Feste Feiern

Auch im Jahr 2016 gab es nach der erfolgreichen Anzucht eine üppige Tomatenernte sowie das zugehörige, mittlerweile fest etablierte Fest (in diesem Jahr fand es zum 4. Mal am Ende des Augusts statt): in diesem Beitrag werden sowohl die angebauten Tomatensorten kurz vorgestellt als auch die Gäste. Nebenbei beschreibe ich sehr ausführlich, wie ich die Tomatenpflanzen anbinde bzw. ihnen zu einem aufrechten Wuchs verhelfe.

Ich muss vorwegschicken: irgendwie war ich in diesem Jahr nicht mit ganzem Herzen bei den Tomaten; es könnte sein, dass sie im Moment von anderen Leidenschaften ein wenig in den Hintergrund gedrängt werden. Der Anbau, die Zucht und die Dokumentation von Melonen, Kartoffeln und Zwiebeln hat mich in diesem Jahr mehr bewegt.

Vielleicht werden sie mir auch langsam zu viel; deshalb habe ich für das kommende Jahr die Anzahl der Pflanzen und Sorten stark reduziert – zumindest in meiner vorläufigen Planung.

Vielleicht färbt aber auch ein Problem, dass ich im Frühsommer hatte, meinen diesjährigen Blick auf die Tomaten: den Folientunnel lasse ich jeweils zwei Jahre an derselben Stelle stehen; damit die Tomatenpflanzen aber nicht in beiden Jahren an derselben Stelle wachsen müssen, pflanze ich sie einmal direkt unter die Rundbögen des Tunnelgerüsts – an denen ich sie gut festbinden kann – und einmal genau dazwischen.

Blick in den Folientunnel am 15. April; die Wäscheleinen vom Vorjahr sind noch nicht entfernt
image-3909

Blick in den Folientunnel am 15. April; die Wäscheleinen vom Vorjahr sind noch nicht entfernt

Tomatenpflanzen Halt geben

Um nun zu erklären, was mein Problem war, muss ich möglicherweise an dieser Stelle erst einmal kurz erklären, wie ich den Tomaten überhaupt zu einem senkrecht nach oben gerichteten Wuchs verhelfe; denn ohne Halt würden sie sich nur am Boden ausbreiten können (wie die letztjährige Mini-Tomate „Golden Currant“).

Früher (zu Zeiten meines „Balkongartens“) habe ich neben jede Tomate eine Stange oder einen Stock gesteckt, an die ich den Haupttrieb der Tomatenpflanze in regelmäßigen Zeitabständen festband (die Neben-, Achsel- oder Geiztriebe genannten „Verzweigungen“ werden ausgebrochen und dürfen normalerweise nicht weiterwachsen, so dass nur ein stärkerer Trieb, der Haupttrieb eben, in die Höhe wächst).
Später habe ich mir (billige, d. h. ziemlich dünne) Spiralstäbe gekauft und die Tomaten in die Spirale gewunden und sie damit zu stützen versucht; aber es blieb zu häufig beim Versuch: ab einer gewissen Höhe der Pflanzen und entsprechendem Fruchtbehang kippten die Stäbe oftmals um und beschädigten dabei teilweise auch noch die Folie.

Stangenwald (Juni 2013)
image-3910

Stangenwald (Juni 2013)

Nun hatte ich im Parkgarten in Criewen (und auch schon andernorts) gesehen, dass einfache Wäscheleinen, die über den Pflanzen befestigt waren und neben ihnen herabhingen, vollkommen ausreichten, um den Tomatenpflanzen den nötigen aufrechten Wuchs zu ermöglichen.

Aber was genau ist zu tun, damit die Wäscheleinen den Tomaten in der gewünschten Hinsicht von Nutzen sind? Sie winden sich ja leider nicht von selbst um die neben ihnen hängenden Leinen.

Die wichtigste Maßnahme ist, das untere Ende der Wäscheleine oder Schnur kurz über dem Erdboden locker um den Haupttrieb der Tomate zu binden (locker, damit die Schlaufe beim Dickerwerden des Triebes diesen nicht „erwürgt“). Im Laufe des Jahres wird der Haupttrieb der Tomatenpflanze dann, immer wenn er lang genug geworden ist (also ungefähr wöchentlich), um diese Leine gewunden.

Eine Tomatenpflanze hängt in den Seilen – oder am seidenen Faden?
image-3911

Eine Tomatenpflanze hängt in den Seilen – oder am seidenen Faden?

Und obwohl es kaum zu glauben ist, aber die Pflanzen hängen ganz wunderbar „in den Seilen“ (ich weiß, das ist ein eher negativ gefärbter Begriff aus dem Boxsport)!
Solange die Schnüre/Leinen nicht reißen, können die Pflanzen weder umfallen noch in ungewünschte Richtungen wachsen.

Mit dieser Methode war ich deshalb im letzten Jahr wunschlos glücklich.

Nun aber zurück zu meinem Problem: Da ich die Pflanzen in diesem Jahr zwischen die Rundbögen des Tunnelgerüsts gesetzt hatte, konnte ich die quer verlaufenden Leinen nicht mehr an diesen Bögen befestigen. Ich musste parallel zu den beiden Tunnelaußenseiten eine weitere Leine spannen und zwar über den letztjährigen Querleinen, damit diese Längsleinen nicht herabrutschen konnten. Das war schon mühsam, musste ich doch diese Längsleinen um jede Stange einmal herumwickeln, um ihnen mehr Halt zu geben – was bei einer über 10 Meter langen Leine kein reines Vergnügen war.

Nachdem die Längsleinen nun mühsam verlegt waren, konnte ich zwischen sie jeweils weitere Querleinen spannen, über jeder Pflanzenreihe eine. Leider waren diese Querleinen weiter vom Erdboden entfernt als die Querleinen des letzten Jahres, so dass die Halteleinen für die Pflanzen großteils zu kurz waren (ich wollte natürlich die des letzten Jahres weiterverwenden).

Als ich das Problem kurz vor der „Heimreise“ bemerkte, beschloss ich, die Pflanzen einfach so groß werden zu lassen, bis ich ihnen die Schlaufe bequem um den Haupttrieb legen konnte, und hoffte, dass sie bis dahin genügend eigene Kraft zur aufrechten Haltung beweisen würden; aber Pustekuchen: Eine Woche wäre das wahrscheinlich gut gegangen; doch am folgenden Wochenende wollte mein „kleiner“ Bruder seinen 50. Geburtstag groß feiern – und ich natürlich mit ihm.

Als ich am 11. Juni wieder in den Garten kam, waren nicht nur die Geiztriebe munter gewachsen sondern auch die Haupttriebe; leider waren sie in vielen Fällen nicht mehr von den Nebentrieben zu unterscheiden.

Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, meine 32 Tomatenpflanzen anzuleinen, zu entgeizen (ihnen die Achseltriebe auszubrechen) und in die gewünschte Richtung zu lenken; aber womöglich ist bei mir ein kleines, ungutes Gefühl zurückgeblieben.

Die Längsleinen, die Querleinen, das Wuchern und die liebe Not (11. Juni)
image-3912

Die Längsleinen, die Querleinen, das Wuchern und die liebe Not (11. Juni)

Meine Güte, soviel geschwätzt, jetzt ist der Sommer ja schon fast zu Ende! Die Tomatenernte begann in diesem Jahr zeitig, zum Fest am 20. August waren genügend Früchte ausgereift: hier sind sie!

Anschließen will ich eine kurze Beurteilung der diesjährigen Sorten: außer der wirklich wunderbaren (Cocktail-, Kirsch-)Tomate Vesenij Mieurinskij und der schmackhaften Super-EO konnte keine Sorte eine*n Tester*in aus den Socken hauen: die meisten Sorten waren zwar vom Aussehen und von der Konsistenz her erstklassig, aber geschmacklich eher unauffällig.

Was mir beim diesjährigen Tomatentest allerdings klar (gemacht) wurde: ich muss beim Geschmackstest zukünftig drei Kategorien einführen; denn Cocktail-Tomaten, normale Tomaten und Fleischtomaten sind nicht direkt miteinander vergleichbar.

Außerdem scheinen Wasser, Nährstoffe und Wärme und deren richtige Dosierung einen nicht zu unterschätzenden Einfluss zu haben: das kleine Gewächshaus überraschte mich im September noch mit einem besonderen Geschmackserlebnis – mit einer hervorragenden Virginia Sweets! Diese Sorte hatte ich mir zugelegt, weil sie laut einer amerikanischen Webseite bei einer Verkostung den 1. Preis errungen hatte; aber die Früchte, die ich bis dahin aus eigener Erzeugung kosten durfte, waren nicht der Rede wert.

Doch dann: welche süße Köstlichkeit!

Kein Bild kann den Geschmack beschreiben! Aber das Farbenspiel lässt ihn erahnen.
image-3913

Kein Bild kann den Geschmack beschreiben! Aber das Farbenspiel lässt ihn erahnen.

Vielleicht war das Zufall, dass die allerbeste Tomate wieder im kleinen Gewächshaus gewachsen war; aber ich glaube erst einmal, dass die äußeren Bedingungen dort besser waren – zumindest solange, bis im Folientunnel auch einmal solch ein Geschmackserlebnis heranreift.

Aber: auch im Folientunnel wachsen wohlschmeckende Tomaten, so ist es nicht; aber echte „Highlights“ gab’s bisher nur im Gewächshaus (2014 Paul Robeson, 2016 diese Virginia Sweets).

Ich schließe diesen Beitrag mit ein paar Eindrücken vom Fest, das ich in diesem Jahr ohne meine Liebste feiern musste. Es war trotzdem ein schönes Fest, weil es die Gedanken und die Schwere, die mich viele Tage des Sommers belasteten, für ein paar Stunden vertrieb: ein eigentlich banales Ereignis hatte unsere Ehe in eine tiefe Krise gestürzt – aus der wir aber (anscheinend) gestärkt hervorgegangen sind.