Gärtenrundschau

Nun betreibe ich nicht nur Gartenbau und Nabelschau, sondern schaue hin und wieder auch mal über die Gartenzäune rund herum in der Nachbarn Gärten, um zu sehen, was dort so getrieben wird. Und wenn ich Zugriff auf das weltweite Netz habe, das Netzwerk der Gartenblogs, dann nutze ich auch hier gerne die Gelegenheit, einen Blick in die Gärten von Kolleg*innen zu werfen.

Einige dieser „Einblicke“ gefallen mir so gut, dass ich ihre virtuellen Adressen gerne aufsuche und auch weiterempfehlen möchte. Andere hingegen lösen in mir zwiespältige Gefühle aus, weil sie offenbar ausschließlich aus Gewinnsucht zugänglich gemacht werden. Leider scheinen mir gerade diese mit den gewinn-orientierten Suchmaschinen im Bunde; aber auch von dieser Sorte sollen einige mit einer Besprechung bedacht werden.

Nun will ich nicht nur eine einfache Linkliste anfügen, sondern jedes Blog (und seine*n Betreiber*in) kurz vorstellen, d. h. ich werde über jedes eine kleine Rezension verfassen (eine Rezension ist laut Wikipedia die veröffentlichte Form einer Kritik, die beschreibt, analysiert und bewertet).

Selbstversorgung für Faulpelze?

Ich habe eine neue „Number One“!

Ralf ist ein paar Plätze abgesackt. Nein, nicht wegen seines Fokus‘ auf die Selbstversorgung; aber mit der Zeit habe ich mich doch an diesem und jenem gestört!

Außerdem habe ich, nachdem ich mich mal ein wenig auf anderen Blogs herumgetrieben habe, andere schreibende und filmende Gärtner*innen kennengelernt, die meiner Art zu denken, zu schreiben und zu gärtnern noch näher stehen.

Und zu denen gehört Krabunda. Ich habe ihren Blog von vorne bis hinten gelesen (oder besser: von hinten nach vorn). Jeder Beitrag war ein Vergnügen; ihre Art zu schreiben, zu berichten, zu erzählen, gefällt mir einfach.

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Selbstversorgung für Faulpelze? Nein, für Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse noch spüren und auf diese hören!

Möglicherweise ist es auch ihre Bescheidenheit und Zurückhaltung, die mir gefällt.

Krabunda macht überhaupt keine Anstalten, eine Botschaft zu verbreiten. Ihr reicht es, ihre Bemühungen darzustellen, sie aufzuschreiben. Sie möchte niemanden belehren oder überzeugen.

Sie lässt ihren Besucher einfach nur zuschauen, was sie macht: „…der Blog ist für mich ein Tagebuch, eine Erinnerung an den üppigen Sommer, ein Ansporn, im nächsten Jahr noch mehr im Garten zu schaffen. Und neben der Entwicklung meines Gartens sehe ich auch meine eigene Entwicklung.“

Wenn sie insgeheim hofft, dass ein Freund, der bestenfalls Rasen mäht, durch ihre Berichte vielleicht doch noch Spaß am Gemüsebau findet, ist dies das Maximum der Gefühle – wenn der Freund nun nicht überzeugt ist, ich bin es…

Wer Zeit und Lust hat, an einem Gartenzaun stehen zu bleiben und jemandem stundenlang bei der Arbeit zuzusehen, ohne sich unterhalten zu wollen, ja, fast ohne bemerkt zu werden, der ist bei Krabunda richtig.

Auch wenn ich ihr maximalen Erfolg wünsche und dass alle ihre Pläne, Träume und Wünsche sich erfüllen, so muss ich doch gestehen, dass ich ganz tief in mir drin ein klein wenig hoffe, dass ihr das Vorhaben, in diesem Jahr 26 Beiträge zu schreiben, nicht gelingen möge– denn wenn ich ihr stundenlang gebannt zuschaue, was passiert dann mit meinen eigenen, zahlreichen Plänen?

Es werden sich hoffentlich mit der Zeit genügend Leute finden, die sich neben mich stellen und ebenfalls zuschauen, so dass ich mich leise davonschleichen kann… Krabunda, wird’s nicht bemerken, sie rackert und ackert und schreibt…

Weiter so…

Neulich im Garten

Den Anfang mache ich mit meinem (bisherigen) Lieblingsblog (und wie mir scheint, auch dem vieler anderer): Neulich im Garten von Ralf Roesberger aus Rommerskirchen, nordwestlich von Köln. Ich erwähne Köln, weil Ralf nämlich vor allem einen Video-Kanal auf Youtube betreibt, in dem er seine Erfahrungen in lockerer Mundart kundtut; da ich selbst mütterlicherseits aus dem Rheinland stamme, klingt mir Ralfs Dialekt sehr angenehm in den Ohren.

Ralfs Gartenbau unterscheidet sich von meiner Art wohl nur in wenigen Dingen: er hat seinen Garten in der Nähe des Hauses, pflegt ihn Vollzeit, zielt auf Selbstversorgung, probiert mehr Neues aus, lässt die Erdklumpen etwas gröber und dem „Unkraut“ mehr Raum als ich; aber sonst: ganz nach meinem Geschmack!

Screenshot von neulichimgarten.de/blog/ (20. Juli 2016)
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Screenshot von neulichimgarten.de/blog/ (20. Juli 2016)

„Habe mir bislang erst ein, zwei “Playlists” angeschaut und viel gelacht – über rheinisch-trockenen Humor und direktes Reden ohne Schnörkel.
Ja – ich gehöre tatsächlich zu denen, die einem Mann beim Pflücken von Beeren im Internet zusehen… vermutlich, weil die Freude dieses Mannes an seinem Tun gut rüberkommt.“

Diesem Kommentar von Sati kann ich nichts mehr hinzufügen, außer ein wenig Verwunderung:

Patrick aus Sachsen fragt: „Es ist schon eine Leistung, Berufsleben und so ein Vorhaben bzw. Lebenstil unter einen Hut zu bringen. Die Tiere versorgen, den Garten bewirtschaften und “nebenbei” noch 40 Stunden arbeiten gehen. Mich würde interessieren, wie ihr das hinbekommt?“

Ralf antwortet: „Nein, ich arbeite nicht mehr. Nur meine Frau geht Vollzeit arbeiten. Nebenbei waere es in der Intensitaet auch nicht machbar. Dafuer habe ich aber Haushalt und Kinder, die nicht weniger zeitaufwendig sind. Nur kann ich mir die Zeit oft frei einteilen.“

Ich stelle verwundert fest: Komisch, wie tief die Haltung verwurzelt ist, Haus- und Gartenarbeit sowie Kinderbetreuung (allgemeiner formuliert: unbezahlte Tätigkeiten) seien keine Arbeit!

So ein Garten macht jede Menge Arbeit! Aber wenn man Spaß am Ergebnis einer Arbeit hat, dann kann man leicht auf den Gedanken verfallen, man habe nur Spaß gehabt und nicht gearbeitet. Dem ist aber keineswegs so, wie sicherlich viele besonders gut bezahlte Menschen mit „verantwortungsvollen“ Tätigkeiten bestätigen können!

Ich vermute, dass auch Ralf für seine „Internet-Arbeit“ finanziell ein wenig entlohnt wird durch die zahlreiche Werbung auf seiner Seite (ich hoffe es zumindest); auch die eingesparten Kosten für das selbst erzeugte und verzehrte Obst- und Gemüse könnte er als Einnahme verbuchen.

Damit wäre selbst der vorherrschenden Definition von „Arbeit“ = „Erzielung von Einnahmen“ Genüge getan.



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