst Ende Juli der Fall – und Ende August breitet sich dann der Mehltau schon gehörig aus, der den Pflanzen das Leben schwer macht.

Cocozelle und Kartoffeln am 16. August
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Cocozelle und Kartoffeln am 16. August

Trotzdem hat erst der Frost Anfang Oktober die Zuckini-Saison endgültig beendet.

Von Striato d’Italia sowie Black Beauty wollte ich in diesem Jahr Samen gewinnen und ließ deshalb jeweils eine Frucht Übergröße erreichen; sie bilden mein Samenlager. Von Cocozelle di Tripolis habe ich noch genügend Samen vom letzten Jahr. Alle drei Sorten werden nun ein Jahr pausieren und sich als Saatgut ausruhen dürfen. Dann werde ich sie wieder aussäen und mit Spannung abwarten, ob die Pflanzen zwecks Samenbildung sexuell miteinander verkehrt haben und wenn ja, was aus ihrer Mischung geworden ist.

Vergiftung durch Zucchini

Mit einem Aufreger für Gärtner, den es in diesem Jahr Ende August gab, will ich mich zum Schluss noch kurz beschäftigen: Schlagzeilen wie „Selbstgezüchtete Zucchini tötet Gärtner“, „Tödliches Gartengemüse: Rentner stirbt an Zucchini-Vergiftung“, „Mann stirbt an Garten-Zucchini“ oder „Vergiftet: Rentner (79) stirbt an Killer-Zucchini“ machten in Online-Medien und Tageszeitungen die Runde und verunsicherten viele Menschen.

Da der Mann anscheinend an einer Zuckini gestorben war, die ein Nachbar aus eigenem Saatgut gezogen hatte, wurde immer wieder der dringende Rat gegeben, auf keinen Fall Samen aus selbst gezogenen Zuckinis (und Kürbissen) zu verwenden. Rückmutationen unter Stress (Hitzestress z. B.) sowie Rückkreuzungen könnten den Giftstoff Cucurbitacin in den Früchten aus eigenem Saatgut entstehen lassen.

Da freut sich der professionelle Samenproduzent- und händler!

Ich aber sage: Bullshit! Falls es so etwas wie „Rückmutationen unter Stress“ überhaupt gibt, sollten diese bei allen Kürbisgewächsen auftreten können, die Herkunft des Saatguts spielt dabei keine Rolle.

Schweres Kaliber einer "Black Beauty" (17. August)
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Schweres Kaliber einer „Black Beauty“ mit „giftigen“ Samen? (17. August)

Die Gefahr einer Kreuzung (Rück-kreuzung ist Quatsch) von Zuckini bzw. Esskürbissen mit Zierkürbissen besteht allerdings tatsächlich im Kleingartenbereich. Zierkürbisse enthalten in vielen Fällen den Giftstoff Cucurbitacin, der bei diesen nicht herausgezüchtet wurde (so wie bei den essbaren Kürbisgewächsen). Damit es aber zu einer Kreuzung kommen kann, müssen in der näheren Umgebung (300 – 500 m) um die essbaren Kürbisgewächse herum Zierkürbisse wachsen. Nur wenn eine derartige Kreuzung stattgefunden hat, sind die Samen der dabei entstehenden Früchte bedenklich. Sät man diese aus, können die Pflanzen, die dann entstehen, in ihren Früchten den Giftstoff enthalten.

Diese Situation ist möglich. Wer also Zierkürbisse in Nachbars Garten entdeckt oder besonders ängstlich ist und auf Nummer Sicher gehen will, der verwendet natürlich kein eigenes Saatgut, obwohl er immer auch die folgende Möglichkeit hat:
Das Gift ist nämlch keinesfalls heimtückisch, es macht sich durch seinen Geschmack deutlich bemerkbar. Wenn also einmal ein Kürbis oder eine Zucchini eindeutig bitter schmecken sollte, dann sollte sie auf keinen Fall gegessen werden! Ein, zwei Gabeln voll zu essen ist nicht gefährlich!

Ich werde auf jeden Fall weiterhin Saatgut aus meinen eigenen Früchten verwenden.

Gurke

Zum Schluss noch ein paar Worte und Bilder zur kleinsten Frucht der Familie, den Gurken.

Vier Pflanzen der Sorte „Vorgebirgstraube“, die ich aus im letzten Jahr selbst gewonnenen Samen vorgezogen hatte, waren am 18. Mai dem Freilandleben ausgesetzt worden. Ich setzte sie einfach mitten in ein grasiges Stück Land, das ich in diesem Jahr in eine Anbaufläche umwidmen wollte.

Den bis dahin im Wege stehenden Kaninchenstall (siehe Bild oben) hatte ich mit Hilfe meines großen Sohnes noch kurzfristig beseitigen können, aber an eine anständige Beetvorbereitung war nicht mehr zu denken gewesen. Ich ersetzte also das Umgraben durch einen Überzug aus schwarzer Baufolie. Sowas hatte ich in Büchern oder im Fernsehen schon einmal gesehen; dort diente es allerdings dazu, neues „Un“kraut niederzuhalten und nicht dazu, einen dichten Bodenbewuchs niederzumachen.

Über den vier Löchern, die ich für die Gurkenpflänzchen gegraben hatte, machte ich einen Kreuzschlitz in die Folie. Mit Geduld und Spucke konnte ich die Gurkensetzlinge jeweils hindurchfädeln und in die Erde einbringen. Am Ende sah das dann alles sehr schön aus.

Die Gurken sehen picobello aus am 18. Mai
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Die Gurken sehen picobello aus am 18. Mai

Einen Monat später aber leider nicht mehr. Unter der Folie sowie an ihren Rändern, in den üppigen Stockrosen, hatten die Schnecken eine Anzahl an Verstecken, von denen aus sie meine Gurken heimsuchten; zwei Gurkenpflanzen überlebten das nicht.

Das ganze Elend des Gartenlebens (13. Juni)
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Das ganze Elend des Gartenlebens (13. Juni)

Letztlich entwickelte sich nur eine Pflanze zufriedenstellend. Die nah an den Kürbissen stehende gab auch schon frühzeitig den Überlebenskampf auf, ohne mir ihre Gründe zu nennen.
Den Zaun nutzten sie auch nicht so, wie ich mir das erhofft hatte; ich musste sie beinahe zwingen, an ihm hochzuklettern, indem ich einzelne Triebe mit ihm verflocht.

Auf den Galeriebildern kann man sehr schön die Ausbreitung des Mehltaus verfolgen: am 25. Juli erkennt man im Zentrum, bei den ältesten Blättern, schon erste Befallserscheinungen; einen Monat später ist es um die gesamte Pflanze geschehen.

Trotzdem: ca. 10 Gläser Gewürzgurken habe ich herstellen können. Die meisten davon habe ich in dieser Saison eingekocht, d. h., ich habe die Gläser nach der Zubereitung noch 20 Minuten in einem Topf mit kochendem Wasser stehen lassen; von der Ernte des letzten Jahres war nämlich ein Glas schlecht geworden.

Gurke und Gurkenblüten am 4. August
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Gurke und Gurkenblüten am 4. August

Gurkenpflücker bei der Arbeit am 9. August
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Gurkenpflücker bei der Arbeit am 9. August

Ergebnis eines Pflückdurchgangs (27. Juli)
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Ergebnis eines Pflückdurchgangs (27. Juli)